27.09.2007

Sonnenstudios: Was Sie wissen müssen

Sonnenstudios Meldung

Wenn die Urlaubsbräune verblasst, haben Sonnenstudios Hochkonjunktur. Viele Deutsche wollen auch in der kalten Jahreszeit aussehen, als hätten sie gerade ihren Jahresurlaub in der Karibik verbracht. Dafür nehmen sie schrumpelige Haut, Augenschäden und das Risiko von Hautkrebs in Kauf. test.de beantwortet häufig gestellte Fragen zu diesem Thema.

Warum eignet sich die Kunstsonne in Sonnenstudios nicht zum Vorbräunen?

Das Strahlenspektrum der Solarien ist anders zusammengesetzt als das der natürlichen Sonne. Die künstliche Sonne gibt vor allem Ultraviolett-A-Strahlen ab. Die bräunen zwar, schützen aber nicht vor Sonnenbrand. Schutz gibt es nur, wenn sich gleichzeitig die Hornschicht der Haut verdickt. Dazu ist ein gewisser Anteil an Ultraviolett-B-Strahlen nötig. Tipp: Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Sonnenbank auf UVB-Strahlen. Wer sich nur mit UVA-Strahlung vorgebräunt am Strand tummeln will, darf das Lichtschutzmittel nicht vergessen.

Warum wettern Dermatologen gegen Sonnenbänke und setzen die Geräte in ihren Praxen selbst ein?

Hautärzte beobachten schon seit Jahren eine Zunahme von Hautkrebs, immer häufiger auch bei Patienten in jüngeren Jahren. Durch zahlreiche Studien ist der Zusammenhang zwischen UV-Belastung der Haut und Hautkrebs eindeutig belegt. Kein Wunder also, dass die Fachwelt vor jeder überflüssigen Strahlenbelastung warnt. Wenn Dermatologen Sonnenbänke einsetzen, geschieht das nicht, um allein den kosmetischen Effekt der Bräunung zu erzielen. Mit oft nur sekunden- bis minutenlangen Bestrahlungen geht es hier darum, Krankheiten vorzubeugen oder zu lindern. Behandlungserfolge gibt es zum Beispiel bei Menschen mit Schuppenflechte oder Neurodermitis.

Warum soll ich zum Vitamin-D-Aufbau nicht die Sonnenbank nutzen?

Gern wird damit geworben, dass das Solarium die Vitamin-D-Bildung ankurbelt und damit der Rachitis vorbeugt. Doch dieser Prozess wird durch das von Solarien abgegebene Strahlenspektrum meist nur unzureichend gefördert. Tipp: Ernähren Sie sich gesund und bewegen Sie sich jeden Tag mindestens 20 Minuten an der frischen Luft. Dann sind Sie nach Einschätzung von Medizinern ausreichend vor Vitamin-D-Mangel geschützt.

Warum sind die Strahlen nicht gesundheitsfördernd, sondern eher schädlich?

Die UVA-Bräunungsgeräte dienen allein einem kosmetischen Effekt. Gesundheitliche Vorteile darf man von dieser Bestrahlung im Sonnenstudio nicht erwarten. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass UVA-Strahlung kurzfristig das Immunsystem stärkt. Wesentlich deutlichere Anhaltspunkte sprechen aber dafür, dass massive, hohe Dosierungen von UV-Strahlung langfristig das Immunsystem schwächen. Harmlos sind die Strahlen im Solarium jedenfalls nicht. Zwar ist das sonnenbrandfördernde UVB weitgehend ausgefiltert, doch auch das in hohen Dosen eingesetzte UVA hat seine Tücken:

  • Ein Zuviel dieser langwelligen Strahlen, die tiefer in die Haut eindringen als UVB, kann zu chronischen Hautschäden führen, zum Beispiel zu Bindegewebsschwäche und vorzeitiger Hautalterung.
  • Hohe Intensitäten langwelliger UV-Strahlen verstärken das Risiko für Lichtüberempfindlichkeitsreaktionen.
  • Nicht nur die UVB-Strahlen, sondern auch ein Übermaß an UVA-Strahlung kann zu Hautkrebs führen.

Warum sind Studios mit Zertifikat anderen Studios vorzuziehen?

Diese Studios haben Kompetenz und Gesundheitsbewusstsein offiziell unter Beweis gestellt. Das Gütesiegel des Bundesamts für Strahlenschutz wird nämlich nur an Studios verliehen, die nachgewiesen haben, geschultes Personal zu beschäftigen. Die Mitarbeiter müssen in der Lage sein, Kunden ausführlich und korrekt zu beraten. Auch die Geräte müssen gewissen Standards genügen und regelmäßig gewartet werden. Ebenso muss die Hygiene stimmen. Sonst gibt es kein Zertifikat.

Warum wird jetzt die Bestrahlungsstärke der Bräunungsgeräte begrenzt?

In den Sonnenstudios gibt es zum Teil Geräte, die deutlich heftiger strahlen als die Mittagssonne am Äquator. Strahlenschützer waren schon immer dagegen. Nun endlich bekamen sie Rückendeckung von der EU: Seit August 2007 muss die Bestrahlungsstärke auf 0,3 Watt pro Quadratmeter begrenzt werden. Das gilt allerdings vorerst nur für neue Geräte. Eine endgültige Regelung für Geräte, die schon länger in den Studios stehen, fehlt noch.

Warum darf ich erst ab 18 ins Solarium?

In den Kinder- und Jugendjahren bekommt die Haut etwa 80 Prozent der Strahlenbelastung eines ganzen Lebens ab. Schließlich sind die Heranwachsenden häufiger an der frischen Luft als Erwachsene und demzufolge entsprechend mehr der Sonne ausgesetzt. Dabei ist gerade die jugendliche Haut empfindlich und braucht Schutz vor übermäßiger UV-Strahlung. Wird die Haut dann auch noch zusätzlich durch künstliche Strahlen im Sonnenstudio belastet, kann sich das Jahre später rächen: durch eine vorzeitige Hautalterung oder sogar durch Hautkrebs. In Spanien und Frankreich zum Beispiel ist schon heute das Solarium für Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Auch hierzulande sind entsprechende Gesetze geplant.

Warum sind Münzstudios zu meiden?

Ganz einfach, weil hier die kompetente Beratung und der Ansprechpartner im Notfall fehlen. Und wer kontrolliert hier, ob die Sonnenbänke nach der Benutzung gründlich gereinigt werden?

Warum muss ich unbedingt eine Schutzbrille tragen? Reicht es nicht, die Augen zu schließen?

Nein, das reicht keinesfalls. Die Strahlen können die Augen schädigen. Bindehautentzündungen oder gar Linsentrübungen können die Folge sein. Nur eine Schutzbrille schirmt die Augen zuverlässig vor den UV-Strahlen ab. Ein Sonnenstudio, das sie nicht ungefragt überreicht, disqualifiziert sich selbst.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tipps

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (0)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice