21.10.2004

Schneeketten: Spuren im Schnee

Schneeketten Test
Ob Front- oder Heckantrieb: Schneeketten erhöhen die Traktion auf verschneiten Straßen.

Auf verschneiten Bergstraßen kommen selbst Winterreifen an ihre Grenzen und bieten keine Haftung mehr. Dann helfen nur noch gute Schneeketten weiter.

Sie können Winterreifen nicht ersetzen, aber auf verschneiten Steigungsstrecken sinnvoll ergänzen. Im Test haben wir die Wirkung der Schneeketten zwar auch auf Eis beurteilt, ihre wichtigste Anwendung ist jedoch die Trak­tionshilfe auf Schnee. Als Testfahrzeuge wählten wir ein Auto mit Frontantrieb (Audi A4) und eins mit Heckan­trieb (Mercedes C-Klasse). Alle Ketten werden jedoch für beide Antriebsarten ange­bo­ten, weshalb wir in der Bewertung nicht zwischen Front- und Heckantrieb unterschieden haben.

Achtung: Wer Schneeketten auf die Antriebsachse eines sommerbereiften Autos aufzieht, handelt sich ein gefährliches Fahrverhalten ein. Beim heckgetriebenen Fahrzeug fehlt die Lenkstabilität der Vorderräder in den Kurven, beim frontgetriebenen wird das Bremsen bergab zum Problem, weil die sommerbereifte Hinterachse dabei zum Ausbrechen neigt.

Die besten Ergebnisse auf Schnee sicherten der Pewag Sportmatik den ersten Platz unter den guten Seilketten im Test. Die sehr verschleißfeste Kette zeigte auch auf Eis gute Qualität. Die Montage erfordert zwar etwas mehr Übung, weil die Kette vorgespannt werden muss, der neuartige Seilverschluss erleichtert jedoch die Demontage. Ausgewogen gute Eigenschaften weist die Ottinger Speedspur auf. Mit ihr kommt man auf Eis am besten voran. Die Milz easy war unter den mit „gut“ bewerteten Fabrikaten sehr haltbar und die Filmer Super Grip mit nur 30 Euro sehr preiswert. Beide waren auf Schnee jedoch gerade noch gut.

Drei Schneeketten im Test, die Rud-Comfort Centrax, Spikes-Spider Sport und Trak, verfügen über ein Schnellmontagesystem. Sie sind wirklich einfach aufzuziehen, wenn der Adapter erst einmal angebracht ist. Er wird mit einer Radschraube an der Felge befestigt. Daran lässt sich das Kettensystem fixieren. Doch die Traktion dieser drei Ketten auf Schnee war nur „mangelhaft“, bei der Rud-Comfort auch auf Eis.

Mit ein wenig Übung sind auch die meisten Seil- und Ringketten einfach zu montieren. Hier wird das Kettennetz über den Reifen gestülpt, Spannseil oder Ring hinter dem Reifen eingehakt, die Spannkette auf der Vorderseite festgezogen.

Eine Besonderheit im Test ist die AutoSock. Die textile Reifenhülle soll die Reibung zum Untergrund erhöhen und so als Anfahrhilfe dienen. Laut der vollmundigen Werbung kann sie aber auch beim Fahren bis Tempo 50 auf dem Reifen bleiben. Querkräfte, wie sie bei Kurvenfahrt auftreten, kann AutoSock kaum übertragen. Und sie eignet sich höchstens in der Ebene. Die Anfahrhilfe, die sehr einfach anzulegen ist, wurde getrennt bewertet, da sie nicht als Schneekette zugelassen ist – zum Beispiel auf Straßen mit Kettenpflicht. Zu Recht: Eine Kette ersetzt sie nicht und schon der nackte Winterreifen war auf Eis und Schnee leistungsfähiger.

Nützliche Trockenübung

Schneeketten Test
Im Praxistest erprobt: Die einfache Montage und ...

Auf winterlichen Gebirgsstraßen weist oft das amtliche Verkehrsschild mit der Nummer 268 auf die Kettenpflicht hin. Das blaue Schild mit der Schneekette auf dem weißen Reifen erinnert Autofahrer daran, spätestens hier die Ketten aufzuziehen. Wer ohne Schneeketten in die Berge fährt, bis er an einer Steigung liegen bleibt, gefährdet sich und andere. Und auch die Montage ist erheblich erschwert, wenn das Auto erst einmal bis zu den Achsen im Schnee steckt.

Unsere Prüfungen bei der Montage ergaben: Die Unterschiede zwischen den Fabrikaten sind wesentlich geringer als der Einfluss der Fahrbahn. In der Ebene auf trockener Straße lassen sich alle Ketten ungleich einfacher auflegen als am Hang im Schnee. Wegen der Kippgefahr (Hang) und des weichen Untergrunds (Schnee) ist hier auch der Wagenheber als Montagehilfe tabu. Das Aufziehen der Schneeketten sollte nach dem Kauf im Hellen, Warmen und Trockenen einmal geübt werden.

Eine Kettengröße soll immer auf eine ganze Reihe verschiedener Reifendimensionen passen. Doch die Passform muss überprüft werden. Ist die Kette zu klein, lässt sie sich nicht aufziehen – ist sie zu groß, sitzt sie zu locker. Dadurch kann sie gerade in Kurven verrutschen, sich im Kotflügel verhaken oder Schäden an Radaufhängung, Bremse oder ABS-Sensoren verursachen. Breitreifen mit besonders niedrigem Querschnitt eignen sich kaum für Schneeketten. An den Flanken ist nur wenig Platz für die Spannvorrichtungen. Auch im Radkasten wird es eng, was die Montage zusätzlich behindert.

Auch mit Schlupf voran

Schneeketten Test
...das sichere Fahren und Bremsen auf verschneiten Straßen zeichnen eine gute Schneekette aus.

Mit Schneeketten zu fahren, ermöglicht auch ein Weiterkommen beim Schlupf, das heißt bei wild durchdrehenden Rädern, weil die Ketten viel Schnee hinter sich schaufeln. Freilich erfordert es eine gewisse Überwindung, bei Auftreten des Schlupfs – leicht erkennbar am Anstieg der Motordrehzahl ohne entsprechenden Geschwindigkeitszuwachs – voll auf dem Gas zu bleiben. Einen Strich durch die Rechnung machen dabei die zunehmend eingebauten elektronischen Fahrdynamikregelungen. ESP oder ASR (Anti­schlupfregler) reduzieren die Motorleistung, wenn die Räder durchdrehen – im Test manchmal so weit, dass der Motor abstirbt. Wohl dem, der ein Auto hat, bei dem sich die elektronischen Helfer abschalten lassen. Die Autoindustrie sollte intelligente Systeme einbauen, die zum Beispiel erst ab 10 km/h regeln und so der Schneekette noch Zugkraft ermöglichen.

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