Mancher Allergiker kann in lebensbedrohliche Situationen kommen und trägt für den Notfall spezielle Medikamente mit sich. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt jetzt vor der Notfallspritze Anapen: Es ist möglich, dass sie nicht genügend Adrenalin abgibt. Betroffene sollten sich neue Notfallmedikamente verschreiben lassen.
Spritze funktioniert nicht einwandfrei
Bei dem Arzneimittel Anapen handelt es sich um eine Notfallspritze mit Adrenalin: Im Fall eines allergischen Schocks sollen sich Allergiker die Flüssigkeit spritzen. Der britische Hersteller Lincoln Medical Limited hat Anapen jetzt zurückgerufen. Betroffen sind Chargen der Fertigspritzen Anapen für Erwachsene (300 Mikrogramm Adrenalin in 0,3 Milliliter Injektionslösung) und Anapen Junior für Kinder (150 Mikrogramm Adrenalin in 0,3 Milliliter Injektionslösung). Der Hersteller teilte auf seiner Website mit: Mitarbeitern sei bei der Entwicklungsarbeit an einem neuen Modell aufgefallen, dass es bei der Spritze Probleme mit der Abgabe und Dosierung der Flüssigkeit gibt. Im schlimmsten Fall könnte dies dazu führen, dass in einer Notfallsituation gar kein oder nur ungenügend Adrenalin abgegeben wird.
Insektengifte und Lebensmittel als Auslöser
Die Zahl der Allergiker mit besonders heftigen, lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen ist gering. Allerdings schätzt der Deutsche Allergie- und Asthmabund, dass bis zu 15 Prozent der Deutschen mindestens einen allergischen Schock – auch anaphylaktischer Schock genannt – erlebt und überlebt haben. Auch Kinder können betroffen sein. Zu den Auslösern zählen Insektengifte von Bienen, Wespen und Hornissen oder bestimmte Lebensmittel wie Nüsse, Milch und Eier. Auch Medikamente wie Penizillin, Röntgenkontrastmittel oder Allergenextrakte für Hauttests können einen lebensbedrohlichen Schockzustand auslösen.
Vom Arzt Ersatzmedikament besorgen
Betroffene Allergiker können sich vom Arzt ein Notfallset verschreiben lassen: Es besteht aus Fertigspritze mit Adrenalin, einem Antihistaminikum und einem kortisonhaltigen Saft. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät Allergikern, die ein Notfallset mit Anapen bei sich tragen, sich möglichst schnell ein anderes Medikament zu besorgen und dazu den Hausarzt oder Allergologen zu kontaktieren. Allerdings sollten sie Anapen erst dann aussortieren, wenn sie ein Ersatzmedikament erhalten haben.
Im Notfall die 112 wählen
Ein anaphylaktischer Schock kann lebensbedrohlich sein und muss sofort behandelt werden. Die Symptome sind meist sofort spürbar, etwa direkt nach einem Insektenstich: Kribbeln im Mund und am Gaumen, Hautrötungen, Atemnot durch Anschwellen der Schleimhäute, Herzrasen, Angstgefühle, Übelkeit – bis hin zu Blutdruckabfall. Im Schockzustand weiten sich die Blutgefäße stark, dadurch wird nicht genügend Blut zum Herz zurückgepumpt und der Kreislauf bricht zusammen. In jedem Fall sollte der Betroffene selbst oder aber eine andere Person den Notarzt rufen unter 112. In der Wartezeit kann ein Notfallset die kritischen Symptome in Schach halten. Adrenalinspritzen sollen Betroffene in die Außenseite des Oberschenkels stoßen, damit das Adrenalin ins Muskelgewebe gelangt und den Kreislauf stabilisiert.
Weitere Informationen zum Thema Allergien
Die Stiftung Warentest informiert regelmäßig und umfangreich über Mittel gegen Allergien. Übersicht geben auch die Datenbank Medikamente im Test und das Buch Allergien im Griff.
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