Rollatoren: Mobil auf vier Rädern

Rollatoren Test
Der Rollator macht mobil: Mit seiner Hilfe sind gemeinsame Ausflüge wieder möglich.

test 09/2005

Freie Fahrt für Gehbehinderte: Vierrädrige Stützen verhelfen zu mehr Beweglichkeit im Alltag. Wie gut kann man sich auf den rollenden Halt verlassen?

Rollatoren

Das war meine Rettung, sonst hätte ich am Boden gelegen.“ Mathilde Stressow, die mit ihren 95 Jahren noch weitgehend selbstständig in eigener Wohnung lebt, kann sich mit ihrem Rollator frei durch die Räume, im Garten und auch zum Einkauf bewegen. Der Stock allein gab der stark Gehbehinderten schon längst nicht mehr ausreichenden Halt.

Die geniale Idee, sozusagen eine Krücke auf vier Rädern zu konstruieren, kam Anfang 1990 aus Schweden. Deutsche Händler waren erst einmal skeptisch: „Damit fährt doch keiner durch die Gegend.“ Weit gefehlt. Mittlerweile ist die Akzeptanz groß. Denn das stützende Gefährt mit vier Rädern – inklusive Einkaufskorb, Sitz und Tablett – gibt vielen Betroffenen Bewegungsfreiheit und damit Lebensqualität zurück. Jährlich werden 500 000 über die Krankenkassen versorgt. Meist nutzen Senioren, die alters- und krankheitsbedingt unsicher auf den Beinen sind, aber auch jüngere MS-, Parkinson- oder Arthritis-Kranke die rollende Gehhilfe.

Bremsen: Nicht immer „gut“

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Treppen allerdings sind meist unüberwindliche Hindernisse.

In der Regel können sie auf den beweglichen Halt vertrauen, das zeigte unser Test von 14 Rollatoren, allerdings mit Einschränkungen in der Handhabung. Immerhin reichte es viermal zu einem „guten“ und für den Rest zu einem „befriedigenden“ test-Qualitätsurteil. Sicherheitsmängel, wie noch beim letzten Test im Jahr 1993 bei vier Rollatoren moniert wurden, waren diesmal kein Thema – mit einer Ausnahme. Immerhin acht Gehhilfen haben verbesserungsbedürftige Bremsen und bekamen in der Wirksamkeit für die Betriebs- und die Parkbremse (Feststellbremse) oder gar für beide nur eine „ausreichende“ Note.

Geprüft haben wir nach der neuesten Norm für Gehhilfen, die erstmalig auch genau definierte Anforderungen an die Bremswirkung und den Kraftaufwand enthält. Die Vorgaben der Norm müssen zwar erst bis zum Oktober 2005 erfüllt werden. Doch den Entwurf dafür gibt es bereits seit April 2003 – eigentlich Zeit genug für jeden Anbieter, nach dem neuesten Stand der Technik zu produzieren und damit die Sicherheit für den Benutzer zu erhöhen. Die besten Bremsen nutzen allerdings wenig, wenn – wie beim Rebotec Polo – die Räder auf glatten Böden einfach weiterrutschen.

Flott gerollt: Auf vielen Böden

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Auch kleinere Steigungen lassen sich mit dem Rollator bewältigen.

Auf festgelegter Teststrecke kurvten unsere Probanden – zwischen 80 und 92 Jahre alt und sämtlich Nutzer von eigenen Rollatoren – für uns im Haus ihres Seniorenheims über Teppichböden, glatte Fliesen und Türschwellen. Draußen rollten sie über Schotterwege, Betonplatten, Rasengittersteine und über eine Rampe mit leichtem Gefälle. Das ging insgesamt „gut“. Mit Ausnahme des Rebotec Polo, der etwas schwergängig war.

Mit beladenem Einkaufskorb (fünf Kilogramm) schafften das allerdings nur drei Rollatoren ordentlich (Bischoff & Bischoff RL 120, Etac Ono, Meyra-Ortopedia City-Rollator). Schade, denn immerhin wird das Gefährt auch häufig als Einkaufswagen genutzt. Und da gab es ein weiteres Problem: Die Abnahme des beladenen Korbs erwies sich häufig als schwierig.

Tipp: Wenn der Einkauf immer in Taschen in den Korb gepackt wird, geht das Entladen hinterher leichter.

Hindernisse: Trickreich bewältigen

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Der Einkauf sollte am besten in eine handliche Tasche verpackt und dann erst im Korb verstaut werden.

Schon kleinste Türschwellen können den Rollator zum Stoppen bringen. In vielen Fällen helfen Tricks.

Tipp: Immer schräg heranfahren, jedes Vorderrad einzeln über die Schwelle bugsieren. Je nach Größe der Räder, Schwung und Eigenkräfte rollen dann die hinteren Räder über die Schwelle ohne Anheben des Rollators. Das schafften auch unsere weniger kräftigen Probanden mit dem beladenen Rollator.

Vor ganz normalen Bordsteinkanten kapituliert fast jeder Benutzer, denn das notwendige Anheben des Rollators erfordert viel Kraft. Hier sollte immer ein kleiner Umweg zu einem abgesenkten Bordstein gemacht werden. Ankipphilfen am Gerät bringen nicht unbedingt weiter. Denn beim Ankippen muss ein Fuß vom Boden genommen werden zum Heruntertreten der Hilfe. Diese Koordination ist für Gangunsichere meist zu schwierig.

Zusammenfalten: Eine Fingerübung

Alle Rollatoren sind faltbar. Das macht Sinn, denn zur Mobilität gehört auch eine Taxifahrt, die Teilnahme beim Familienausflug, das Verstauen in engen Fahrstühlen, das Platz sparende Parken im Cafe. Hier gibt es große Unterschiede: Bei den meisten Rollatoren ist das Zusammenklappen umständlich und kraftaufwendig und nur nach eingehendem Studium der Bedienungsanleitung machbar. Eine Probandin musste auf eine Taxifahrt verzichten, weil weder sie noch der Fahrer ohne Gebrauchsanleitung wussten, wie der Rollator zusammengefaltet wird. Kritisch: Bei falscher Handhabung können die Finger schmerzhaft eingeklemmt werden.

Tipp: Es empfiehlt sich, immer eine Kopie der Bedienungsanleitung in der Tasche zu tragen. Der Korb sollte aus Platzspargründen am besten vorher abgenommen werden. Bei drei Geräten ist das für den Faltvorgang auch zwingend nötig.

Am leichtesten ließ sich der Topro Troja mit einem Griff am Sitz zusammenfalten – und zwar samt der Netztasche zum Einkauf. Er bleibt auch mit geringstem Platzbedarf als einziger auf seinen Rädern stehen. Dieser Rollator, Spitzenreiter in unserem Test, war absoluter Favorit unserer Probanden. Er gehört mit acht Kilo zu den Leichtgewichten (die schwersten wiegen zwölf Kilo) und war daher auch leicht zu manövrieren. Doch für Kassenpatienten ist er meist ohne Zuzahlung nicht zu haben (siehe „Kosten“).

Drei oder vier Räder?

Zum Vergleich wurde auch ein Deltarad, eine fahrbare Gehhilfe mit drei Rädern ohne Sitz, technisch überprüft. Mit rund acht Kilogramm ist es zwar relativ leicht, nimmt aber genau so viel Platz ein wie ein vierrädriges Modell. Die Feststellbremse erfüllte die Normanforderungen nicht, das Gerät rollte gebremst auf einer Rampe weiter. Zudem war die Bremse schwer zu lösen. Und das Gerät kippte nach hinten weg – das kann bei Hindernissen gefährlich werden. Deltaräder sollten – so die Empfehlung des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen – nur für den Gebrauch in Innenräumen verordnet werden.

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Testtabelle: Rollatoren

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