12.11.2010

Pfle­gestütz­punkte: Nur jeder dritte berät gut

Pflegestützpunkte Test

Muss ich ins Heim? Oder kann ich zu Hause bleiben? Welche Hilfen gibt es dann? Pflege­stütz­punkte sollen Betroffene individuell beraten. Die Stiftung Warentest prüfte erst­mals die fach­liche Qualität und den Service dieser Einrichtungen, eine pro Bundes­land. Nur jede dritte schnitt gut ab.

Pilotpflegestützpunkte 11/2010

  • Bremen Bremen
  • Denkendorf Baden-Württemberg
  • Erkner Brandenburg
  • Flensburg Schleswig-Holstein
  • Friedrichshain-Kreuzberg Berlin
  • Gladenbach Hessen
  • Hamburg-Mitte Hamburg
  • Hettstedt Sachsen-Anhalt
  • Ingelheim Rheinland-Pfalz
  • Jena Thüringen
  • Langenhagen Niedersachsen
  • Mönchengladbach Nordrhein-Westfalen
  • Nürnberg-Südstadt Bayern
  • Plauen Sachsen
  • St. Wendel Saarland
  • Wismar Mecklenburg-Vorpommern

Pfle­gestütz­punkte sollen individuell beraten

Besonders Menschen über 80 Jahre sind häufig auf Hilfe angewiesen: Jeder Fünfte erhält Mittel aus der Pflege­ver­sicherung. Durch das Pflegereformgesetz 2008 haben Empfänger und Antrag­steller von Pflege­leistungen seit 2009 einen Rechts­anspruch auf umfassende Beratung. Diesen können sie in Pfle­gestütz­punkten wahr­nehmen, die in fast allen Bundes­ländern aufgebaut werden. Die Einrichtungen sollen allen Pflege­versicherten helfen, Lösungen zu finden, um solange wie möglich zuhause wohnen zu können. Sie sollen aber auch Rat geben, wenn es um die Suche nach dem richtigen Heim geht und eine erste Anlauf­stelle bei plötzlicher oder sich anbahnender Pflege­bedürftig­keit sein. Inzwischen gibt es bundes­weit über 300 Pfle­gestütz­punkte. Im Test waren 15 der zuerst aufgebauten Pilot­pflege­stütz­punkte und ein regulärer Pflege­stütz­punkt – einer aus jedem Bundes­land.

Testsieger aus Berlin

Mit Abstand am besten im Test: der Pilot­pfle­gestütz­punkt Friedrichs­hain-Kreuz­berg in Berlin. Er über­zeugte als einziger durch eine gute fachliche Qualität und bekam die Gesamt­note 2,1. Vier weitere Pilot­pfle­gestütz­punkte erzielten ein Gut: Denken­dorf in Baden-Württem­berg, Erkner in Brandenburg, Hamburg-Mitte und St. Wedel im Saar­land. Damit ist nur jeder dritte getestete Pfle­gestütz­punkt gut. Von den übrigen bekamen zehn die Gesamt­note Befriedigend, einer ein Ausreichend. Siehe Tabelle "Ergeb­nisse Kompakt".

Grund­sätzliche Stärken und Schwächen

Der Test zeigt also deutliche Qualitäts­unterschiede zwischen den einzelnen Beratungs­stellen. Er offen­bart aber auch grund­sätzliche Stärken und Schwächen:

  • Positiv. Die meisten Einrichtungen boten einen guten Kunden­service . Zudem gaben die Mitarbeiter in der Regel engagiert, fach­kundig und verständlich Auskunft zu Leistungen der Pflege­versicherung.
  • Negativ. Häufig blieb die Ausgangs­situation der zu pflegenden Person ungeklärt, insbesondere das Wohn- und das soziale Umfeld. Dabei ist das die Grund­voraus­setzung, um passende Leistungen und Hilfen ableiten zu können. Zudem haperte es allzu oft bei weiterführenden Hilfen. So informierten viele Berater nicht umfassend zu den Angeboten vor Ort, zum Beispiel zum „Essen auf Rädern“ oder zu Beratungs­stellen zur Wohn­raum­anpassung. Und wer unzufrieden mit Pflege­leistungen war, bekam kaum konkrete Ratschläge.
  • Fazit. Es gab nur in wenigen Fällen eine „umfassende Beratung“, wie sie der Gesetz­geber vorsieht. Es besteht noch fachlicher und metho­discher Qualifikations­bedarf, um dem Anspruch der „Beratung aus einer Hand“ gerecht zu werden.
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