30.06.2009

Serie Rentner und Pensionäre, Teil 1: Steuerpflicht prüfen

Serie Rentner und Pensionäre, Teil 1 Special

Rentner und Pensionäre müssen klären, ob sie in den vergangenen Jahren Steuer­erklärungen versäumt ­haben. Noch können sie die Abrechnungen ­problemlos nachholen.

Neue Kontrollen können für Rentner und Pensionäre zum Verhängnis werden. Ab Herbst erfahren ihre Finanzämter alle Renten, Pensionen und Versicherungssummen, die sie seit 2005 erhalten haben. Wer in der Vergangenheit Steuererklärungen versäumt hat, fliegt sehr leicht auf.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass jeder vierte Rentnerhaushalt Steuern zahlen muss. Das sind über drei Millionen. Viele geben trotzdem keine Steuererklärung beim Finanzamt ab.

Zum Glück beginnen die Kontrollen erst nach der Bundestagswahl am 27. September. Wer Steuererklärungen nachholt, bevor das Finanzamt ihn entdeckt hat, geht garantiert straffrei aus. Je früher die Unterlagen dort sind, desto niedriger sind außerdem die Zinsen, die das Finanzamt für Steuerschulden aus der Zeit vor 2008 verlangt.

Solange das Finanzamt sich noch nicht gemeldet hat, kann jeder seine Verpflichtungen ohne Druck prüfen und Versäumtes in Ordnung bringen. Dabei hilft unsere Serie „Rentner und Pensionäre“, die wir in diesem Heft starten.

Im ersten Teil erfahren Rentner und Pensionäre, wie viel von ihren Renten, Pensionen und Versicherungssummen steuerfrei ist. Ob gesetzliche Rente, Beamtenpension, Firmenvertrag oder Privatrente: In der Tabelle steht, welche Steuervorteile für die wichtigsten Verträge gelten.

Wir stellen außerdem Werner Holtmann aus Hilden in Nordrhein-Westfalen vor. Der 64-Jährige bezieht eine gesetzliche Rente und eine Firmenpension. Sein Beispiel wird bereits den ersten Rentnern und Pensionären zeigen, ob sie eine Steuererklärung abgeben müssen oder nicht.

Holtmanns gesetzliche Rente

Serie Rentner und Pensionäre, Teil 1 Special
Über drei Millionen Rentnerhaushalte müssen Steuern zahlen, sagt die Bundesregierung. Werner Holtmann gehört dazu. Für seine Firmenpension zahlt er Lohnsteuer. Der 64-Jährige muss außerdem eine Steuererklärung abgeben, weil er zu viel Nebeneinkünfte hat. Wenn er seine Pflicht vernachlässigt, macht ihm das Finanzamt ab Herbst Druck.

Werner Holtmann hat über 30 Jahre in einem Industrieunternehmen in Nordrhein-Westfalen gearbeitet. Seit August 2006 ist er in Rente.

Der steuerfreie Teil der gesetzlichen Rente richtet sich bei jedem nach dem Jahr, in dem sie begann. Holtmann hat 2006 von August bis Dezember zum ersten Mal rund 5 000 Euro Rente erhalten. Davon waren 2 400 Euro (48 Prozent) steuerfrei.

Auf Basis der im zweiten Jahr gezahlten Rente hat das Finanzamt dann den jährlichen Rentenfreibetrag berechnet, den Holtmann bis an sein Lebensende erhält. Der Hildener hatte 2007 rund 12 000 Euro Rente. Sein Freibetrag beträgt deshalb 5 760 Euro (48 Prozent) im Jahr.

Tipp: Wenn Sie pflichtversichert sind, berechnet das Finanzamt den Freibetrag von der Bruttorente, bevor Ihr Eigenanteil zur Kranken- und Pflegeversicherung abgeht. Als privat oder freiwillig Versicherter müssen Sie davon ausgehen, dass Ihr Sachbearbeiter vorher die Zuschüsse des Rententrägers zur Krankenversicherung abzieht.

Wenn zur gesetzlichen Rente keine Einnahmen dazukommen, wissen Rentner schnell, ob das Finanzamt von ihnen eine Steuererklärung haben will oder nicht. Sie müssen von der Jahresrente nur ihren lebenslangen Freibetrag und eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro abziehen. Bewegt sich das Ergebnis in den unten genannten Grenzen, ist das Finanzamt aus dem Spiel. Rentnerpaare können doppelt so hohe Renteneinkünfte haben:

2005 bis 2008: 7 664 Euro
2009: 7 834 Euro
2010: 8 004 Euro

Werner Holtmann ermittelt seine Renteneinkünfte nach folgendem Schema:

Gesetzliche Jahresrente
– persönlicher Rentenfreibetrag
– Werbungskostenpauschale von 102 Euro
= Renteneinkünfte

Holtmanns Renteneinkünfte lagen seit Beginn seines Ruhestands in keinem Jahr über den kritischen Grenzen. 2008 waren es zum Beispiel trotz Rentenerhöhung nur 6 198 Euro (= 12 060 – 5 760  – 102 Euro ).

Holtmanns Pension

Unser Mann aus Hilden ist beim Finanzamt trotzdem nicht aus dem Schneider, denn sein Arbeitgeber hat ihm im Berufsleben eine Pensionszusage gemacht. Holtmann erhält die Pension auf Steuerkarte und zahlt dafür jeden Monat Lohnsteuer.

Pensionszusagen gehören zu den Verträgen, die beim Finanzamt ungünstig sind. Der Löwenanteil ist steuerpflichtig, weil die Beiträge im Berufsleben aus steuerfreiem Einkommen finanziert wurden.

Als spezielle Vergünstigung gibt es aber wenigstens einen Versorgungsfreibetrag mit Zuschlag. Die Höhe richtet sich nach dem Jahr, in dem die Pension beginnt. Sie sinkt für jeden neuen Pensionärsjahrgang.

Firmenpensionäre erhalten Freibetrag und Zuschlag aber erst ab dem Monat, in dem sie 63 Jahre alt werden. Beginnt ihre Pension vorher, hängt es vom Jahr des 63. Geburtstags ab, wie viel steuerfrei bleibt.

Holtmann hatte im August 2006 die erste Pension, ist aber erst im Juli 2007 63 Jahre geworden. Für ihn gilt deshalb der Versorgungsfreibetrag wie bei Pensionsbeginn im Jahr 2007. Er beträgt 36,8 Prozent von der Pension, höchstens aber 2 760 Euro im Jahr. Dazu kommt ein Zuschlag von 828 Euro.

Wie hoch Holtmanns Pension ist, soll sein Geheimnis bleiben. Doch wir nehmen an, es sind 12 000 Euro im Jahr. Dann erhält unser Pensionär den höchsten Freibetrag und kassiert mit dem Zuschlag 3 588 Euro Pension im Jahr steuerfrei. Im Jahr 2007 war es allerdings nur halb so viel, weil Holtmann erst im Juli 63 Jahre alt war.

Holtmanns Pflicht beim Finanzamt

Läuft eine Pension auf Steuerkarte und haben Alleinstehende wie Werner Holtmann die Steuerklasse I oder pensionierte Ehepartner die Steuerklasse IV, ist wegen der Pension allein keine Steuererklärung nötig: Dann erhält das Finanzamt bereits während des Jahres genug Lohnsteuer.

Das ändert sich, wenn Nebeneinkünfte dazukommen, die höher als 410 Euro im Jahr sind. Werner Holtmann hat höhere Einkünfte aus der gesetzlichen Rente. Er muss deshalb eine Steuererklärung abgeben und hat das seit 2006 auch getan.

Serie Rentner und Pensionäre
Die nächsten Folgen:

– Steuererklärung ja oder nein 8/2009
– Schritt für Schritt durch die Formulare 9/2009
– Freibrief vom Finanzamt 10/2009
– Blick in die Zukunft 11/2009

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Unser Rat

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