14.11.2000

Spenden: Vertrauen ist gut ...

Interview: Staatliche Aufsicht noch nicht nötig

Der Volkswirt Viktor Wilpert Piel (34) erforscht am Lehrstuhl Finanzwissenschaft der Universität Trier den Spendenmarkt.


Es scheint keinen Königsweg zu geben, um herauszufinden, ob einzelne Spendenorganisationen wirklich seriös sind. Brauchen wir neben der steuerlichen Überprüfung durch das Finanzamt auch ein "Spenden-Prüfamt"?

Viktor Wilpert Piel:

Nein, eine Behörde für alle 240.000 spendenempfangsberechtigten Organisationen ist nicht wünschenwert, solange es funktionierende Kontrollmechanismen wie das dzi-Spendensiegel gibt. Das braucht allerdings noch den Bekanntheitsgrad einer Tüv-Plakette, damit es vom gesamten Spendenmarkt als Qualitätsstandard anerkannt wird. In diesem Sinne sollte das dzi neben den humanitär-karitativen Sammlern auch Einrichtungen wie die "Öko-Organisationen" ins Siegel einbeziehen.

Es machen aber nicht alle mit. So auch das Deutsche Rote Kreuz nicht, obwohl es sogar zu den Trägern es dzi gehört. Warum?

Piel:

Viele lassen sich nicht in die Karten schauen. Sie fürchten um die Spendenbereitschaft, wenn ihre gute Vermögenslage öffentlich wird. Doch auch dem vertraulichen dzi-Prüfverfahren verweigern sich manche Organisationen und verweisen auf Testate der von ihnen beauftragten Wirtschaftsprüfer. Das dzi geht jedoch über eine reine Finanzprüfung hinaus: Es setzt Grenzen für die Verwaltungskosten, achtet auf seriöse Werbung und funktionierende Kontrollgremien in den Organisationen. Es ist im Interesse aller, sich dem Siegelverfahren anzuschließen, um die schwarzen Schafe auszugrenzen.

An die Zielorte des Geldes, etwa in der dritten Welt, reisen die Prüfer nicht. Kann man ihrem Urteil trotzdem trauen?

Piel:

In der Tat prüft das dzi nur auf Vertrauensbasis anhand der einzelnen Unterlagen. Aufgrund der Prüferfahrung und den Vergleichsmöglichkeiten des Instituts gelingt es aber recht zuverlässig, die Spreu vom Weizen zu trennen, zumal die Führung des Siegels an eine jährliche Nachkontrolle gebunden ist. Zumindest stichprobenweise sind aber auch örtliche Kontrollen der Spendengeldverwendung gerade im Ausland geboten.

Zahllose kleine und im lokalen Bereich tätige Organisationen werden wahrscheinlich nie ein Siegel beantragen. Wie können Spender denn hier auf Nummer Sicher gehen ?

Piel:

Etwaige Ungereimtheiten sprechen sich meist schnell herum und werden von der Presse aufgegriffen. Spendenparlamente, die es bereits in einigen Städten gibt, können eine Orientierung geben. Auch die Anfrage an das dzi-Archiv, in dem über 2.000 Sammelorganisationen erfasst sind, hilft weiter.

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