PISA und die Ganztagsschule
Die PISA-Studie weist nach: Nach wie vor hängt in Deutschland der Bildungserfolg eines Kindes stark von der sozialen Herkunft ab. Schüler, die zu Hause keine Förderung erhalten, lernen oft weniger - wenn die Schule diesen Nachteil nicht ausgleicht.
Konsequenz aus PISA
Die Regelschule in Deutschland scheint benachteiligte Schüler oft nur unzureichend fördern zu können. Offenbar ist die Ganztagsschule hier die bessere Lösung - jedenfalls zeigen dies die Ergebnisse der PISA-Studie: Länder, in denen die Ganztagsschule die Regel ist, haben in diesem Punkt meist besser abgeschnitten. Als Konsequenz aus der PISA-Studie hatte die rot-grüne Bundesregierung 2003 das Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ (IZBB) für vier Milliarden Euro aufgelegt. Damit wollte sie den Aus- und Aufbau von Ganztagsschulen in den folgenden Jahren fördern. Von den IZBB-Mitteln profitierten laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zwischen 2003 und 2009 bundesweit fast 7 200 Ganztagsschulen. Die Bundesländer entschieden, welche Schulen und Schulformen sie mit dem Geld aus dem Investitionsprogramm finanziell, inhaltlich oder personell fördern wollten. Das Programm lief Ende 2009 aus.
Große Unterschiede
Ganztagsschule ist nicht gleich Ganztagsschule. Jede Schule plant ihren Ganztagsbetrieb anders und setzt ihn individuell um. Ein grundsätzliches Problem in Deutschland ist: Anders als in den erfolgreicheren Ländern Europas, scheint hierzulande statt Ganztagsschule oft eher Ganztagsbetreuung gemeint zu sein. Diese kann zwar die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Über deren spezifische Fördereffekte bestehen jedoch Zweifel. Wichtig ist die Qualität der Angebote und dass die Schüler daran teilnehmen. Das Bundesforschungsministerium förderte eine Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) 2005-2009, die das StEG-Konsortium 2010 veröffentlichte. Die Studie zeigt unter anderem die positiven Wirkungen, die Ganztagsschulen auf das Sozialverhalten von Schülern haben können, auf das häusliche Familienklima und bei entsprechender Qualität der Angebote auch auf die Schulnoten.
Tipps
- Informieren Sie sich vor der Anmeldung Ihres Kindes, ob eine zur Ganztagsschule gewandelte Schule überhaupt die Voraussetzung für diese Schulform erfüllt. Oft sind Schulen, die sich plötzlich zur Ganztagsschule erklärt haben, baulich dafür gar nicht geeignet. Es fehlt an Bewegungs- und an Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder. Oder der Personalschlüssel hat sich mit der Umetikettierung kaum oder gar nicht verändert.
- Klären Sie, was für Sie und Ihr Kind am besten ist. Je nachdem, ob es sich bei „Ihrer“ Schule um eine offene oder gebundene Ganztagsschule handelt, sind Sie in Ihrer Flexibilität stark eingeschränkt. Nicht jede Familie profitiert deshalb von der gebundenen Ganztagsschulorganisation. Bedenken Sie: Musikstunden, der Sportverein und spontane Verabredungen mit Freunden haben für Kinder einen hohen Stellenwert.
- Wenn Sie mehr Wert auf Flexibilität legen, können Sie sich nach offeneren Schul- und Betreuungsformen erkundigen. Möglicherweise gibt es in Ihrer Nähe etwa eine Halbtagsschule mit zusätzlichen Angeboten an einem oder mehrere Nachmittagen. Achten Sie aber auch hier darauf, dass alles stimmt - die Organisation, die Räume, das Essen und das Personal.
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