28.08.2003

Raucherentwöhnung: Einsteigen in den Ausstieg

Raucherentwöhnung Test

Eine Raucherkarriere zu beginnen, ist kinderleicht, sie zu stoppen, sehr schwer. Wir nennen die besten Mittel und Methoden, zum Nichtraucher zu werden – oder gleich Nichtraucher zu bleiben.

Mit dem Rauchen aufhören? Nichts einfacher als das“, hat Mark Twain gesagt, der geistige Vater von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. „Ich habe schon 1 000 Mal aufgehört.“ Die Ursache der häufig vergeblichen Mühen ist heute wissenschaftlich geklärt: Das Nikotin in Zigaretten macht süchtig. Mehrere Tausend Inhaltsstoffe des Tabaks schaden der Gesundheit. In Deutschland raucht zurzeit jeder Fünfte – knapp 17 Millionen Menschen. Die Zahl der Rauchenden nimmt zu, weil immer mehr junge Menschen zum Glimmstengel greifen. Zunehmend rauchen bereits Zwölfjährige, manchmal paffen bereits Zehnjährige. Unter den 12- bis 15-Jährigen rauchen doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Ihr Anteil an den Rauchern insgesamt hat sich verdoppelt. Die meisten Neueinsteiger finden sich bei jungen Mädchen – der Schlankheit wegen und weil Rauchen als cool gilt.

Nichtraucher bleiben

Raucherentwöhnung Test
Nikotinpflaster: Sie werden auf die Haut geklebt und geben eine geringe Nikotindosis durch die Haut ab. Sie sind täglich zu erneuern und bis zu acht Wochen anzuwenden.

Zigaretten sind keine illegalen Drogen. Auf Sportplätzen und fast jedem Schulhof ziehen junge Leute am Glimmstengel. Prinzipiell gilt an deutschen Schulen ein Rauchverbot. Die Schulleitung kann aber für Schüler ab dem 16. Lebensjahr auf dem Pausenhof eine „Raucherecke“ einrichten. Erlaubt haben das bisher fast alle. Von Bundesland zu Bundesland ist unterschiedlich geregelt, ob im Schulgebäude geraucht werden darf („Raucherzimmer“). Viele Kultusministerien wünschen völlige „Rauchfreiheit“ an Schulen, aber Verbote lösen das Problem nicht. Das Motto heißt deshalb: Überzeugungsarbeit leisten. Lehrer bemühen sich, mit Programmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) oder des Instituts für Therapie und Gesundheitsforschung in Kiel wie „Be smart – don’t start“ oder „Klasse 2000“ Schüler vom Rauchen abzuhalten. In Berlin sollen Erzieher bereits in den Kindertagesstätten das Gesundheitsbewusstsein wecken. Ein weiteres Projekt erfasst die Qualitätsmerkmale guter Präventionsprogramme an Schulen. Die Erfahrungen stehen Lehrern im Internet zur Verfügung. Das Unternehmen ist jedoch umstritten, da es von einem Zigarettenhersteller finanziert wird.

Neu und nicht unumstritten ist deshalb auch das Programm „Rauchfreie Schule“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Für die Pädagogen wurde der Leitfaden „Auf dem Weg zur rauchfreien Schule“ mit praktischen Tipps für Elternabende oder zur Kontrolle des Nichtrauchens entwickelt. Im letzten Schuljahr haben es etwa ein Dutzend deutscher Schulen erprobt. Schüler arbeiten mit Broschüren („Let’s talk about smoking“, „Stop smoking girls“, „Stop smoking boys“). Wie sie vorgeht, dokumentiert die Theodor Haubach Oberschule in Berlin-Tempelhof im Internet.

Ausgeglichene Menschen sind besser gegen das Rauchen gewappnet, Konflikte schwächen dagegen den Willen des Nichtrauchers, standhaft zu bleiben, hat die Wissenschaft herausgefunden. Es geht bei erfolgreichen Vorbeugeprogrammen für Jugendliche somit auch darum,

  • Spannungen und Konflikte zu erkennen und sich aktiv um deren Lösung zu bemühen,
  • den Jugendlichen durch Aktivitäten positive Erlebnisse zu verschaffen, so im Sportverein.

Nichtraucher werden

Raucherentwöhnung Test
Nikotinkaugummi: Das Nikotin geht durch die Wangeninnenhaut ins Blut über. Zwei Milligramm entsprechen dem Nikotin einer Zigarette. Zehn bis zwölf Gummis dürfen täglich gekaut werden, etwa ein halbes Jahr lang.

Auch beim Ausstieg aus der Abhängigkeit vom Nikotin geht ohne gute Vorbereitung gar nichts:

  • Motivation: Alle Gründe, warum das Rauchen aufgegeben werden soll, werden aufgelistet. Der zukünftige Nichtraucher sollte sein Rauchverhalten analysieren. Dabei können Bücher zum Thema Raucherentwöhnung hilfreich sein oder ein Anruf bei einem „Rauchertelefon“.
  • Entwöhnung: Anstelle der bisherigen Rauchergewohnheiten werden Ersatzhandlungen geübt.

Man sollte überlegen, ob man in einer Gruppe und unter Anleitung eines Therapeuten den Raucher-Stopp proben will oder lieber allein. Wer schon gescheiterte Versuche hinter sich hat, sollte sich professionelle Hilfe holen. Handlungspläne sind unter anderem auf den Internetseiten der BzgA zu finden. Am erfolgreichsten beim Ausstieg ist die Punkt-Schluss-Methode: eine allerletzte Zigarette rauchen – und fertig. Wer das nicht schafft, sollte immer wieder einen neuen Versuch starten. Und dann eventuell gleich Hilfsmittel wie Nikotinkaugummi oder Nikotinpflaster nutzen.

Raucher-Entwöhnungsmittel wie Nikotinpflaster, die körperliche Entzugserscheinungen verringern, gibt es in Apotheken. Wird dennoch geraucht, ist das Pflaster unbedingt zu entfernen. Da Rauchen auch psychische Ursachen hat (Stress, innere Konflikte), sind Begleitprogramme zur psychischen Unterstützung wichtig. Nikotin-Kaugummis sind am ehesten geeignet, dem akuten Drang nach einer Zigarette zu begegnen. Der Kaugummi darf nur kurze Zeit gekaut werden und muss dann für eine Minute in der Backentasche zwischen Zahnreihe und Wange „geparkt” werden. Dieser Zyklus wird 30 Minuten lang wiederholt. Dabei geht das Nikotin durch die Wangeninnenhaut ins Blut über. Zwei Milligramm entsprechen einer Zigarettendosis.

Hoch genug dosieren

Raucherentwöhnung Test
Aktionsseite im Internet: Sie will Kinder und Jugendliche gegen die „coole“ Versuchung stark machen und den Einstieg in die Nikotinabhängigkeit erschweren; www.kinderstarkmachen.de.

Pflaster wie Kaugummis müssen hoch genug dosiert sein, um mehr als ein Scheinmittel zu bewirken. Im Allgemeinen wird die zuerst gewählte Pflasterstärke drei bis vier Wochen beibehalten, dann zur nächstniedrigeren Pflasterstärke gewechselt und ähnlich lange angewendet. Das Produkt mit der geringsten Nikotindosierung dient dem „Ausschleichen“ aus der Nikotinabhängigkeit. Die Anwenderinformationen geben detaillierte Anweisungen.

Achtung: Wenn Sie mit der Entzugsbehandlung beginnen und Nikotinprodukte anwenden, müssen Sie das Rauchen einstellen. Hierauf weisen die Hersteller in den Beipackzetteln ausdrücklich hin. Sonst kann es zu unerwünschten Wirkungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Problemen bis hin zum Herzinfarkt) kommen. Aus dem gleichen Grund dürfen Pflaster und Kaugummis nicht gleichzeitig angewendet werden. Sie sollten auch auf Nikotinpräparate verzichten, wenn Sie schon eine Zeit lang nikotinfrei gelebt haben.

Wechselwirkungen

Zwischen dem Trinken von Säurehaltigem wie Orangensaft, Colagetränken oder Kaffee und dem Kauen eines Nikotin-Kaugummis sollte etwa eine Viertelstunde vergehen. Das Nikotin wird sonst schlechter aufgenommen. Schwangeren wird dringend empfohlen, das Rauchen aufzugeben und auf Nikotinprodukte als Hilfsmittel zu verzichten. Alternativen sind zuckerfreie Kaugummis, Trockenfrüchte oder Mohrrüben-Knabbern. Sportliche Aktivität tut ebenso gut.

Verhaltenstherapeutische Programme

Raucher können Mechanismen der Selbstkontrolle erlernen. Verhaltenstherapie führt bei Gruppenübungen etwa bei jedem Fünften zum Erfolg, bei einer Kombination mit Nikotinersatzmitteln bei bis zu 35 Prozent.

Tipp: Nehmen Sie schon nach dem ersten Misserfolg Hilfe durch einen Arzt, Psychotherapeuten oder eine Selbsthilfegruppe in Anspruch. Starke Raucher sollten bereits beim ersten Mal ein Raucherentwöhnungsprogramm nutzen.

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