30.03.2006

Staubsauger: Der Sog der Saubermacher

Staubsauger Test

Wer es porentief rein haben will, braucht zum Sauger die Elektrobürste. Der Vorteil ist aber bei weitem nicht so deutlich wie der stattliche Mehrpreis.

Vor einhundert Jahren bastelte James Murray Spangler in Canton / Ohio aus Ventilator, Holzkasten und Kissen einen primitiven Staubsauger und verkaufte die Idee an die Firma seines Cousins, die „Hoover Leather Goods Factory“. Noch heute produziert Hoover, und in England wurde der Firmenname sogar zu einem Synonym fürs Saugen.

Der Hoover unseres Tests ist zwar nicht gerade Spitze, dafür aber relativ billig (100 Euro). Mit Siemens, Bosch und Miele liegen Geräte deutscher Hersteller vorn. Auf Deutschlands Teppichböden sind Bodenstaubsauger klar die Nummer eins: Sechs Millionen Stück wurden letztes Jahr verkauft. Hand-, Klopf- und Bürst-, Alles- und Kleinsauger kommen danach.

Für ihr Geld bekommt die Kundschaft vor allem eins – saugstarke Motoren. Aber viel Power allein bringt es auch nicht, wie die durchwachsenen Er­geb­nisse des Tests zeigen. Neben ausgesprochen guten Saubermachern finden sich Geräte mit eher bescheidenen Saugeigenschaften trotz hoher Leistungsaufnahmen des Motors. Weitere Schwächen gab es in der Haltbarkeit, der Handhabung und den Umwelteigenschaften – hier vor allem wegen Lärms und hoher Stromverbräuche.

Wir haben Modelle ausgewählt, die mit interessanten technischen Details aufwarten. Aber ob Standarddüse oder Elektrobürste, Staubbeutel oder Box, Wasser- oder Zyklonfilter – letztlich saugen alle nur mit Luft. Nur wer kräftig zuzahlt, kann mit Vorteilen rechnen: Im Vergleich liegen Modelle mit Bürstvorsatz leicht vorn. Die rotierenden Bürsten müssen aber von einem eigenen Elektromotor angetrieben werden. So genannte Turbobürsten, die allein vom Luftstrom bewegt werden, können nicht mithalten, wie der Test zeigte: Bei Saugern, die als Dreingabe mit einer luftstromgetriebenen Turbobürste ausgeliefert werden, ermittelten wir in Vorversuchen, welche Kombination effektiver saugt. Mit der besseren Düse absolvierten wir dann die Prüfungen. Meist lag die Standarddüse vorn. Nur bei der Faseraufnahme von Teppichböden war in der Regel die Turbobürste von Vorteil.

Sauberer als die Standarddüse macht nur die Elektrobürste. Sowohl beim Siemens als auch beim Miele war sie dem eigenen Modell sowie sämtlichen anderen Konkurrenten mit Standarddüse überlegen. Die rotierenden Bürsten lockern Schmutz von Teppichen und Hartböden, sodass er besser wegzu­saugen ist. Auch Haare, Flusen und Fasern lassen sie seltener zurück. Nicht zuletzt schätzen viele den optisch gefälligeren Eindruck eines gebürsteten Teppichbodens. Nicht ganz so gut war der Fakir Prestige 1800 mit Elektrobürste (85 Euro extra). Außerdem ging der Bürstenmotor vorzeitig in die Knie. Beim Fakir ist daher die Standarddüse die bessere und billigere Wahl.

Mit hohen Preisen abgebürstet

Staubsauger Test
Im Labor. Hier wird gerade überprüft, wie viel Staub im Beutel zurückgehalten wird.

Betrachtet man das Verhältnis von Preisen und Leistungen näher, kommen aber nicht nur beim Fakir ernste Zweifel am Sinn des Kaufs elektrischer Vorsatzbürsten. Sage und schreibe 147 Euro kostet allein die Siemens-Elektrobürste (bau- und preisgleich mit der Bosch-Elektrobürste) – der Staubsauger kommt noch dazu. Beim Miele sind sogar 158 Euro zusätzlich fällig, womit sich die Endpreise auf 309 beziehungsweise 312 Euro bei Siemens/Bosch und stolze 401 Euro (Miele) verteuern. Die Vorzüge der Elektrobürsten halten sich dagegen sehr in Grenzen. Auch ohne sie lässt es sich „gut“ saugen.

Besser mit Beutel

Staubsauger Test
Hier muss der Sauger zeigen, wie er mit Fasern, Flusen und Fusseln fertig wird.

Die Marke Dirt Devil ist mit einem Marktanteil von beeindruckenden 21 Prozent unter den Bodensaugern ein echter Senkrechtstarter. Wir haben das Modell Classic M3050 geprüft, das sowohl mit herkömmlichem Staubbeutel als auch mit Staubbox als Zubehör geliefert wird. Die so genannte B-Box wird gegen den Beutel ausgetauscht und soll den lästigen und teuren Beutelnachkauf vergessen lassen. Der Schmutz sammelt sich in der Box, wird im Mülleimer entsorgt und die Box kommt wieder in den Sauger. Ab und an sind Lamellenfilter und Filtergitter zu reinigen.

So weit, so praktisch. Der Haken: Mit dem normalen Staubbeutel saugt der Schmutzteufel (wahrscheinlich wegen der besseren Strömungsverhältnisse) eindeutig besser. Und auch die ab und an fällige Filterreinigung gehört nicht gerade zu den angenehmen Arbeiten.

Als beutellose Geräte arbeiten auch LG Electronics und Panasonic MC-E8024 mit Zyklon-System: Die eingesaugte, mit Schmutz verunreinigte Luft wird im Sauger verwirbelt. Dabei trennt sich durch Zentrifugalkraft der Staub vom Luftstrom, der abgesaugt wird. Zurück bleibt der gesammelte Staub im Auffangbehälter. Der Inhalt des Behälters kann entsorgt werden, Staubbeutel sind passee. Offensichtlich haben viele Verbraucher vom Staubbeutelwechsel und den Staubbeutelkosten die Nase voll, denn beutellose Geräte liegen im Trend.

Für die Ersparnis bezahlen die Kunden jedoch auf andere Weise: Wie der Dirt Devil im Staubboxbetrieb sind auch die beiden Zyklonsauger in den Saugeigenschaften nicht gerade Spitze. Weiterer Nachteil: Die Entsorgung kann eine schmutzige Angelegenheit werden, denn der Staub ist ja nicht in der Filtertüte eingesackt, sondern kann sich beim Transport und Ausleeren leicht wieder im Raum verteilen.

Kärcher DS 5500 und Thomas Genius arbeiten mit Wasserfiltern. Hausstaub, Pollen, Bakterien und Milben mit ihren Allergenen werden im Wasser gebunden, versprechen die Anbieter, und das sorge für eine besonders saubere und gesunde Raumluft. Wir haben den Feinstaubgehalt in der Abluft gemessen und können Allergiker ohne Wasserfilter-Sauger beruhigen: Bis auf den Coop/Satrap war das Staubrückhaltevermögen bei allen Bodenstaubsaugern tadellos. Ansonsten lag auch dieser beutellose (Wasser-)Filtertyp bei den Saugeigenschaften eher hinten.

Nach wie vor ein Ärgernis: Die Werbung wirft sich bei sämtlichen Modellen mit hohen Wattzahlen in die Brust. Dabei sagt eine hohe Leistungsaufnahme noch lange nichts über die Qualität des Saugers aus, die vielmehr von einer Vielzahl konstruktiver Komponenten abhängt. Außerdem übertreiben die Hersteller auch noch und schreiben größere Wattleistungen auf ihre Typenschilder, als wir dann tatsächlich im Labor nachgemessen haben.

Für Kritiker der Kraftprotze bleibt ein Ausweg: Niemand wird daran gehindert, den Leistungsregler herunterzudrehen. Das hilft der Umwelt, schont die Haushaltskasse und macht Teppichboden und Parkett kaum weniger sauber, als das Saugen mit durchgetretenem Gaspedal. 

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