20.12.2010

Ratgeber Fischkauf: Arten schützen, Qualität erkennen

Ratgeber Fischkauf Special

Weltweit werden viele Fischbestände bereits maximal genutzt oder sie sind sogar überfischt. Doch auch die Zucht ist nicht immer umwelt­verträglich. Daher sollte nicht jeder Fisch im Einkaufwagen landen. test.de gibt Tipps für den Fischkauf.

Verbrauch steigt

Gesunde Omega-3-Fettsäuren, viel Eiweiß und guter Geschmack: Fisch liegt im Trend, der Verbrauch steigt beständig. Im vergangenen Jahr verzehrte jeder Deutsche im Schnitt 15,7 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte. Der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch liegt sogar bei 17,4 Kilogramm. Besonders beliebt bei den Deutschen sind Alaska-Seelachs, Hering, Lachs und Thunfisch. Diese starke Nachfrage macht sich bemerkbar: Mittlerweile sind 25 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände in den Weltmeeren überfischt. Das heißt: Es werden mehr Fische gefangen, als nachwachsen können. Weitere 50 Prozent der Fischbestände werden bis an ihre Grenzen genutzt. Hier kann die Fischerei kaum noch Steigerungen erzielen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Situation dieser Bestände ebenfalls verschlechtert, wenn keine Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Zerstörerische Fangmethoden

Hinzu kommt: Viele Fangmethoden schädigen nicht nur die Fischbestände, sondern auch den Meeresboden und damit den Lebensraum von Fischen und anderen Meerestieren. Dazu zählen etwa die so genannten Baumkurren, eine Art von Grundschleppnetzen, die beim Fang auf Plattfische wie Schollen oder Garnelen zum Einsatz kommen. Das Netz wird auf Kufen über den Meeresboden gezogen. Scheuchketten sorgen dafür, eingegrabene Fische aufzuschrecken. Dadurch sind die Auswirkungen auf den Meeresboden und seine Bewohner besonders hoch.

Zu viel Beifang

Baumkurren schädigen aber nicht nur den Meeresboden, sondern produzieren auch viel unerwünschten Beifang. Beim Fang auf Seezungen sind das nach Schätzungen des World Wide Fund for Natue (WWF) etwa 90 Prozent, der tot wieder ins Meer geworfen wird. Diese Rückwürfe von zu kleinen oder anderen als den gewollten Fischen und anderen Meerestieren sind ein weiteres Problem in der Fischerei. In Norwegen sind sie bereits verboten. In den Netzen können sich aber auch Seevögel, Haie oder Schildkröten verfangen.

Kritische Zucht von Fischen

Allein mit dem Fang von Wildfischen lässt sich der steigende Bedarf aber nicht mehr decken. Daher erlangt die Aquakultur, also die Zucht von Fisch immer größere Bedeutung. Mittlerweile stammt die Hälfte des verzehrten Fischs aus Zuchtbetrieben. Zwar besteht hier nicht das Problem der Überfischung. Doch auch die Zucht kann negative Auswirkungen für die Umwelt haben. So benötigen Zuchtfische wie Lachs und Forelle tierisches Futter - meist Fischmehl und -öl aus Wildbeständen. Für ein Kilogramm Lachs sind etwa vier Kilogramm Fischeiweiß nötig. Zudem können Chemikalien oder Antibiotika umliegende Flüsse und Meere belasten. Für den Aufbau von Zuchtfarmen werden zudem wertvolle Lebensräume zerstört - etwa Mangrovenwälder für die Shrimpzucht in tropischen Gebieten.

Bewusst einkaufen

Wer beim Fischkauf auf Nachhaltigkeit achten möchte, hat es jedoch nicht leicht, sich im Handel zu orientieren. So ist bei Wildfischen nicht immer eine komplette Fischart von Überfischung betroffen, sondern einzelne Bestände in unterschiedlichen Fanggebieten. Beispiel Kabeljau: Allein im Nordost-Atlantik gibt es etwa 13 Bestände, die sich in den vergangenen Jahren unterschiedlich entwickelt haben. Der größte Bestand davon im Barentsmeer (Nordost-Arktis) ist in einem guten Zustand. Detaillierte Informationen über einzelne Fischarten und -bestände liefert das Portal Fischerei. Die Daten stammen von Johann Heinrich von Thünen-Institut. Das Portal gibt aber keine Bewertungen ab. Es versteht sich daher auch nicht als Fisch­einkaufs­ratgeber, sondern vielmehr als Basis für deren Bewertungen. Denn: In die Bewertungen für Fischführer, wie sie der WWF oder Greenpeace für Verbraucher anbieten, fließen neben dem Zustand einzelner Fischbestände auch die verwendeten Fangmethoden, deren Auswirkungen auf die Ökosysteme sowie das Management der entsprechenden Fischereien ein. Ebenso gibt es Kriterien für die Bewertung von Zuchtfischen. Eine weitere relativ einfache Orientierung für nachhaltigen Fischkauf sind Siegel, die sich auf zahlreichen Fischprodukten finden, darunter das MSC-Siegel für nachhaltig gefangenen Wildfisch oder das Siegel des Naturland-Anbauverbands für Öko-Zuchtfische. test.de stellt die Orientierungshilfen auf den folgenden Seiten dieses Specials vor:

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Fischratgeber von WWF und Greenpeace

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