17.05.2005

Pflegeheim: Kosten teilen

Pflegeheim Meldung
Zahlen nahe Angehörige für das ­Pflegeheim, können sie einen Teil ihrer Ausgaben in der Steuererklärung ­geltend machen. Das bringt ­ihnen oft einige hundert Euro Steuern zurück.

Spezielle Pflege kostet sehr viel Geld. Wer die Steuerregeln kennt, kann das Finanzamt mit zur Kasse bitten.

Ein Platz im Pflegeheim ist teuer. In der höchsten Pflegestufe kostet er im Monat 3 000 Euro und mehr. Angehörige, die dafür mit aufkommen müssen, können ihre Ausgaben an das Finanzamt weiter­reichen und einen Teil zurückholen.

Alles zählt in Grenzen

Das will auch Marcus Timm aus unserer Beispielrechnung tun (siehe Fall 1 in „Zuschuss fürs Heim“). Sein Vater wird im Pflegeheim in Pflegestufe II betreut. Im Jahr 2004 hat der Sohn jeden Monat 1 183,50 Euro an das Pflegeheim bezahlt, im Jahr 14 202 Euro.

Das Finanzamt hakt solche Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen ab, wenn sie für nahe Angehörige wie Eltern, Großeltern oder Kinder anfallen, die wegen Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Behinderung im Heim leben.

Inzwischen zählen sämtliche Heimkosten. Früher lehnte die Finanzverwaltung die Unterkunftskosten ab. Doch sie hat eingelenkt, seit der Bundesfinanzhof ein Machtwort gesprochen hat.

Jetzt zählen alle Kosten, etwa die für ­medizinische Leistungen, für besondere und allgemeine Pflege und auch die für die Unterkunft. Allerdings werden die Ausgaben nur in Grenzen unter gewissen ­Bedingungen anerkannt.

Wenn die Rente nicht reicht

Zuerst prüft das Finanzamt, ob der pflegebedürftige Vater von Marcus Timm selber für Heim- und Pflegekosten aufkommen könnte und ob sein Vermögen den Wert von 15 500 Euro übersteigt.

Vater Timm hat weder Vermögen noch viel Rente. Er bekommt nur 500 Euro Rente im Monat. Deshalb kann der Sohn einen Teil der Heimkosten, die er bezahlt, sogar als Unterhalt geltend machen. 2 586 Euro kann der Sohn dafür in seiner Steuererklärung eintragen (Mantelbogen, Seite 4, ab Zeile 106).

Hat der Vater eigene Einkünfte und Bezüge von mehr als 8 304 Euro (7 680 Euro Unterhaltshöchstbetrag + 624 Euro Freibetrag) im Jahr, scheidet der Unterhaltsabzug aus. Die Heimkosten zählen dann, nach Abzug der zumutbaren Belastung, nur als außergewöhnliche Belastungen.

Zumutbare Belastung

Marcus Timm zahlt weitaus mehr Heimkosten, als das Finanzamt als Unterhalt billigt. Den Rest will er als allgemeine außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Die Beamten ermitteln zunächst, wie viel sie höchstens anerkennen können.

Von den 34 000 Euro Heimkosten im Jahr gehen die Leistungen der Pflegeversicherung ab. Auch die Rente des Vaters zählt bis auf einen Betrag für den persönlichen Bedarf von jährlich 1 550 Euro mit.

Obwohl der Vater gar nicht so viel Einnahmen hat, ziehen die Beamten mindestens 7 680 Euro im Jahr ab (640 Euro pro Monat, 21,33 Euro pro Tag). Dieser ­Betrag gilt als Haushaltsersparnis, weil Heimbewohner ohne eigenen Haushalt Verpflegungs- und Wohnkosten sparen.

Am Ende kann Marcus Timm neben dem Unterhalt noch 10 972 Euro in seiner Steuererklärung angeben (Mantelbogen, Zeilen 116 bis 120).

Davon muss er 2 500 Euro als zumutbare Belastung selbst tragen. Das entspricht 6 Prozent seiner anzurechnenden Einkünfte von 41 667 Euro. Der Eigenanteil richtet sich nach Familienstand und Gesamtbetrag der Einkünfte.

Inklusive des Abzugs für den Unterhalt kommt der Sohn auf eine Steuerersparnis von 3 870 Euro. Somit zahlt er statt 14 202 Euro nur 10 332 Euro Heimkosten.

Der Sohn könnte auch dann die Heimkosten geltend machen, wenn sein Vater im normalen Altersheim wäre und pflegebedürftig würde. Das ist möglich, sobald der Vater mindestens in Pflegestufe I eingestuft wird. Ist der Vater aber nur aus ­Altersgründen im Heim, kann der Sohn höchstens den Unterhalt abziehen.

Abzüge auch für Pflegebedürftige

Auch Heimbewohner selbst können ihre Kosten beim Finanzamt einreichen, wenn sie Steuern zahlen (siehe Checkliste).

Leben sie nur wegen ihres Alters ohne ­eine Pflegestufe im Heim, akzeptiert das Finanzamt bis zu 624 Euro Ausgaben im Jahr für Dienstleistungen wie Reinigung des Zimmers und der Wäsche sowie Zubereitung der Verpflegung.

Diese Vergünstigung entspricht dem Abzugsbetrag für eine Haushaltshilfe zu Hause. Kommen krankheitsbedingte Pflegekosten hinzu, erhöhen sich die Abzugsbeträge und somit die Steuerersparnis.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Checkliste

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