Kinder reagieren besonders empfindlich auf Sonne. Eltern müssen sie beim Herumtoben im Freien gut schützen: mit Hemd, Höschen, Sonnenhut – und einem guten Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Die Stiftung Warentest hat 20 Lotionen und Sprays für Kinder getestet. Fazit: Guter Sonnenschutz muss nicht teuer sein. Auch preiswerte Produkte erzielten gute Testergebnisse.
Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Sonnenschutzmittel
Die teuersten nicht die besten
Immerhin zwölf Lotionen und Sprays erzielen gute Testergebnisse, darunter etliche preiswerte Angebote aus Drogeriemärkten und vom Discounter. Zum Beispiel die Sonnenmilchprodukte von Müller, dm und Aldi sowie die Sprays von Lidl und Norma. Sie kosten nicht mehr als 2 Euro pro 100 Milliliter. Bis zu zehnmal mehr verlangen die Anbieter der teuersten Produkte im Test: La Roche-Posay Anthelios, Daylong Kids oder Ultrasun. Für bis zu 21 Euro pro 100 Milliliter schützen sie den Nachwuchs aber keinesfalls am besten.
Ausreichend hoher Lichtschutzfaktor wichtig
Für Kinder besonders wichtig: ein ausreichend hoher Lichtschutzfaktor. Alle 20 Sonnenschutzmittel im Test versprechen mindestens einen hohen Schutz mit Lichtschutzfaktor 30 und 50, andere mit Faktor 50+ sogar einen sehr hohen. Der empfiehlt sich für besonders lichtempfindliche, extrem hellhäutige Kinder. Alle anderen sind auch mit Lichtschutzfaktor 30 gut versorgt.
Lichtschutzfaktor eingehalten
Egal ob teuer oder billig: Alle getesteten Sprays und Lotionen halten den ausgelobten Lichtschutzfaktor ein. Sie schützen entsprechend der Deklaration vor den aggressiven Ultraviolett-B-Strahlen, die für Sonnenbrand und Hautkrebs verantwortlich sind. Annemarie Börlind hat allerdings des Guten zu viel getan: Ihre Sonnenmilch überschreitet den angegebenen Lichtschutzfaktor 30 um mehr als 200 Prozent. Deshalb heißt die Note hier ausreichend. Denn Lichtschutzfilter sollten mit Bedacht eingesetzt werden.
Schutz vor UVB und UVA
Alle Mittel versprechen, nicht nur vor UVB-, sondern auch vor UVA-Strahlen zu schützen. Diese längerwelligen Strahlen dringen tiefer in die Haut ein als UVB. Sie werden für das vorzeitige Altern der Haut und für manche Hautirritation verantwortlich gemacht, aber auch für die Entstehung von Hautkrebs. Um in diesem Strahlenbereich wirkungsvoll schützen zu können, muss das Verhältnis des UVA- und UVB-Faktors mindestens 1 : 3 betragen. Fast alle Sprays und Lotionen halten dieses Verhältnis ein. Nur die Sonnenlotion von Ultrasun, die oft auch in Flugzeugen angeboten wird, erzielt keinen ausreichend hohen UVA-Schutz.
Beim Baden verschwindet der Schutz
Von dem Etikett „wasserfest“ sollten Freunde des kühlen Nass' nicht zu viel erwarten. Ein Sonnenschutzmittel darf sich „wasserfest“ nennen, wenn nach zweimal 20 Minuten Baden noch die Hälfte des ursprünglichen Schutzes vorhanden ist. Die Sonnenlotionen von Nivea (Lichtschutzfaktor 30) und Daylong bewältigen diese Mindestanforderung nicht, genauso wenig das Spray Ombra Sun von Aldi (Nord). Wer auf Nummer sicher gehen will, cremt sein Kind nach jedem Baden erneut ein.
Cremen oder sprühen?
Die Unterschiede zwischen Lotionen und Sprays sind nicht so groß, wie Marketingexperten sie gern darstellen. Auch ein Spray muss auf dem Körper verteilt und eingerieben werden. Nur so ist gleichmäßiger Sonnenschutz gewährleistet. Ob der Sonnenbadende ein Spray oder eine Milch benutzt, ist vor allem Geschmacksache. Der eine sprüht, der andere cremt halt lieber. Für Kinder-Sonnenschutzprodukte gilt: Sie sind oft fetthaltiger als andere Sprays und Lotionen. Deshalb nutzen sie auch viele Erwachsene mit trockener Haut.
Viele ohne Farbstoffe und Parfüm
Mitunter reagiert Kinderhaut empfindlich auf die vielfältigen Inhaltsstoffe. Deshalb heißt es, so weit wie möglich auf Substanzen zu verzichten, die sie irritieren könnten: Konservierungs- und Parfümstoffe, Farbstoffe und Emulgatoren (sie halten die Bestandteile einer Emulsion zusammen). Einige Anbieter verzichten völlig darauf. Die Mehrzahl der Sonnenschutzmittel ist frei von Parfümstoffen. Allerdings: Ein angenehmer Duft kann die Motivation des Kindes steigern, sich eincremen zu lassen.
Konservierungsstoffe gegen Keime
Etliche der getesteten Produkte kommen ohne den Zusatz von Konservierungsstoffen aus. Ohne sie besteht allerdings die Gefahr, dass sich Keime in Lotion oder Spray vermehren – gerade bei Sommerhitze und am Strand passiert das schnell. Im Prüflabor der Stiftung Warentest erwiesen sich die meisten Kinder-Sonnenschutzmittel als widerstandsfähig gegen Keimbefall – auch die ohne Zusatz von Konservierungsstoffen. Nur die beiden Sprays von Garnier Ambre Solaire (Lichtschutzfaktor 30 und 50+) verminderten die Keime zu wenig und schneiden in der mikrobiologischen Qualität deshalb nur ausreichend ab.
Nanopartikel: Kein Problem bei gesunder Haut
Viele Hersteller sind dazu übergegangen, verstärkt anorganische Lichtschutzfilter wie Titandioxid und Zinkoxid einzusetzen – zum Teil in winziger Partikelgröße, so genannten Nanopartikeln. Das führte zu Diskussionen: Befürchtung kamen auf, die Nanopartikel könnten durch die Haut in den Organismus wandern – mit unbekannten Folgen. Das Bundesamt für Risikobewertung hat inzwischen Entwarnung gegeben: Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft können die in Sonnenschutzmitteln eingesetzten Nanopartikel die Haut nicht durchdringen. Bislang gilt das aber nur für gesunde Haut als erwiesen.
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