17.09.2002

Private Haftpflichtversicherung: Risiko Alltag

Private Haftpflichtversicherung Test
Was bei Stan und Ollie bloß Klamauk ist, kann im richtigen Leben bitter weh tun - und den Schädiger viel Geld kosten. ­Eine Privathaftpflichtversicherung bewahrt ihn davor, für den Schaden zahlen zu müssen.

Eine kleine Unachtsamkeit kann zur großen finanziellen Katastrophe werden. Davor schützt eine private Haftpflichtversicherung. Sie darf in keinem Haushalt fehlen.

Bei Dick und Doof sieht jedes Missgeschick immer lustig aus. Wenn der doofe Stan dem dicken Ollie tollpatschig etwas auf den Kopf fallen lässt, lacht das Publikum. Ollie schäumt zwar vor Wut, haut seinem schlaksigen Partner einen Schlag hinter die Ohren – doch kurz darauf sind beide wieder gut Freund.

Im Alltag jedoch sind Missgeschicke selten lustig. Wenn ein Partygast fahrlässig mit seiner Zigarette ein Loch in das teure Sofa des Gastgebers sengt, lässt sich der Schaden womöglich noch mit einigen hundert Euro beheben. Wenn aber ein Inlineskater in voller Fahrt schuldhaft einen Fußgänger anfährt, der dann so unglücklich fällt, dass er erwerbsunfähig wird, kann dies für den Skater den finanziellen Ruin bedeuten: Behandlungskosten, Schmerzensgeld und eine lebenslange Rente – das kann Millionen kosten. Auch große Schäden durch Feuer oder Wasser können den Verursacher ruinieren, denn er haftet laut Gesetz mit seinem gesamten Vermögen und seinem Einkommen oberhalb der Pfändungsfreigrenze.

Damit aus einem Schaden keine finanzielle Katastrophe wird, benötigt deshalb jeder unbedingt eine Privathaftpflichtversicherung. Sie leistet auch Schadenersatz bei kleineren Fahrlässigkeiten, die im Alltag immer wieder vorkommen und ins Geld gehen – wie besagtes Loch im Sofa. Diesen Schaden bezahlt selbst der preisgünstigste Versicherer mit niedriger Versicherungssumme. Doch bei großen Sach- und Personenschäden hilft nur eine hohe Versicherungssumme.

Bei den untersuchten Angeboten gibt es enorme Preisunterschiede. Schon für 35,30 Euro Jahresbeitrag gibt es bei der Europa eine Police für die ganze Familie – allerdings ist im Schadensfall ein Selbstbehalt von 250 Euro obligatorisch und der Verlust „fremder Schlüssel“ ist nicht versichert. Ein dicker Minuspunkt. Das teuerste Angebot macht Condor (Comfort). Doch für einen Jahresbeitrag von 149,64 bekommen Familien einen umfassenden Schutz mit breiter Risikoabdeckung.

Zur Wahl des optimalen Versicherungsschutzes gehört also beides: Preis- und Leistungsvergleich. Um gegen Schadenersatzansprüche gut abgesichert zu sein, sollte die Versicherungssumme nicht niedriger sein als 3 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden. Wenn zum Beispiel ein Radfahrer fahrlässig einen Unfall verursacht, bei dem ein ausweichendes Auto gegen einen Baum rast und die drei Insassen schwer verletzt werden, ist der Radler mit einer Versicherungssumme unter 3 Millionen Euro kaum ausreichend abgesichert. An­bieter wie Deutscher Ring, HDI und Ineas wurden deshalb nicht in die Vergleichstabelle aufgenommen. Die Mannheimer bietet in ihrem Familientarif zwar eine Versicherungssumme von 3 Millionen Euro, die sich bei Katastrophenschäden – etwa durch Brand und Explosionen – sogar auf 6 Millionen Euro verdoppelt, in ihrem Tarif für junge Leute sind es unverständlicherweise aber nur 1 Millionen Euro. Bei einem Unfall mit mehreren Verletzten, den ein 20-jähriger Radfahrer verschuldet hat, wäre dieser junge Mann bei der Mannheimer womöglich nicht gegen alle Schadenersatzforderungen geschützt.

Bestimmte Haftungsrisiken sind nur mit einem in der Police festgelegten Teilbetrag gedeckt, der je nach Tarif ­unterschiedlich sein kann. Viele Tarife bieten ohne Beitragsaufschlag über den Grundschutz hinaus eine Reihe von Extras an. Wichtig ist die Forderungsausfalldeckung (Buch­stabe D), denn 35 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben keine pri­vate Haftpflichtversicherung. Wenn jemand ohne diesen Schutz einen Schaden verursacht und selbst zahlungsunfähig ist, springt die Haftpflicht des Geschädigten ein. Bevor die Versicherung zahlt, muss der Geschädigte allerdings alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um doch noch Geld vom Schadenverursacher zu erhalten.

Mietschäden und Bauvorhaben

Private Haftpflichtversicherung Test

Eine passende Haftpflichtversicherung sollte der Kunde nach seiner individuellen Situation auswählen. Wenn Sie zum Beispiel Haus- oder Wohnungseigen­tümer sind, sollten Sie bei Ihrer Privathaftpflicht darauf achten, dass Schäden bei kleineren Bauvorhaben mindestens bis zu einer Bausumme von 25 000 Euro mitversichert sind. Das nützt Eigentümern, wenn zum Beispiel bei einem kleinen Anbau ein Unfall passiert.

Bei größeren Bauvorhaben muss eine eigene Bauherrenhaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Bei fünf untersuchten Angeboten gilt der Schutz der Privathaftpflichtversicherung für Bauvorha­ben aber sogar unbegrenzt.

Wenn Sie Mieter sind, sollten Sie Ihre Privathaftpflichtversicherung besonders auf folgende Leistungen abklopfen:

  • Schäden, die Sie in der gemieteten Wohnung oder im Mietshaus verursachen, sollten bis mindestens 150 000 Euro mitversichert sein. Denn wenn zum Beispiel durch ein vom Mieter verursachtes Feuer die Wohnung ausbrennt und der Eigentümer keine Feuerversicherung hat, nutzt eine niedrigere Summe unter Umständen wenig. Der Schutz vor Mietsachschäden gilt auch für gemietete Ferienhäuser. Einige Versicherer ersetzen Mietsachschäden sogar bis zur vollen Versicherungssumme, andere bleiben mit einer Deckungssumme von 50 000 Euro (zum Beispiel Signal, Nova und Arag) weit unter dem Standard.
  • Schäden durch den Verlust „fremder Schlüssel“ (also etwa für das Mietshaus, in dem Sie wohnen) sind bis mindestens 5 000 Euro mitversichert oder gegen einen geringen Zuschlag auf den entsprechenden Tarif versicherbar.

Schlüssel weg, wer zahlt?

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Wenn sie ihren Haustürschlüssel verloren haben, setzt bei vielen Leuten Nervenflattern ein. Diese Nervosität ist verständlich, denn Ärger und Kosten sind programmiert. Schon die Auswechslung des Türschlosses für ein Zweifamilienhaus kostet Geld. Richtig teuer wird der Verlust des Schlüssels jedoch für den Mieter einer Wohnung in einer mit einem Zentralschließsystem gesicherten Wohnanlage. Er zahlt den Austausch aller Schlösser.

Mieter sind deshalb über den Kompakt-Tarif der Allianz nicht gut versichert, denn beim Verlust eines Schlüssels gibt es keinen Cent. Auch das mit 51,04 Euro eigentlich günstige PrivatSparangebot der NV und 17 weitere Angebote decken dieses Risiko nicht ab. Der Kunde müsste bei diesen Anbietern auf teurere Tarife ausweichen. Einige Unternehmen sichern das Schlüssel-­Risiko aber überdurchschnittlich gut ab; bei ihnen beträgt die Deckungssumme bis zu 30 000 Euro und mehr. Und bei vier Anbietern ist auch der Verlust des Schlüssels fürs Büro oder einen anderen Arbeitsort im Versicherungsschutz enthalten.

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