30.04.2012

Serie Riester-Rente, Teil 5: Kritik an Riester: Was an der Kritik dran ist

Serie Riester-Rente, Teil 5: Kritik an Riester Special

Seit dem Jahr 2002 gibt es die staatlich geförderte Riester-Rente. Gut zehn Jahre nach ihrer Einführung hagelt es jetzt Vorwürfe: Renditeschwach sei die staatlich geförderte Riester-Rente, zudem teuer und kompliziert. Manche dieser Kritikpunkte sind berechtigt – andere weniger. Finanztest klärt in Teil 5 der Serie zur Riester-Rente darüber auf, was an der Kritik dran ist.

Riester-Rente in der Kritik

Seit dem Jahr 2002 gibt es die staatlich geförderte Riester-Rente. Gut zehn Jahre später hagelt es Vorwürfe. Manche der Vorwürfe sind berechtigt, andere weniger. Die Experten von Finanztest sind ihnen in Teil 5 der Riester-Serie auf den Grund gegangen (Zu den anderen Teilen der Serie Riester-Rente).

Vorwurf: Riester lohnt nicht, ein Sparstrumpf bringt mehr

Serie Riester-Rente, Teil 5: Kritik an Riester Special

Stimmt so pauschal nicht. Wer einen guten Vertrag abschließt, erreicht durch die staatliche Förderung eine ganz ordentliche Rendite auf seine Riester-Beiträge. Sie ist jedenfalls höher als bei anderen vergleichbaren Produkten, beispielsweise einer privaten Rentenversicherung. Vor allem für Häuslebauer lohnt sich ein Riester-Vertrag in Form eines Darlehens oder Bausparvertrags. Mit einem günstigen Vertrag schneiden sie viel besser ab als mit einer Finanzierung ohne die Förderung. Neben den Zulagen gibt es für viele auch noch Steuervorteile, die bei der Berechnung der Rendite mitgezählt werden müssen. Mehr zur steuerlichen Förderung „Riester-, Rürup- und Betriebsrenten: Förderung optimal ausnutzen“. Davon profitieren allerdings vor allem Gutverdiener. Der Vergleich mit dem Sparstrumpf stimmt schon deshalb nicht, weil ein Sparstrumpf irgendwann leer ist. Eine Riester-Rente wird dagegen lebenslang gezahlt. Wichtig ist, den passenden Produkttyp zu wählen und einen günstigen und renditeträchtigen Vertrag abzuschließen. Schlechte Angebote bleiben auch dann schlecht, wenn sie staatlich gefördert werden. Leider haben wir gerade unter den meistverkauften Verträgen, den Riester-Rentenversicherungen, in unseren jüngsten Tests kein einziges sehr gutes Angebot gefunden, aber wenigstens ein paar gute.

Vorwurf: Nur wer steinalt wird, kommt mit Riester ins Plus

Stimmt so pauschal nicht. Richtig ist aber: Je teurer der Tarif, desto älter muss der Kunde werden, bis er so viel Rente erhalten hat, dass er wenigstens seine Beiträge und die staatlichen Zulagen zurückbekommen hat. In unserem jüngsten Test der Riester-Rentenversicherungen zeigte sich, dass ein Kunde mit einem kostengünstigen Vertrag 82 Jahre alt werden muss, bis er ins Plus kommt. Bei einem teuren Tarif kommt der Kunde dagegen erst mit 85 Jahren ins Plus. Hier galt allerdings noch der alte, höhere Garantiezins von 2,25 Prozent. Wir haben unterstellt, dass der Kunde nicht mehr Rente bekommt als vom Versicherer zu Vertragsbeginn garantiert. Gute Versicherer erwirtschaften jedoch Überschüsse und zahlen mehr als die garantierte Rente aus. Dann hat der Kunde Beiträge und Zulagen schon früher wieder heraus. Es lohnt sich also, einen guten Tarif auszuwählen. Eine gute Orientierung für Riester-Interessierte bietet die Themenseite Riester.

Vorwurf: Riester lohnt nicht bei niedrigem Einkommen

Stimmt so pauschal nicht. Gerade durch die Zulagen lohnt sich die Riester-Förderung für Menschen mit niedrigem Einkommen. Denn bei ihnen sind die staatlichen Zuschüsse im Verhältnis zum eigenen Sparbeitrag besonders hoch, vor allem wenn sie Kinder haben. Ein Beispiel: Eine alleinerziehende Riester-Sparerin mit zwei kleinen Kindern und einem Jahreseinkommen von 20 000 Euro muss nur 60 Euro im Jahr selbst einzahlen, um Zulagen in Höhe von 754 Euro zu erhalten. Nur für Menschen, die im Alter so wenig Geld haben, dass sie staatliche Sozialleistungen brauchen, bringt Riester-Sparen bisher tatsächlich nichts. Doch das ändert sich vielleicht bald. Es gibt Vorschläge aus dem Bundesarbeitsministerium, Menschen besserzustellen, die wenig verdient, aber lange gearbeitet und vorgesorgt haben.

Vorwurf: Die Riester-Rente ist unflexibel und intransparent

Stimmt so pauschal nicht. Zumindest die Förderung passt sich an. Sie fließt weiter, wenn Sparer für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen eine Zeit lang im Beruf aussetzen. Die Sparer können ihre Riester-Ersparnisse sogar einsetzen, wenn sie ein Haus kaufen möchten. Leider sind die Verträge selbst häufig unflexibel. So verlangen Versicherer Geld, wenn Kunden die Auszahlung ihrer Riester-Rente vorverlegen oder wenn sie zu einem anderen Anbieter wechseln möchten. Außerdem bekommt der Kunde nichts von der Vermittlerprovision zurück, wenn er seine Beiträge reduziert, weil er weniger verdient oder Kinder erzieht. Die ursprüngliche Provision wurde aber auf Basis höherer Einzahlungen berechnet. Bei der Transparenz gibt es große Unterschiede zwischen den Anbietern.

Vorwurf: Riester ist kompliziert und bürokratisch

Stimmt. Von den Anbietern über die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) bis hin zum Arbeitsministerium sind selbst die Profis immer wieder ratlos, wenn sie mit Detailfragen konfrontiert werden.

Vorwurf: Riester ist zu teuer und macht die Anbieter reich

Stimmt häufig. Dies trifft auf Riester-Verträge leider genauso zu wie auf andere Finanzprodukte. Aus sozialpolitischen Gesichtspunkten nachzuvollziehen ist auch die Kritik, dass durch die Förderung der Riester-Rente Steuergeld zum Aufbau einer privaten Altersvorsorge verwendet und dabei die Finanzbranche gestärkt wird. Herkömmliche Rentenversicherungen sind Finanzprodukte, die sich wirklich mit der Riester-Rente vergleichen lassen. Sie garantieren wie die Riester-Verträge Zahlungen bis zum Tod. Dieser lebenslange Schutz kostet extra und in beiden Fällen oft zu viel. Denn die Provisionen für Vermittler sind nicht durch eine staatliche Vorgabe begrenzt. Aber es gibt auch gute Riester-Angebote, bei denen sich die Kosten in Grenzen halten.

Vorwurf: Zu wenig Menschen nutzen die Riester-Rente

Stimmt. Mit rund 15,4 Millionen Abschlüssen ist das Ziel längst nicht erreicht, die Riester-Rente als Vorsorge für möglichst alle einzusetzen, um die Einbußen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Außerdem zahlen viele Riester-Sparer nicht so viel eigenes Geld ein, dass ihnen die volle Förderung zugute kommt, und können so die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente nicht mit einer Riester-Rente wettmachen.

Riester-Rente ist gut, aber die Angebote müssen besser werden

Das Fazit: Wer sich heute eine Zusatzrente oder Wohneigentum fürs Alter sichern will, kann mit einem Riester-Vertrag besser fahren als mit anderen Altersvorsorgeverträgen oder Baukrediten. Das liegt an den Zulagen und den Steuervorteilen, aber nicht daran, dass die Riester-Produkte so toll wären. Kunden müssen bei der Auswahl auf einen guten Vertrag achten. Und Banken und Versicherungen müssen mehr gute Verträge anbieten. Eine staatlich geförderte Altersvorsorge sollte höhere Standards erfüllen als rein private Vorsorgeverträge.

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