20.12.2010

Ratgeber Fischkauf: Arten schützen, Qualität erkennen

Fischratgeber von WWF und Greenpeace

Eine Orientierungshilfe für den nachhaltigen Fischkauf sind Fischratgeber von Organisationen wie dem WWF und Greenpeace. Sie geben Informationen, welchen Fisch Verbraucher guten Gewissens verzehren können und auf welche Arten sie besser verzichten sollten. Die Empfehlungen gelten für einzelne Fischbestände in unterschiedlichen Fanggebieten.

Empfehlungen von WWF

Der WWF empfiehlt Verbrauchern beim Kauf von Wildfischen generell Produkte mit dem blauen Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) zu bevorzugen. Bei Zuchtfischen sollten Verbraucher auf die Siegel von Bioland und Naturland achten. Doch nicht jeder Fisch ohne Siegel ist nach Angaben des WWF bedenklich. Allerdings müssen Verbraucher dann darauf achten, aus welchen Beständen die Fische stammen. Der Ende Oktober 2010 aktualisierte Einkaufsratgeber bietet eine Orientierung.

Gute Wahl. Zu Fischen, die Verbraucher ruhigen Gewissens verzehren können, zählen Hering und Seelachs aus dem Nordostatlantik. Auch Dorsch - jahrelang ein Tabu für umweltbewusste Fischesser - kann wieder auf den Teller. Allerdings nur, wenn er das MSC-Siegel trägt oder aus dem Bestand der östlichen Ostsee kommt. Denn dieser hat sich in den vergangenen Jahren spürbar erholt. Grund dafür ist ein so genannter Managementplan, der seit zwei Jahren in Kraft ist. Dieser gibt unter anderem Empfehlungen für die jährlichen Fangmengen. Auch illegale Fischerei - ein großes Problem bei diesem Bestand - konnte deutlich gesenkt werden. Nichts falsch machen Fischesser zudem mit Karpfen. Auch Forelle, Dorade oder Pangasius aus Bio-Zucht sind eine gute Wahl.

Lieber Nicht. Pangasius aus konventioneller Zucht gehört laut WWF dagegen nicht in den Einkaufkorb. Diese Aquakultur hat in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum erfahren - meist allerdings sind die Zuchtfarmen nicht nachhaltig. Das gilt laut Einkaufsratgeber des WWF auch für Dorade aus konventioneller Aquakultur. Auch Rotbarsch, tropische Garnelen, Scholle sowie Kabeljau aus dem Nordost-Atlantik und Seehecht gehören nicht auf den Teller. Ebenfalls tabu: Roter Thun und Europäischer Aal. Hier sind sogar beide Arten bereits stark gefährdet.

Hinweis: Den vollständigen Einkaufsratgeber sowie weiterführende Informationen zu den einzelnen Fischbeständen finden Sie unter wwf.de/fisch

Empfehlungen von Greenpeace

Auch Greenpeace gibt Empfehlungen zum Kauf von Speisefischen. Verbraucher sollten bewusster und seltener Fisch essen und beim Kauf Fisch aus gesunden Beständen wählen, die mit schonenden Methoden gefangen wurden. Als Orientierung bietet die Umweltorganisation ebenfalls einen Ratgeber an. Insgesamt umfasst er etwa 80 Arten, aufgeteilt in rund 380 Bestände und Fischereien.

Noch vertretbar. So ist etwa Kabeljau aus der Barentssee, der Norwegischen See, aus Island und der östlichen Ostsee noch vertretbar, sofern er mit Handleinen und Wadennetzen gefangen wird. Das gilt auch für Seelachs aus der Barentssee und der Nordsee, wenn er mit Ringwaden, Wadennetzen, Lang- und Handleinen gefangen wurde. Vertretbar ist zudem der Kauf von Zuchtfischen wie Karpfen, Forelle und Pangasius. Letzerer allerdings nur, wenn er aus ökologischer Aquakultur (Teiche und Käfige) aus Vietnam stammt.

Nicht vertretbar. Rotbarsch, Scholle, Seehecht gehören dagegen nicht in den Einkaufswagen. Das gilt auch für die gefährdeten Arten Roter Thun und Europäischer Aal.

Die Umweltorganisation überprüfte zudem Supermarktketten auf Nachhaltigkeit ihres Fischsortiments. Danach sind Verbraucher vor allem bei Kaufland, Bünting, Norma und Rewe gut bedient. Schlusslichter seien dagegen Aldi Nord, Kaiser's Tengelmann und die Metro Group.

Hinweis: Hier gehts zum vollständigen Ratgeber Fischkauf von Greenpeace und zum Supermarktranking 2010.

Teilweise unterschiedliche Bewertungen

Aufgrund von unterschiedlichen Bewertungsmethoden unterscheiden sich die Ratgeber von Greenpeace und dem WWF bei Empfehlungen zu einigen Fischbeständen. So rät Greenpeace komplett vom Verzehr von Alaska-Seelachs, dem beliebtesten Speisefisch der Deutschen, ab. Grund dafür: Trotz leichter Erholung seien die Bestände noch in schlechtem Zustand und die Fangmengen teilweise zu hoch. Zudem würden Alaska-Seelachse mit zerstörerischen Grundschleppnetzen gefangen. Laut WWF-Ratgeber ist Alaska-Seelachs dagegen eine gute Wahl, wenn er das MSC-Siegel trägt oder aus dem Nordostpazifik stammt. Zwar zeige die aktuelle wissenschaftliche Analyse einen Bestandsrückgang vom US-Alaska-Seelachs. Die Prognose von Wissenschaftlern sei bei der Menge, die zurzeit gefischt wird und aufgrund der wirksamen Umsetzung von Managementmaßnahmen, trotzdem positiv. Es werde eine Zunahme des Bestands für 2011 und 2012 erwartet. Zudem gelte das Management für den MSC-zertifizierten US-Alaska-Seelachs in wissenschaftlichen Kreisen als eines der besten der Welt.

Kennzeichnung von Fanggebieten

Einigkeit besteht jedoch darin, dass Verbraucher die Fischratgeber nur effektiv nutzen können, wenn die Fischprodukte im Handel detaillierte Angaben zu Fanggebieten und Fangart enthalten. Fischindustrie und Fischgroßhandel wollen bis spätestens Ende 2010 eine freiwillige Kennzeichnung von Fischprodukten einführen, die diese Informationen liefert. Neben Frisch- und Tiefkühlfisch soll die neue Kennzeichnung auch für Fischereierzeugnisse gelten, für die es bisher keine Kennzeichnungspflicht gibt. Dazu gehören verarbeitete Fischprodukte, etwa Konserven- oder Marinade-Erzeugnisse und auch Fischsalate.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Siegel auf Fischprodukten

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