Wer nach Preis kauft, kommt um das Panasonic KX-TCD220 nicht herum. Allerdings: Am besten bei der Handhabung ist das Siemens Gigaset S445.
Ein Auflagebügel aus gebogenem, rauchigem Kunststoff an der Basisstation, weiche Gummitasten am Mobilteil – gediegen sieht der Preis-Leistungs-Hit aus dem Hause Panasonic nicht unbedingt aus. Doch die inneren Werte des KX-TCD220 überzeugen: gute Tonqualität beim Sprechen und Hören, ein gut lesbares Telefonbuch mit 200 Einträgen, ein brauchbares Menü und ein passabler Anrufbeantworter. Der 60 Euro billige Preisbrecher erreicht mit dem Qualitätsurteil „gut (2,1)“ den ersten Platz der Testtabelle – zusammen mit drei deutlich teureren Telefonen. Das KX-TCD320 aus dem gleichen Haus kostet 30 Euro mehr, für das Siemens Gigaset S445 und das sehr ähnliche T-Com Sinus 712A Komfort ist sogar ein Aufschlag von mindestens 70 Euro fällig. Diese drei bieten dafür zwar ein Farbdisplay, das ist aber kein Muss bei schnurlosen Telefonen.
Und selbst diese Modelle sind deutlich billiger als ähnlich gute im Vorjahr: Damals musste man für diese Ausstattung meistens noch 160 Euro und mehr hinlegen. Die Preise fallen, die Qualität bleibt gleich oder wird sogar etwas besser. Das zeigt unser Test von zwölf Modellen mit Anrufbeantworter und fünf Modellen ohne. Doch ähnlich wie bei Handys gilt: Wer die Vielzahl der Funktionen nicht braucht und lieber etwas weniger zahlen möchte, wird nicht bedient. Einfache und doch gute Telefone unter 50 Euro haben wir bei unserem Test nicht gefunden.
„Verzerrter“, „zischelnder“ Klang
Ärgerlich bei den Billigeren: der relativ schlechte Klang. So lautete beim Topcom Butler 2551 Deluxe für 56 Euro die Diagnose unserer Prüfer: „verzerrte“ Klangqualität beim Sprechen. Beim AEG D 8000 M Voice für 59 Euro befanden sie gar „zischelnd, rauschend“. Natürlich: „Wunderdinge darf man von einem Dect-Telefon nicht erwarten“, sagt unser Akustikexperte. „Dect-Telefone haben technisch bedingt alle einen etwas rauhen Klang. Ein gutes schnurgebundenes Telefon klingt immer besser.“ Doch auch mit dem Dect-Standard lässt sich eine gute Qualität erreichen. Das zeigen die beiden Panasonic-Modelle, die auch mit tieferen Tönen fertig werden und deshalb einen volleren Klang haben. Schwächer ist allerdings die Freisprecheinrichtung, über die fast alle Modelle im Test verfügen. Eine praktische Sache: Ein Knopfdruck, und alle im Raum hören mit, was Oma für Neuigkeiten hat. Am besten geht das mit dem Siemens Gigaset S445 und dem T-Com Sinus 712 A Komfort. Obwohl der früher oft jämmerliche Klang beim Freisprechen auch bei anderen Modellen etwas besser geworden ist, schaffen nur diese beiden ein „Gut“.
200 Plätze kein Überfluss
An die Funktionen der Topmodelle kann man sich schnell gewöhnen. Beispiel Telefonbuch: Zwar können alle Modelle im Test zur Telefonnummer auch einen zugehörigen Namen speichern. Doch wer diese praktische Funktion auch im Büroalltag nutzen will, kommt mit den 20 Plätzen der Billigheimer lange nicht hin. Da ist es gut,Reserven zu haben – 50 Plätze sollten es schon sein, auch 200 Plätze wie bei den Spitzenreitern schaden nicht. Wichtig bei großen Telefonbüchern: Wer noch ein zweites Mobilteil ersteht, will nicht alles noch einmal von vorn eingeben. Die fünf besten im Test, von Panasonic KX-TCD220 bis zum Siemens Gigaset C345, können das Telefonbuch von einem Mobilteil zum anderen übertragen. Auch wichtig: die Namen mit einem Tastendruck finden zu können. Wer „Tom“ anrufen will, drückt auf die Telefonbuchtaste und danach auf die „8“, auf der auch der Buchstabe T steht. Dann muss der erste Name mit diesem Anfangsbuchstaben im Display zu sehen sein. Das ist auch bei allen der Fall, nur das AEG D 8000 M Voice versagt hier. Bei ihm erfolgt die Suche per Menü – viel zu kompliziert.
Überhaupt das Menü: Für eine klare Menüführung ist jeder dankbar. Gut fanden wir sie bei den Topmodellen von Panasonic, Siemens und T-Com, die über eine runde Steuertaste verfügen. Gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlecht: die Steuerung der beiden teureren Philips-Telefone. Eine „Pilot“-Taste an der Seite erlaubt mit etwas Fingerspitzengefühl den Zugang zu allen Funktionen. Beide Modelle, das Dect 5151 (mit Anrufbeantworter 89 Euro) und das Dect 3111 (ohne Anrufbeantworter 53 Euro) überzeugen übrigens auch durch Handlichkeit und geringes Gewicht.
Dass der Preisschlager von Panasonic in puncto Menüführung nicht zu den besten gehört, liegt an der Größe des Displays. Es ist kleiner als beim teureren Bruder und kann keine farbigen Symbole darstellen. Insgesamt hat sich die Qualität der Displays verbessert, alle Geräte können Buchstaben anzeigen, viele Modelle haben ein beleuchtetes Display – im Unterschied zur Frage, ob farbig oder nicht, ist das wirklich ein Qualitätsmerkmal.
Pfiffige Call-by-Call-Unterstützung
Interessant bei den Panasonic-Modellen: Es gibt innovative Funktionen, auf Unnötiges wird verzichtet. Ein Babyalarm ist beispielsweise eine Funktion, die kaum einer wirklich braucht. In der Theorie löst das Babygeschrei den Anruf zu Papas Handy aus, der daraufhin nach Hause eilt und das Baby in die Arme schließt. Aber was, wenn die Technik mal nicht funktioniert? Da ist ein mit Babyphon ausgestatteter Vater in der Nähe allemal besser.
Panasonic verzichtet auf Babyalarm und wartet dafür zum Beispiel mit einer pfiffigen Call-by-Call-Unterstützung auf. Bei Call by Call wird zusätzlich zur eigentlichen Telefonnummer die Vorwahl eines Netzbetreibers oder Providers vorangestellt. So telefoniert man mit der 0 10 71 für zirka 17 Cent pro Minute zu allen Handys, bei der Telekom kostet das im Standardtarif mindestens 26 Cent. Sparwillige haben nun drei Alternativen: So kann man sich die Vorwahl merken und sie bei Anrufen ins Handynetz per Hand wählen. Problem dabei: Die billigsten Anbieter ändern sich gelegentlich, das ist ein echtes Hirntraining. Wer das nicht will, kann ein getrenntes Vorwahltelefonbuch nutzen, wie es einige Modelle im Test besitzen. Erst wird die Vorwahl des Call-by-Call-Anbieters aus einem Register geholt, dann mit dem nächsten Tastendruck die Telefonnummer aus dem getrennten Telefonbuch. Das klingt einfacher, als es in der Praxis auf Dauer ist. Die Panasonic-Geräte dagegen machen alles automatisch. Man gibt lediglich die Nummern von bis zu fünf Call-by-Call-Anbietern ein. Bis zu 25 verschiedenen Handy- oder Ortsvorwahlen kann man zuordnen, welcher der fünf Anbieter dabei automatisch gewählt werden soll. Wählt man dann die Handynummer eines Freundes, stellt das Telefon automatisch die programmierte Call-by-Call-Vorwahl 01071 voran – ganz egal, ob man die Nummer per Hand eingibt oder aus dem Telefonbuch holt.
3 Pieptöne oder 20 Melodien
Im Alltag nicht unwichtig: Wie bringt sich das Telefon zu Gehör? Acht Geräte im Test haben polyphone Klingeltöne. Sie können mehrstimmige Klänge erzeugen, vom volltönenden „Gong“ über „Jingle Bells“ bis zu Vogelgezwitscher. Das klingt meist angenehmer als die drei billigen Pieptöne, die etwa das Audioline Studio 80 für 40 Euro erzeugen kann. Die Topmodelle haben 15 bis 20 Melodien zur Auswahl.
Auch nur bei den teureren Modellen zu finden: längere Laufzeiten der Anrufbeantworter. Wer einmal für ein paar Tage wegfährt, wird kaum mit zehn Minuten auskommen. Doch auch die teuersten haben gerade einmal eine halbe Stunde Speicherzeit und können mit früheren Bandgeräten nicht mithalten. Übrigens: Am praktischsten sind Anrufbeantworter mit getrennten Bedientasten an der Basisstation. Das Abhören über das Mobilteil kann auf Dauer doch lästig werden.
Ärgerlich auch bei den Besten im Test: Elektronische Netzteile, wie sie bei Handys üblich sind, sind nicht dabei. Weil meist kleine Trafos zum Einsatz kommen, schlucken die Telefone im Stand-by bis zu vier Watt. Das verheizt unnötig Energie und verursacht Stromkosten von fünf Euro im Jahr. Es geht auch anders. Das Philips Dect 2151 für 49 Euro braucht nur ein Watt – leider ein wenig vielseitiges und gewöhnungsbedürftiges Telefon.
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