05.12.2012

Riestern mit Fonds: Rendite­chance für Anleger mit guten Nerven

Riestern mit Fonds Test

Fonds­produkte bieten bessere Rendite­chancen als andere Riester-Angebote. Aber: Anleger brauchen gute Nerven.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Riester-Fondssparpläne.

Bei Riester-Verträgen mit Fonds ist das Risiko, am Ende der Spar­zeit mit null Rendite dazu­stehen, verglichen mit anderen Riester-Spar­verträgen am größten. Mit jedem erneuten Einbruch am Aktienmarkt wird es größer. Aber gleich­zeitig sind Aktien in der jetzigen Krise die beste Möglich­keit, über­haupt eine gute Rendite zu erzielen.

Die Zinsen sind nied­rig, der Basiszins neu abge­schlossener Riester-Bank­sparpläne liegt im Schnitt bei rund 1 Prozent, für Neuabschlüsse klassischer Riester-Versicherungen gilt ein Garan­tiezins von 1,75 Prozent auf den Spar­anteil. Anders gesagt: Mit Bank­sparplänen und klassischen Versicherungen erhält man absehbar nur wenig, mit Fonds­produkten gibt es zumindest die Chance auf mehr.

Fonds­sparpläne und Policen im Test

Wir haben Riester-Fonds­sparpläne und Riester-Fonds­policen untersucht. Fonds­sparpläne sind erste Wahl für Riester-Sparer, die die Rendite­chancen der Aktien so lange wie möglich nutzen wollen, auch noch in der Renten­phase. Wer Wert darauf legt, sich seine Fonds selbst zusammen­zustellen, wird bei den Fonds­gesell­schaften allerdings nicht fündig. Sie geben die Fonds, in welche Beiträge und Zulagen fließen, größ­tenteils vor. Die Anleger haben nur wenige Wahl­möglich­keiten. So können sie beim Deka Zukunfts­Plan Select je einen aus drei Aktien- und drei Rentenfonds wählen. Bei der UniProfiRente Select können sie je nach Variante einen von zwei Fonds wählen.

Eine große Fonds­auswahl bieten nur Versicherungen an. Im Unterschied zu den Fonds­sparplänen endet das Engagement in Fonds bei den von uns untersuchten Policen allerdings bei Renten­beginn. Die Auszahl­phase läuft hier im Grunde genauso ab wie die klassischer Verträge. Versicherer investieren das dann Ersparte weit­gehend fest­verzins­lich und zahlen eine garan­tierte Mindest­rente plus möglicher Über­schüsse.

Anleger sollten eine Renten­versicherung nur wählen, wenn sie den Vertrag durch­halten. Versicherer ziehen die Abschluss­kosten für die ganze Lauf­zeit bereits in den ersten fünf Jahren ab. Ähnlich verfährt die DWS mit der RiesterRente Premium. Wer vorzeitig aussteigt, kann Verlust machen.

Die Angst vor der Null

Halten sie bis zum Schluss durch, können Riester-Sparer kein Geld verlieren. Das gilt auch für Riester-Fonds­sparer. Im schlimmsten Fall haben sie am Ende nur so viel Geld im Vertrag, wie sie selbst und der Staat für sie einge­zahlt haben.

Das Risiko, am Ende mit der kleinen Förderrendite dazu­stehen, ist jedoch nicht bei allen Riester-Fonds­produkten gleich. Es hängt davon ab, ob ein Anbieter bei der Sicher­stellung der Garantie vorsichtig zu Werke geht oder die Aktien­chancen voll nutzt.

Für diese Unter­suchung haben wir die verschiedenen Riester-Fonds­produkte erst­malig in Risikoklassen sortiert – je nachdem, wie hoch Risiken und Rendite­chancen sich darstellen. Dazu haben wir für einen 30jährigen Ansparplan mögliche Verläufe verschiedener Anlage­konzepte modell­haft am Computer simuliert. Bei sicheren Produkten liegen die Endergeb­nisse relativ dicht beieinander. Riskantere Produkte erkennt man daran, dass sowohl höhere als auch nied­rigere Renditen öfter vorkommen können.

Statische Konzepte am sichersten

Mit am sichersten sind die sogenannten statischen Absicherungs­konzepte der Versicherer, bei denen der Beitrag fest aufgeteilt wird. Ein Teil fließt hier dauer­haft ins Sicherungs­vermögen der Versicherung, der andere steht fest für die freie Fonds­wahl zur Verfügung. Mit einem solchen Modell besteht nach unseren Simulationen keine Gefahr, dass bei Renten­beginn lediglich die einge­zahlten Beiträge und Zulagen noch vorhanden sind. Gleich­zeitig sind aber auch höhere Renditen weniger wahr­scheinlich.

Statische Absicherungs­konzepte bieten in unserem Test nur Versicherungen an, etwa CosmosDirekt oder HanseMerkur. Wie viel Geld in die Fonds fließt, hängt von den Kosten und dem Garan­tiezins ab. Der ist mit 1,75 Prozent pro Jahr für ab 2012 geschlossene Verträge sehr nied­rig. CosmosDirekt gibt an, dass anfäng­lich rund ein Viertel der Einzahlungen für die freie Fonds­anlage zur Verfügung stehe. Über die gesamte Vertrags­lauf­zeit gesehen sei es rund die Hälfte.

Dyna­misch ist nicht ungefähr­lich

Dyna­mische Absicherungs­modelle erlauben mehr Spielraum für die Aktien­anlage. Hier werden die Anteile sicherer und riskanter Anlagen flexibel gehand­habt. Anleger finden sie sowohl bei Versicherungen als auch bei Fonds­gesell­schaften.

Voll ausgereizt bietet dieses Modell die höchsten Rendite­chancen. Das gesamte Geld eines Riester-Depots kann in Aktienfonds stecken, etwa bei der UniProfiRente: Der Sparer zahlt seine Beiträge in den Welt­aktienfonds UniGlobal ein. Dort bleibt das Geld zunächst. Entwickelt sich die Börse so schlecht, dass die Riester-Garantie gefährdet ist, fließen erst die neuen Beiträge der Kunden in den Rentenfonds UniEuroRenta. Reicht das nicht, schichtet Union das gesamte Geld aus dem Aktien- in den Rentenfonds, wo es bis zur Rente bleibt.

Verärgerte ProfiRente-Sparer

Viele Anleger ärgert das, wie wir aus Leser­zuschriften wissen. Sie erwarteten, dass die Fonds­gesell­schaften machen, was sie ihren Kunden sonst oft raten, nämlich möglichst lange in Aktien zu bleiben und Kurs­rück­schläge auszusitzen. Eine Garantie dafür, dass die Abwarte­taktik klappt, gibt es aber nicht. Genau die müssen Riester-Anbieter jedoch bieten. Anders als Versicherungen halten Fonds­gesell­schaften allerdings keinen Deckungs­stock vor. Sie erfüllen die Garantie, indem sie das Geld der Anleger möglichst geschickt auf riskantere und sicherere Fonds aufteilen. Die Umschichtungen sind daher Bestand­teil des Produkts.

Auch mit der DWS RiesterRente Premium sind einige Anleger deshalb unzufrieden. Anders als bei Union sind bei der DWS Rück­umschichtungen in Aktienfonds bei verbesserter Markt­lage zwar möglich – doch auch das bringt Probleme: Weil die DWS umschichtet, wenn die Kurse fallen, und erst zurück­schichtet, wenn es wieder aufwärts geht, kommt es vor, dass Anleger zum nied­rigeren Kurs aus- und zum höheren Kurs wieder einsteigen – mit Verlust.

Läuft es gut und Umschichtungen sind nicht notwendig, können Anleger mit der UniProfiRente und der DWS RiesterRente Premium hohe Renditen erzielen. Auch zwei­stel­lige Ergeb­nisse sind möglich. Vergleichs­weise häufig können solche Modelle aber auch bei Renditen zwischen 0 und 1 Prozent enden. Wir haben beide Produkte daher in die höchste Risikoklasse 4 gestuft.

Die Allianz verfolgt mit ihrer RiesterRente Invest alpha-Balance einen etwas anderen Weg. Sie zwackt von vorn­herein einen Teil des Beitrags für die sichere Geld­anlage ab. Das bietet Puffer für leichte Kurs­rück­gänge und vermeidet häufiges Hin- und Herschichten in volatilen Markt­phasen. Der andere Teil fließt in frei wähl­bare Fonds.

Das Risiko, nach der Anspar­zeit nur mit Minirenditen dazu­stehen, ist bei der Allianz geringer als bei der UniProfiRente oder der DWS RiesterRente Premium – weshalb wir die Invest alpha-Balance in die mitt­lere Risikoklasse 3 stufen. Die Rendite­chancen sind entsprechend geringer.

Mit und ohne Wert­sicherungs­fonds

Das Angebot der Allianz lässt sich als Zwei-Topf-Modell beschreiben: Das Spargeld fließt in den Deckungs­stock, das ist der eine Topf, und in Fonds, die der Riester-Sparer frei wählen darf. Das ist Topf zwei. So verfährt auch die WWK, die für ihre Premium FörderRente protect hohe Aktienquoten erlaubt, was hohe Rendite­chancen erwarten lässt. Entsprechend haben wir sie der Risikoklasse 4 zuge­ordnet.

Die anderen untersuchten Versicherungen mit dyna­mischem Absicherungs­konzept sind „Drei-Topf-Modelle“. Sie sind komplexer, denn das Geld fließt nicht nur in den Deckungs­stock und in frei wähl­bare Fonds, sondern zusätzlich in vom Versicherer vorgegebene Wert­sicherungs­fonds.

Dieser dritte Topf hat es in sich: Anleger gestalten bei diesen Policen den chancenreichen Teil ihres Vertrags nicht allein mit ihrer eigenen Fonds­wahl. Die Wert­sicherungs­fonds sind ebenfalls am Aktienmarkt unterwegs. In einigen dieser Fonds können riskante Anlagen zeit­weise 90 Prozent oder mehr ausmachen – je nach Markt­lage. Läuft es an den Kapitalmärkten schlecht, ziehen die Fonds­manager jedoch die Reiß­leine und stocken den Anteil sicherer Anlagen auf.

Bei Drei-Topf-Policen steht in der Regel umso mehr Geld für die freie Fonds­wahl zur Verfügung, je besser der Wert­sicherungs­fonds läuft. Doch die Performance dieser Fonds ist unterschiedlich, was die Wahl der passenden Police für Riester-Sparer nicht leichter macht. Gut entwickelt hat sich zum Beispiel der AL DWS Global Aktiv+ der Alten Leipziger mit einer Drei­jahres­rendite von 4,9 Prozent pro Jahr zu Ende September. Schlecht gelaufen ist dagegen der Fonds AGI Garant Dynamic, der in den Policen von Gothaer und Asstel steckt: minus 5,2 Prozent pro Jahr im selben Zeitraum.

Eine große Auswahl an Fonds

Für unsere Unter­suchung haben wir ein besonderes Augen­merk auf die frei wähl­baren Fonds gelegt. Anleger sollen möglichst viele und möglichst gute Fonds bekommen können. Wir empfehlen Aktienfonds Welt oder Europa sowie Misch­fonds als Basis. Auch börsen­gehandelte Indexfonds (ETF) auf breite Indizes wie den MSCI World oder den Euro Stoxx halten wir für gut geeignet. Mehrere Versicherer haben sie im Angebot, etwa die Allianz, Arag, HanseMerkur oder der Volks­wohl Bund.

Die größte Fond­spalette hat der Versicherer Vorsorge mit 71 Aktien- und 26 Misch­fonds, 12 davon sind unserem Fonds-Dauer­test zufolge empfehlens­wert. Die meisten empfehlens­werten Fonds, nämlich 14, hat Condor. Ebenfalls eine große Auswahl an Fonds, darunter auch ETF, bietet die Stutt­garter mit ihrem neuartigen Konzept RiesterRente performance-safe. Nach Angaben des Versicherers konnten Sparer bei diesem Vertrag von Anfang an rund 20 Prozent des Geldes in Fonds ihrer Wahl stecken.

Auch eine Kostenfrage

Bei der Entscheidung, ob Fonds oder Fonds­police, spielen die Kosten eine wichtige Rolle. Je preis­werter ein Vertrag ist, desto besser kann das Ergebnis am Ende ausfallen.

Fonds­sparpläne sind im Allgemeinen güns­tiger als Versicherungen. Wir haben für alle Riester-Fonds­sparpläne eine Kostenquote abge­bildet. Das ist der Anteil der Kosten am einge­zahlten Beitrag. Die Haupt­kosten entstehen durch den Anteils­kauf und die laufenden Fonds­kosten. Bei den Riester-Fonds­policen stellen wir keine Kostenquoten dar, sondern weisen aus, inwieweit die Kosten des Versicherungs­gerüsts die Rendite mindern. Wie die Kostenquoten der Fonds ist die Rendite­minderung nur inner­halb einer Risikoklasse vergleich­bar.

Die Angabe der Rendite­minderung ist weniger aussagekräftig als die Kostenquote, weil die Kosten für die Fonds fehlen. Sie hängen von der Fonds­wahl des Kunden ab und davon, wie die Versicherer mit Bestands­provisionen verfahren, die sie von Fonds­gesell­schaften erhalten. Die Stutt­garter etwa gibt diese Rück­vergütungen voll­ständig an ihre Kunden weiter, die Allianz derzeit auch. Die Allianz stellt in ihren Muster­rechnungen außerdem über­sicht­lich an Beispielen eine jeweilige Gesamt­kostenquote dar.

Auszahl­phase

Selbst für ihre Rente können Riester-Sparer noch die besseren Rendite­chancen der Aktien nutzen – voraus­gesetzt, sie haben einen Fonds­sparplan abge­schlossen. Fonds­gesell­schaften setzen Aktienfonds auch nach der Anspar­phase noch ein. Allerdings müssen die Gesell­schaften mit einem Teil des Ersparten für den Anleger bei Renten­beginn zunächst eine aufgeschobene Rente zukaufen, die mit 85 Jahren beginnt und bis zum Tod bezahlt. Aus dem Rest fertigen sie einen Auszahl­plan, der aus einer garan­tierten und einer flexiblen Zahlung besteht.

Wie hoch der variable Anteil ist, hängt von den jeweiligen Kursen an den Börsen ab. DWS und Union über­weisen die varia­blen Raten monatlich, Deka einmal im Jahr.

Aus einer Fonds­police fließt sofort eine lebens­lange Rente, wie bei der klassischen Riester-Renten­versicherung. Aktienfonds kommen dann nicht mehr zum Einsatz. Wie hoch die Rente wird, hängt davon ab, wie viel Vermögen sich im Vertrag ansammelt und wie es später verrentet wird.

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