25.03.2004

Staubsauger: Es gibt noch viel zu tun

Staubsauger Test

Gerade mal 3 von 17 Bodenstaubsaugern können den Staub „sehr gut“ vom Boden in den Beutel befördern. Dabei kosten sie zwischen 174 und 1 555 Euro.

Vorbemerkung: Die Revolution hat noch nicht stattgefunden, obwohl Electrolux und Kärcher sie mit ihren autonom navigierenden Staubsauger-Robotern gern in deutschen Wohnzimmern ausbrechen sähen. Was bei unseren Prüfungen dieser beiden Raumpfleger herausgekommen ist, finden Sie unter „Teurer Spaß“. So viel aber steht fest: Noch zeigen herkömmliche Staubsauger den Saugrobotern, wo es langgeht.

Aber auch bei ihnen gibt es noch einiges zu tun. In diesem Test haben wir Staubsauger der oberen Preisklasse geprüft. „Sehr gute“ Ergebnisse bei der Staubaufnahme von Teppichen gab es jedoch nur mit Elektrodüsen. Bei ihnen wird eine rotierende Bürste von einem eigenen Motor angetrieben.

1300 Euro und nur „ausreichend“

Ausgerechnet das mit 1 300 Euro teuerste Grundgerät im Test, der Lux TopLux1 S D820, landete mit „ausreichend“ auf einem der letzten Plätze. Mit seiner Standarddüse wird es auf Teppichböden schwierig, die Faseraufnahme ist sogar nur „mangelhaft“. Hartböden lassen sich „gut“ reinigen. Teppichboden wird aber erst mit der Elektrodüse (zusätzlich 255 Euro) leidlich sauber. Dafür stört der Geräuschpegel und laut Anbieter ist die Elektrodüse nicht für Hartböden geeignet. Außerdem waren ihre Kohlebürsten bereits nach 335 von 600 geforderten Betriebsstunden verschlissen. Für diesen Preis ist das alles eher ein starkes Stück als „ein starkes Stück Schwedenstahl“ (Lux-Werbetext). Das Samsung-Gerät (179 Euro) traf sogar ein „Mangelhaft“ in der Haltbarkeit, weil die Kohlebürsten nach 230 von 600 Sollstunden verbraucht waren.

Es geht auch anders, allerdings nicht ganz billig: Mit jeweils sattem „Gut“ in den Qualitätsurteilen rangeln Miele (545 Euro), Bosch und Siemens (379 Euro mit Elektro-, 229 Euro mit Standarddüse) um die ersten Tabellenplätze, dicht gefolgt von Fakir (407 und 289 Euro). Dieser Vierte im Bunde ist bereits mit der Standarddüse ein relativ lauter Geselle und schluckt reichlich Strom, weshalb er sich mit seinen Umwelteigenschaften nicht mehr in bester Gesellschaft befindet.

Protzerei mit Wattzahlen

Gern protzen Anbieter in der Werbung mit hohen Wattzahlen. Aber in diesem Gewerbe gilt die Gleichung „Leistung ist Wirkung“ nicht zwangsläufig. Dass sich auch mit geringeren Wattzahlen „gute“ Saugleistungen auf Teppichboden erzielen lassen, beweisen zum Beispiel die Geräte von Dyson und Nilfisk. Nebenbei bemerkt: Unsere Messungen haben ergeben, dass die Wattzahlen auf den Typenschildern der Geräte oft hübsch „aufgerundet“ sind.

Entscheidend für den wirkungsvollen Transport des Schmutzes vom Boden in den Beutel sind Konzeption und Fertigungsqualität des gesamten Geräts. Da hat jeder Hersteller sein eigenes Rezept für optimales Düsendesign, ideale Luftführung und wirkungsvollen Filtereinbau. Entscheidend ist auch beim Staubsauger, was hinten her­auskommt: möglichst wenig Feinstaub. Darum haben sich nicht nur Konstrukteure von Gehäusen bemüht, sondern auch Entwickler von speziellen Filtern. Denn der stärkste Motor richtet nur Unheil an, wenn Gehäuse, Staubbeutel und Filter nicht „dicht halten“. Viele Hersteller, darunter Miele, Bosch, Siemens und auch Lux, setzen zur Optimierung des Staub­rückhalte­vermö­gens erfolgreich auf die teuren Hepa-Filter (High Efficiency Particulate Air Filter). Fakir beweist aber, dass da auch mit einem Mikrovlies-Filter ein „Sehr gut“ zu erreichen ist. Wie wenig der Hepa-Filter nützen kann, haben die Messungen beim Samsung VC-8930 E gezeigt: Trotz Hepa-Filter hat er eine relativ hohe Staubemission und deshalb in diesem Punkt nur „befriedigend“ erreicht.

Dem Staubbeutel setzt der Engländer James Dyson ein „Zyklon“-System entgegen. Dabei wird der Schmutz in einen dichten Behälter gewirbelt und dort festgehalten. Probleme gibt es bei der Entleerung des Behälters, was auch für den EIO mit Airbox und für den LG V-C 7760 gilt: Es kann sehr viel Staub aufgewirbelt werden.

Profitabler Wirrwarr bei Beuteln

Wie viele es genau gibt, weiß wohl niemand, im Handel spricht man von über 400 verschiedenen Staubsaugerbeuteln, die derzeit am Markt sind. Erwischt der Kunde den falschen, geht gar nichts. Die Unterschiede aber kann er auf den ersten Blick oft gar nicht ausmachen. Selbst identische Beutel verschiedener Hersteller sind beim Kauf nicht zu erkennen, weil sie unterschiedliche Typenbezeichnungen tragen. Diese Vielfalt und die Zeit raubende Suche nach dem passenden Beutel verärgern Verbraucher seit Jahrzehnten. Sachverständige und Konsumentenvertreter im Verbraucherrat beim Deutschen Institut für Normung (DIN) bemühen sich seit Jahren, den unsinnigen Wirrwarr zu beenden. Das wäre technisch sicherlich kein Problem, ginge aber den Marketingexperten gegen den Strich. Mit den an die Gerätemarken gebundenen Beuteln und Filtern lassen sich erkleckliche Gewinne erzielen . Ohne Zustimmung der Hersteller kann der Verbraucherrat aber keine Vereinheitlichung durchsetzen.

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