15.08.2003

Schlaf- und Beruhigungsmittel: So schlafen Sie gut

Schlaf- und Beruhigungsmittel Test

Medikamente können Schlafprobleme kurzfristig vertreiben. Wir stellen die besten Pharmahilfen vor. Aber Vorsicht: Häufig droht Abhängigkeit. Auf Dauer müssen Sie lernen, ohne Schlafmittel auszukommen.

Nach meist schlechten Tagesnachrichten wünscht Ulrich Wickert seiner Fernsehgemeinde stets „eine geruhsame Nacht“. Nachrichtensprecher Thomas Bade verabschiedet die Zuschauer anderthalb Stunden später ähnlich: „Kommen Sie gut durch die Nacht.“ Viele Menschen haben solchen Zuspruch nötig – und Schwierigkeiten, problemfrei in Morpheus Armen zu landen. Der unerfüllte Wunsch nach erholsamem Schlaf lastet auf Seele, Körper und Geist. Langes Wachliegen peinigt. Nicht durchschlafen zu können, keine Er­holung zu finden, wird auf Dauer zur Qual. Wem die gute Nacht fehlt, der erlebt auch keinen wachen, erfreulichen Tag.

Fast jeder Dritte leidet

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Baldrian

Fast jeder dritte Erwachsene leidet unter Schlafstörungen, Frauen häufiger als Männer, ältere Menschen deutlich mehr als junge. Teilweise geht das Problem auf unrealistische Erwartungen zurück. Dass man manchmal länger braucht, um einzuschlafen, ist so normal, wie sich an Wachzeiten zwischen den Schlafzeiten zu erinnern. Zur Schlafzeit muss ein Mittagsschläfchen dazugerechnet werden. Und im Alter nimmt das Schlafbedürfnis ab, der Schlaf wird flacher. Mit etwa 70 Jahren sind nachts nicht mehr als fünf bis sechs Stunden zu erwarten. Auch häufigeres Aufwachen ist normal, ebenso nimmt der Tiefschlafanteil ab.

Bis zu 15 Prozent der Betroffenen müssen jedoch ernsthaftere Schlafstörungen vom Arzt behandeln lassen – zum Beispiel weil die Störungen auf organische oder psychische Erkrankung zurückzuführen sind. Und bis zu 7 Prozent der Bevölkerung leiden an häufigen oder sogar ständigen Schlafstörungen.

Sich selbst erkennen

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Hopfen

Ein paar schlaflose Nächte kann der Körper jederzeit wettmachen. Auf Dauer macht zu wenig Schlaf aber krank. Zu einem Schlafmittel kann der Betroffene greifen, wenn eine Schlafstörung festgestellt wird und nicht nur auf seiner subjektiven Empfindung beruht. Drei Anzeichen sind typisch:

  • Er kann schlecht einschlafen, wacht oft auf und der Schlaf ist nicht erholsam.
  • Der Schlaf ist dreimal pro Woche gestört, solche schlafgestörten Wochen kehren wieder.
  • Er ist tagsüber ernsthaft beeinträchtigt.

Abzuklären sind mögliche weiter gehende Ursachen, zum Beispiel Schlafstörungen durch Medikamenteneinnahme oder bestimmte Grunder­krankungen. So ist frühes Aufwachen zum Bei­spiel ein Hauptsymptom von Depressionen. In diesem Fall muss die Erkrankung behandelt werden, die die Schlafstörung verursacht.

Rezeptfreie Mittel

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Melisse

Die meisten Menschen, die über Schlafstörungen klagen, nehmen gar keine medikamentöse Hilfe in Anspruch. Mindestens 600 000 Menschen schlucken aber Beruhigungs- oder Schlafmittel, weil sie im Bett nicht zur Ruhe kommen. Pflanzliche (Einstoff-)Präparate sind einen Versuch wert, obwohl Wirkweise und Sicherheit des beruhigenden, schlafanstoßenden Effekts wissenschaftlich noch besser nachgewiesen werden müssen. Die Präparate sind auch nicht immer hinreichend dosiert. Viele Hopfenpräparate enthalten zum Beispiel nur so viel Hopfen wie 10 Milliliter Bier. Außerdem stellt sich die Wirkung pflanzlicher Präparate erst nach längerer Einnahme ein. Eine rasche Wirkung haben dagegen Antihistaminika.

Rezeptpflichtige Mittel

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Passionsblume

Die Wirksamkeit von Benzodiazepinen, die der Arzt verordnen muss, ist ebenfalls eindeutig belegt. Sie verändern das natürliche Schlafprofil nur wenig. Benzodiazepine, deren Wirkung lange anhält, sind aber nicht empfehlenswert. Sie führen zu Tagesmüdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit und Gangunsicherheit sind häufig Ursache von Stürzen. Das Triazolam ist wegen seiner zu kurzen Wirkdauer ebenfalls wenig geeignet. Immer häufiger werden Benzodiazepin-ähnliche Wirkstoffe (Zolpidem, Zopiclon) verordnet. Das sind geeignete Mittel. Diazepam (Valium) und Oxazepam (Adumbran), die ebenfalls verordnet werden, sind keine Schlafmittel. Sie eignen sich bestenfalls als schlafanstoßende Hilfe. Auch sie führen nach längerer Einnahme zur Abhängigkeit.

Vorsicht vor dem „Festsetzen“ der Störung

Arzneimittel beseitigen nicht die Ursache von Schlafstörungen. Es besteht sogar die Gefahr, dass sich Schlafstörungen „festsetzen“. Grund dafür ist der rasche Gewöhnungseffekt und das zum Teil hohe Abhängigkeitspotenzial bei verschreibungspflichtigen Schlafmitteln (wie Benzodiazepinen). Nach zwei bis vier Tagen sollten Sie versuchen, ohne sie auszukommen. Chloralhydrat sollte nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden, da sich der Körper dann daran gewöhnt hat. Die Dosis müsste immer weiter gesteigert werden, um zu wirken. Benzodiazepine führen bereits nach kurzer Einnahmedauer zum „Rem-Rebound“: Der Körper holt den Traumschlaf nach, der Patient schläft schlechter als zuvor. Wer längere Zeit Benzodiazepine eingenommen hat, muss seinen Körper davon entwöhnen. Aber nie abrupt absetzen, sondern „ausschleichen“! Als Faustregel gilt: Die Entwöhnung dauert ein Zehntel der Einnahmezeit. Jede Woche wird die Dosis um die Hälfte reduziert – unter ärztlicher Anleitung.

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