27.01.2011

Schimmel: Frischluft hilft nicht immer

Schimmel Special

Alle Jahre wieder: In der kalten Jahreszeit bilden sich auf vielen Wänden hässliche dunkle Schimmelflecken. Was hilft dagegen? test.de beantwortet alle wichtigen Fragen und gibt Tipps zum Thema.

Warum zeigen sich schwarze Schimmelflecken so oft im Winter?

Schimmelpilzsporen sind immer und überall in der Luft vorhanden. Um aber wachsen und sich massenhaft vermehren zu können, brauchen sie vor allem eines: Feuchtigkeit. Im Winter finden die Pilze diese idealen Lebensbedingungen oft an kalten Zimmerwänden. Großflächiger Befall mit Schimmelpilzen belastet die Raumluft und kann die Gesundheit gefährden.

Aber ist im Winter nicht eher trockene Heizungsluft weit verbreitet?

Ja, deshalb drohen die Probleme auch nicht überall. Wo viel gelüftet wird, sind die Risiken geringer. Aber wenn Außenwände zu stark auskühlen, kann es sogar in gut gelüfteten Wohnungen zu Problemen kommen: An den kältesten Stellen kondensiert Wasser. Das ist der gleiche Effekt, der Brillenträgern im Winter beim Betreten einer Wohnung den Durchblick raubt. Die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit schlägt sich an der kühlen Oberfläche nieder.

Wo ist das Risiko am größten?

Grundsätzlich sind alle Außenwände mit schlechter Wärmedämmung problematisch. Besondere Risiken bergen allerdings sogenannte Wärmebrücken. Das sind Stellen in der Außenwand, über die besonders viel Wärme nach draußen entweicht. Viel Energie kann über gute Wärmeleiter wie zum Beispiel Stahl und Beton verloren gehen. Damit gebaute Balkone oder Vordächer wirken mitunter wie Kühlrippen.

Warum entstehen Schimmelflecken vor allem in den Zimmerecken?

Weil dort relativ große kalte Wandflächen draußen den kleineren Innenwandflächen gegenüberstehen. Das führt dazu, dass die Wände drinnen stark auskühlen. Auch Fensterlaibungen sind oft gefährdet.

Ist Pilzbefall immer sichtbar?

Nein, oft wachsen Schimmelpilze im Verborgenen. Etwa hinter einer Schrankwand, die zu dicht vor einer kalten Wand steht. Die wenige Luft, die hierhin zirkuliert, kühlt sich besonders stark ab. Ähnliche Effekte drohen zum Beispiel hinter Wandverkleidungen und Fußbodenleisten.

Woher kommt die Feuchtigkeit?

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Je größer der Befall durch Schimmelpilze, desto höher das gesundheitliche Risiko. Im Extremfall drohen Allergien oder Atemwegserkrankungen. Aber kein Grund zur Panik: Sind die Ursachen erst einmal ermittelt, lassen sich viele Probleme relativ einfach lösen.

Eine feuchte Badezimmerwand kann ein Indiz für ein undichtes Wasserrohr sein. Ein kaputter Dachziegel hat möglicherweise zu Wasserflecken an der Zimmerdecke geführt. Löchrige Regenrinnen und Rohre durchfeuchten hier und da das Mauerwerk. Das meiste Wasser, das Schimmelpilze wachsen lässt, kommt allerdings von den Bewohnern selbst: Beim Atmen, Schwitzen, Kochen, Duschen und Wäschetrocknen verdunstet oft mehr Wasser, als wenn man täglich einen 10-Liter-Eimer Wasser auskippen würde. Diese Feuchtigkeit muss durch Lüften aus der Wohnung entfernt werden.

Wie lange muss ich lüften?

Die intelligenteste Art zu lüften ist im Winter die sogenannte Stoßlüftung: bei weit geöffneten Fenstern mit Durchzug querdurch die ganze Wohnung. Oder bei Einfamilienhäusern sogar vom Erdgeschoss bis zur obersten Etage. Meist reichen dann etwa 5 Minuten, um für einen vollständigen Luftaustausch zu sorgen.

Wie oft soll ich lüften?

Am besten mindestens dreimal täglich: zum Beispiel morgens, nach der Arbeit und spätabends vorm Ins-Bett-Gehen. Bei Bedarf, etwa nach dem Duschen oder Kochen, sollte man die Fenster auch zwischendurch kurz öffnen, um viel Wasserdampf sofort aus dem Haus zu leiten.

Ist Lüften überhaupt sinnvoll, wenn es draußen nass und kalt ist?

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Mit Thermografie (oben) und Infrarot-Thermometer (unten) lassen sich Wärmebrücken aufspüren.

Eindeutig ja. Denn beim Lüften helfen die Gesetze der Physik: Wenn 0 Grad kalte Luft mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100  Prozent in die Wohnung strömt, enthält ein Kubikmeter Luft nur 5 Milliliter Wasser. Wenn die Heizung diese Luft erhitzt, steigt die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, enorm an. Beispiel: Bei 22 Grad Celsius und 60-prozentiger Luftfeuchtigkeit liegt der Wassergehalt bei 12 Millilitern pro Kubikmeter. Je kälter die Luft von draußen und je stärker die Heizung, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen und desto mehr Wasser lässt sich mit Stoßlüftung aus dem Haus befördern.

Und warum gibt es Schimmelflecken trotz guter Lüftung?

Die Pilze sind oft auch Bioindikatoren für Baumängel: Gegen die Folgen schlimmer Wärmebrücken, undichter Rohre oder im Mauerwerk aufsteigender Bodenfeuchte lässt sich schlecht anlüften. Deshalb unbedingt die Ursachen klären und beseitigen. Fachleute, zum Beispiel unabhängige Energieberater, können helfen.

Kann ich Schimmelbefall selbst bekämpfen?

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Welche Schimmelpilze an feuchten Wänden ihr Unwesen treiben, lässt sich mithilfe spezieller Nährböden prüfen.

Je größer die Schadensfläche, desto mehr sind Profis gefragt. Kleinere Flecken lassen sich gut mit 70-prozentigem Alkohol abtöten: Flecken damit einpinseln, 30 Minuten einwirken lassen und dann mit alkoholgetränkten Tüchern abreiben. Putzlappen anschließend am besten im Hausmüll entsorgen. Während der Arbeiten gut lüften. Allergiker und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten sich dabei nicht im Raum aufhalten.

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