20.08.2012

Pink University: Nichts als Vorträge

Pink University Special

Lernen per Video: Das ist das Konzept der Internetplattform Pink University. test.de hat sich das Angebot angeschaut. Ergebnis: Was modern klingt, ist beim genauen Hinsehen eher altmodisch und wird dem Medium Internet nicht gerecht.

Neun Seminare im Test

Pink University ist ein Portal im Internet, das Videos zur beruflichen und persönlichen Weiterbildung vertreibt. Themenbereiche sind zurzeit Beruf, Führung, Verkaufen, Software, Familie, Gesundheit und Freizeit. test.de hat exemplarisch neun Seminare aus den Themenbereichen Beruf, Führung und Verkaufen geprüft.

Diese Videoseminare waren im Schnelltest:

Buchautoren vor der Kamera

Die Initiatoren setzen laut eigener Aussage auf „die Urform des Lernens: Die mündliche Wissens-Weitergabe von Angesicht zu Angesicht“. Für die von uns geprüften Seminare heißt das: Wer ein Video abspielt, hört und sieht einen Vortrag. Als Dozenten treten vor allem Autoren von Ratgeberliteratur vor die Kamera, zum Beispiel Lothar Seiwert (Zeitmanagement), Martin Wehrle (Gehaltsverhandlungen) oder Angelika Gulder (Berufsfindung).

Kurze Kurse, längere Seminare

Kunden können bei den Videos meist zwischen „Kursen“ oder „Seminaren“ wählen. Kurse dauern jeweils nur etwa zehn Minuten. Sie behandeln einen Aspekt eines Themas, sind aber in sich abgeschlossene Lerneinheiten. Seminare bestehen aus acht bis zwölf Kursen und behandeln damit ein Thema umfassender. So beinhaltet zum Beispiel das Seminar „Business-Etikette“ unter anderem die Kurse „Erstklassige Tischmanieren“ und „Die korrekte Anrede“. Sie dauern etwa ein bis zwei Stunden. Die Preise haben sich während der Prüfphase verändert. Für die von uns geprüften Kurse liegen sie zurzeit zwischen 3,90 und 9,90 Euro, für die Seminare zwischen 24,90 und 79,90 Euro.

Inhalte meist okay

Inhaltlich gibt es meist eher wenig auszusetzen. Die Video-Vorträge sind überwiegend informativ, interessant, verständlich formuliert und auf dem aktuellen Stand – so wie man es von einem guten Ratgeber erwartet. Die Zuschauer bekommen viele Tipps.

Schwächen bei der Didaktik

Schwach ist das didaktische Konzept. „Zuschauen, zuhören und praktisch üben“, lautet das Prinzip der Pink University. Doch mehr als Zuschauen und Zuhören wird von den Lernenden nicht verlangt. Praktische Übungen? Fehlanzeige. Nur wenige Dozenten regen gelegentlich dazu an, selbst aktiv zu werden. So bittet zum Beispiel Michael Rossié im Seminar Überzeugend Reden den Zuschauer, das Band mal kurz anzuhalten und sich einem imaginären Publikum vorzustellen.

Keine Tipps zum Weiterlernen

Wie die Zuschauer das Gelernte in die Praxis umsetzen sollen, bleibt ihnen überlassen: Es gibt keine abschließenden Aufgabenstellungen, die das Gelernte überprüfen und keine Tipps zum Weiterlernen nach dem Kurs. Für die Nachbereitung stehen fast immer Zusammenfassungen („Arbeitsmaterialien“) im PDF-Format zum Download bereit. Allerdings sind sie meist nur sehr kurz. Möglichkeiten mit anderen Kunden oder mit den Dozenten in Kontakt zu treten und gemeinsam zu lernen, zum Beispiel über Foren oder in Chats, existieren nicht.

Dozenten mal mehr, mal weniger professionell

Einige Dozenten agieren sehr professionell vor der Kamera wie Michael Rossié (Überzeugend Reden) und Elisabeth Bonneau (Business-Etikette). Andere übertreiben bei Mimik und Gestik oder wiederholen sich oft. Teilweise wirken die Vorträge einstudiert. Eintönig ist auf Dauer auch das Setting: Die Seminare finden in einem weißen Studio mit verschiedenen Sitzgelegenheiten, Kuben und Säulen statt.

Die Bedienung ist einfach

Positiv: Vor dem Kauf ist ein kurzer Einblick in jedes Video möglich. Nach der Buchung stehen Kurs oder Seminar – wie versprochen – sofort zum Ansehen bereit. Preise und Bezahlmodalitäten werden klar benannt. Die Bedienung ist einfach. Wer ein Video gekauft hat, kann es in seiner „Bibliothek“ bei der Pink University speichern und immer wieder abrufen. Die Vertragsbedingungen, die ein Rechtsgutachter geprüft hat, sind in Ordnung.

Wachsendes Angebot

Die Pink University wächst und erweitert ihr Spektrum ständig. Seit kurzem gehören auch Software-Seminare zum Angebot, zum Beispiel zu Microsoft-Office-Programmen wie Word, Excel und PowerPoint. Das Konzept ist ähnlich: Die Dozenten sind im Video allerdings nur zu hören und nicht zu sehen. Auf dem Bildschirm wird die Benutzeroberfläche der jeweiligen Programme gezeigt, die aus dem Off kommentiert und bedient wird. Praktische Übungen gibt es auch hier nicht. Die Videos sind Übernahmen des österreichischen Unternehmens video2brain und nicht von Pink University produziert.

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