17.04.2007

Rente mit 67: Später in Rente

Rente mit 67 Meldung
Der Protest gegen die Rente mit 67 war vergeblich. Jetzt fürchten die Gewerkschaften, dass viele Arbeitnehmer nur mit Abschlägen in Rente gehen können, weil es für Ältere nicht genug Arbeitsplätze gibt.

Arbeitnehmer müssen jetzt bis zum 67. Lebensjahr arbeiten. Erst danach haben sie vollen Anspruch auf ihre Rente. Das gilt für alle Jahrgänge ab 1964. Die 1958 Geborenen müssen bis 66 Jahre arbeiten. Nur Arbeitnehmer, die 1946 oder früher das Licht der Welt erblickten, können sich nach wie vor mit 65 Jahren ohne Abschlag zur Ruhe setzen. Finanztest erklärt, ab wann die einzelnen Jahrgänge frühestens in den Ruhestand gehen können, mit welchen Abzügen sie rechnen müssen, wie lange Altersteilzeit möglich ist und wie jeder seinen Rentenbeginn selbst ermittelt.

Ich bin 60 Jahre alt. In drei Jahren wollte ich in Ruhestand gehen. Muss ich jetzt bis 67 arbeiten?

Nein. Für Arbeitnehmer, die 1946 oder früher geboren worden sind, ändert sich gar nichts. Sie können mit Erreichen des 63. Lebensjahres in Rente gehen, wenn Sie mindestens 35 Versicherungsjahre nachweisen. Für jeden Monat, den Sie vor Ihrem 65. Geburtstag in Rente gehen, zieht Ihnen der Rentenversicherer aber 0,3 Prozent von Ihrer regulären Rente ab.

Arbeiten Sie bis zum 65. Lebensjahr, erhalten Sie die Rente ohne Abschlag.

Woher weiß ich, wie sich mein Renteneintrittsalter ändert?

Ihren Rentenbeginn können Sie leicht ermitteln. Sind Sie 1947 geboren, müssen Sie Ihre Lebensplanung nur unwesentlich ändern. Denn dann müssen Sie nur einen Monat länger arbeiten.

Jeder folgende Jahrgang bis zum Jahrgang 1957 muss jeweils einen Monat mehr dranhängen. Der Jahrgang 1958 soll bis zum Alter von 66 Jahren arbeiten, die folgenden Jahrgänge bis 1963 jeweils zwei Monate mehr als der vorhergehende.

Rente mit 67 heißt es dann wirklich für die Jahrgänge ab 1964. Die ersten, die davon betroffen sind, werden im Jahr 2031 in den Ruhestand gehen.

Gibt es die Möglichkeit, trotzdem mit 65 Jahren in Rente zu gehen?

Ja. Der Gesetzgeber hat Ausnahmen zugelassen. Wenn Sie es auf 45 Beitragsjahre und mehr bringen, dürfen Sie ohne Abzüge bei der Rente mit 65 Jahren aussteigen. Auf so viele Jahre kommen zurzeit aber nur 28 Prozent der Männer und 4 Prozent der Frauen.

Gehören Sie nicht zu den Ausnahmen, erreichen Sie den vollen Anspruch nur, wenn Sie bis 67 durcharbeiten. Pro Monat, den Sie früher als 67 in Rente gehen, müssen Sie auf 0,3 Prozent Ihres Anspruchs verzichten.

Wann dürfen Frauen vorzeitig in Altersrente gehen?

Frauen, die vor dem 1. Januar 1952 geboren sind, haben Anspruch auf eine Rente ab dem 60. Lebensjahr. Zwei zusätzliche Bedingungen müssen erfüllt sein: Die Frauen müssen mindestens 15 Jahren versichert gewesen sein und nach dem 40. Geburtstag mehr als 120 Monate Pflichtbeiträge an die Rentenversicherung entrichtet haben.

Ich bin schwer behindert. Was ändert sich für mich?

Die Altersgrenze für Behinderte steigt ab dem Jahr 2012 von bisher 63 auf 65 Jahre. Konnten Sie bislang mit 60 aus dem Berufsleben aussteigen, ist dies ab 2029 frühestens mit 62 Jahren möglich. Wenn Sie das in Anspruch nehmen, müssen Sie einen Abschlag von 10,8 Prozent der Rente in Kauf nehmen.

Keine Regel ohne Ausnahme: Behinderte, die vor dem 17. November 1950 geboren sind und deren Schwerbehinderung am 16. November 2000 anerkannt war, können weiterhin den Ruhestand ab 60 Jahren ohne Abschläge genießen.

Kann ich aus der Arbeitslosigkeit direkt in die Rente wechseln?

Wenn Sie vor 1952 geboren sind, geht das noch. Sie müssen aber einige weitere Bedingungen erfüllen: Zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr müssen Sie acht Versicherungsjahre nachweisen. Insgesamt müssen Sie 15 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt haben. Verlieren Sie Ihre Arbeit, nachdem Sie 58 Jahre und sechs Monate alt sind, und bleiben dann 52 Wochen arbeitslos, können Sie – mit einem Abschlag – in die Altersrente wechseln.

Muss ich auf meine Rente verzichten, wenn ich schwer krank werde und nicht mehr voll arbeiten kann?

Nein. In solchen Fällen gibt es eine Erwerbsminderungsrente. Die hat aber einen Pferdefuß. Brauchen Sie diese Rente vor dem 62. Lebensjahr, wird sie um 10,8 Prozent gekürzt.

Darf ich zur Rente mit 67 Jahren etwas dazuverdienen?

Ja. Und zwar so viel Sie wollen. Anders ist es, wenn Sie die Rente vorher beantragen und sich dann einen Zusatzjob suchen. Wer derzeit vor dem 65. Lebensjahr Altersrente bezieht und nebenbei arbeitet, darf höchstens 350 Euro monatlich verdienen, ohne von der gesetzlichen Rente etwas abgezogen zu bekommen.

Zwei Monate im Kalenderjahr darf diese Grenze doppelt ausgeschöpft werden – also beispielsweise im Mai und November bis zu 700 Euro. In den anderen Monaten dürfen es dann wieder nur maximal 350 Euro sein.

Gibt es in Zukunft noch die Witwen- und Witwerrente?

Ja. Nur das Eintrittsalter ändert sich. Es steigt zwischen 2012 und 2029 in kleinen Schritten von 45 auf 47 Jahre. Witwen und Witwer über dieser Altersgrenze bekommen die „große Witwenrenten“ und damit 55 oder 60 Prozent vom Rentenanspruch des Verstorbenen – je nach Geburtsjahrgang und Datum der Eheschließung. Hinterbliebene unter der Altersgrenze bekommen 25 Prozent.

Gibt es noch die Möglichkeit, Altersteilzeit zu vereinbaren?

Ja. Doch ab 2010 wird die Förderung der Altersteilzeit eingeschränkt. Ab dann gewährt die Bundesagentur für Arbeit keinen Zuschuss mehr für das Gehalt von Beschäftigten in Altersteilzeit. Wenn beispielsweise ein 58-jähriger Beschäftigter bis Ende 2009 einen Altersteilzeitvertrag abschließt, dann noch drei Jahre im Betrieb bleibt und danach drei Jahre in der Freistellungsphase der Altersteilzeit ist, bekommt er in dieser Zeit 50 Prozent seines Gehalts vom Arbeitgeber direkt. Die Bundesagentur für Arbeit stockt diesen Betrag um bis zu 30 Prozent auf, wenn seine Stelle neu besetzt wird. Dieser Zuschuss fällt künftig weg.

Tipps: Das sollten Sie wissen
Nachgerechnet: Was der vorgezogene Rentenbeginn kostet

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