14.11.2006

Private Krankenversicherung: 344 Tarife im Test

Private Krankenversicherung Test
Privatpatienten haben es besser, weil ihre Behandlung für Ärzte lukrativ und nicht durch Budgets eingeschränkt ist. Doch der Komfort wird schnell teuer.

Eine private Krankenversicherung lohnt sich finanziell nur für Beamte und für gesunde, junge Männer, die keine Familie absichern müssen. Alle anderen sollten abwägen, ob sie den privaten Schutz auf Dauer bezahlen können. Unser Test hilft, sich gute Leistungen günstig zu sichern.

Gegen Gesundheitsreformen kann sich niemand versichern, auch nicht privat. Die geplante Reform ist daher kein Grund, jetzt überstürzt in die private Krankenversicherung einzutreten.

Arbeitnehmer dürfen sich zwar wahrscheinlich in Zukunft nur noch privat versichern, wenn ihr Jahresbruttoeinkommen drei Jahre lang über der Versicherungspflichtgrenze gelegen hat. Im Jahr 2006 war sie bei 47 250 Euro. Jetzt schnell zu wechseln, hat aber keinen Sinn, weil die Dreijahres-Regelung rückwirkend zum 27. Oktober 2006 greifen soll. Versicherte, die jetzt wechseln, aber die neue Bedingung nicht erfüllen, werden dann bei Inkrafttreten des Gesetzes im Frühjahr 2007 wieder in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig.

Preise und Leistungen im Test

Finanziell ist die private Krankenversicherung nur für Beamte und ihre Familien garantiert dauerhaft günstiger als die gesetzliche Kasse. Von allen anderen haben lediglich gut verdienende, gesunde Männer unter 40 eine realistische Chance, auf Dauer weniger Beitrag zu zahlen.

Trotzdem gibt es für Menschen, die der private Schutz mit den Jahren sehr viel teurer kommt als die gesetzliche Krankenkasse, gute Gründe, sich privat zu versichern: die besseren Leistungen, die sie sich mit den richtigen Tarifbausteinen zusammenkaufen können.

Welches die besten Angebote sind, zeigt unser Test. Wir haben das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis und die Beitragsentwicklung in den zurückliegenden acht Jahren beurteilt. Ein „Sehr gut“ oder „Gut“ hat nur bekommen, wer an der Spitze des Marktes steht.

Angestellte Männer müssen bei einem Eintrittsalter von 35 Jahren für eine mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertete Versicherung anfangs 264 bis 314 Euro im Monat zahlen, gleichaltrige Frauen 393 bis 449 Euro. Die Hälfte zahlt ihr Arbeitgeber. Behandlungskosten zwischen 300 und 510 Euro im Jahr bezahlen sie selbst.

Als Selbstständige zahlen 35-jährige Männer 274 bis 426 Euro, Frauen etwa 379 bis 494 Euro Monatsbeitrag für mindestens „gut“ bewertete Angebote. Die Selbstbehalte liegen zwischen 500 und 670 Euro im Jahr.

Mit den Jahren werden diese Beiträge auf jeden Fall steigen (siehe „Kleine Rente, teure Versicherung“). Ältere Neukunden zahlen von Anfang an mehr. Eine selbstständige Frau, die beim Abschluss 45 Jahre alt ist, kommt bei Selbstbeteiligungen von 500 bis 670 Euro bereits auf 500 bis 700 Euro Monatsbeitrag.

Bei den Angeboten für Beamte sind wir von ledigen Bundesbeamten mit 50 Prozent Beihilfeanspruch ausgegangen. Eine Versicherung für die fehlenden 50 Prozent kostet bei „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten Angeboten 121 bis 184 Euro (Mann) oder 161 bis 213 Euro (Frau).

Single oder Familie

Frauen zahlen für den gleichen Leistungsum-fang mehr als Männer. Wenn sie sich trotzdem dafür entscheiden, dann wegen der besseren Leistungen.

Für Menschen, die niemanden absichern müssen, lohnt sich die private Krankenversicherung eher als für eine Familie. Denn es gibt keine beitragsfreie Mitversicherung von Kindern oder Ehepartnern. Jedes Familienmitglied braucht einen Vertrag und muss Beitrag zahlen. Pro Kind sind je nach Anbieter und Tarif ohne Selbstbeteiligung zwischen 100 und 200 Euro im Monat fällig.

Luxus oder Standard

In der privaten Krankenversicherung können Kunden höhere Leistungen wählen, als Kassenpatienten bekommen. Das gilt vor allem im Krankenhaus, wo sie in der Regel Anspruch auf ein Ein- oder Zweibettzimmer und auf Chefarztbehandlung haben. Zudem erhalten alle Behandler höhere Honorare für die gleichen Leistungen.

Insbesondere bei Untersuchungen und Medikamenten bekommt der Privatpatient vom Arzt nicht nur teurere, sondern auch mehr Leistungen als der Kassenpatient, weil es bei den Privatversicherern keine Budgets gibt.

Ob der Versicherer dann auch immer alles bezahlt, steht auf einem anderen Blatt. Immer öfter streiten sich nämlich Patient und Versicherung darüber, ob die Behandlung medizinisch notwendig oder das Honorar überhöht war. Der Ombudsmann der privaten Krankenversicherer berichtet, dass es in fast 40 Prozent der rund 3 000 Beschwerden um diese Fragen geht.

Krank oder gesund

Die private Krankenversicherung kann für Neukunden anfangs billiger sein als die gesetzliche, weil sie sich ihre Kunden aussuchen kann. Leidet jemand an einer Krankheit, die später teuer werden könnte, bekommt er erst gar keinen Vertrag. Andere müssen Risikozuschläge zahlen oder Leistungsausschlüsse hinnehmen. Kranke zahlen also von Anfang an hohe Beiträge.

In Zukunft sollen die Versicherer zwar einen Basistarif anbieten, in den auch Kranke eintreten können. Doch der enthält weder mehr Leistungen, noch dürfte er langfristig billiger sein als die gesetzliche Kasse. Deshalb wird es für freiwillig gesetzlich Versicherte wohl keinen Grund geben, dorthin zu wechseln.

Typfrage

Zu guter Letzt ist die Entscheidung für oder gegen die private Krankenversicherung eine Typfrage. Wer Schreibkram scheut, wird die private Krankenversicherung lästig finden. Denn er muss Arzt und Medikamente zunächst selbst bezahlen. Dann entscheidet er, ob er die Rechnungen sofort einreicht oder ob er mit Blick auf eine mögliche Beitragsrückerstattung erst einmal abwartet. Ist eine Rechnung nicht korrekt, muss er das selbst mit dem Arzt klären – sonst bleibt er auf den Kosten sitzen.

Auch bei Streit mit dem Versicherer hat es der Privatpatient nicht so bequem. Er kann nicht wie ein Kassenpatient kostenlos Widerspruch einlegen und sogar ohne Gebühren vor einem Sozialgericht klagen. Er muss zum Zivilgericht, wo sich Gerichts- und Anwaltskosten nach dem Streitwert richten. Verliert er, muss er seine eigenen und die Kosten der Gegenseite tragen.

Wer sich das höhere Maß an Eigenverantwortung aber zutraut, hat einen klaren Vorteil: Er bekommt einen Vertrag, in dem festgeschrieben ist, auf welche Leistungen er Anspruch hat. Die kann ihm keine Gesundheitsreform wegnehmen. 

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