08.05.2009

Pflege zu Hause: Vermittlungsagenturen im Test

Pflege zu Hause Test

Sie pflegen Kranke und betreuen alte Menschen zu Hause: Pflegerinnen aus Osteuropa. Ohne ihre Hilfe hätten viele Familien in Deutsch­land ein Problem. Agenturen vermitteln den Kontakt. Nicht immer legal. test.de sagt, welche Agenturen gut beraten und was Familien wissen müssen.

24-Stunden-Betreuung ab 1 200 Euro

Pflegekräfte aus Osteuropa sind inzwischen ein fester Bestandteil des deutschen Pflegealltags. Rund 100 000 Pflegerinnen aus EU-Beitrittsländern wie Polen, Tschechien und der Slowakei arbeiten zurzeit in Deutschland. Sie wohnen bei alten Menschen und pflegen sie zu Hause. Die 24-Stunden-Betreuung kostet etwa 1 200 bis 2 500 Euro im Monat. Plus freie Kost und Logis.

17 Anbieter im Test

Die Pflegebedürftigen können in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Das kommt den Menschen näher. Sie haben einen Ansprechpartner - rund um die Uhr. Ambulante Pflegedienste bieten das nur selten. Eine 24-Stunden-Betreuung wäre hier einfach zu teuer. Viele Familien setzen deshalb auf preiswerte Kräfte aus Osteuropa. Private Agenturen vermitteln den Kontakt. Die Stiftung Warentest hat 17 solcher Agenturen getestet. Ergebnis: Die Personalsuche funktioniert zufriedenstellend. Mit dem geltenden Recht nehmen es einige Vermittler dagegen nicht so genau. Die Tester fanden sogar Anzeichen für illegal vermittelte Pflegerinnen. Andere Vermittler bemühen sich um Legalität. Rechtlich bedenkliche Aussagen entdeckten die Tester aber auch hier.

Arbeitsmarkt nicht offen

Die Vermittlung von ausländischen Betreuerinnen ist nicht ohne. Wer eine Pflegerin aus Polen, Tschechien oder der Slowakei beschäftigt, kann sich sogar strafbar machen. Die Frauen dürfen in Deutschland nicht angestellt werden. Der deutsche Arbeitsmarkt ist für Staatsbürger aus den östlichen EU-Beitrittsländern noch gesperrt. Voraussichtlich bis 2011. Private Arbeitsverträge sind nur mit Haushaltshilfen zulässig, die von der Bundesagentur für Arbeit vermittelt werden. Haushaltshilfen dürfen Putzen, Wäschewaschen und Kochen. Pflegen dürfen sie nicht. Wundverbände und Medikamentengabe sind ihnen verboten.

Privat geht nicht

Arbeiten die Pflegerinnen aus Osteuropa privat organisiert, gilt das in Deutschland als Schwarzarbeit. Direkte Arbeitsverträge mit ausländischen Helfern sind illegal. Auch, wenn sich die Frauen zuvor beim Finanzamt melden und als selbstständige Pflegerinnen auftreten. Doch es gibt einen Ausweg: die Dienstleistungsfreiheit. Firmen und Selbstständige aus Osteuropa dürfen ihre Dienstleistung nach EU-Recht in allen Ländern der EU anbieten. Voraussetzung: Sie zahlen Sozialversicherung im Heimatland und weisen dies durch eine so genannte Entsende­bescheinigung nach. Dann dürfen sie ihre Dienste in Deutschland anbieten. Bis zu zwölf Monate lang.

Agentur vermittelt nur

Die Agenturen in Deutschland vermitteln den Kontakt: zu Entsendefirmen oder selbstständigen Pflegerinnen im Ausland. Mit der Pflege selbst hat die Vermittlungs­agentur nichts zu tun. Darf sie auch nicht. Das wäre ein Verstoß gegen das Entsenderecht. Den Vertrag über die Pflege­dienst­leistung dürfen deutsche Familien nur mit dem Entsende­unternehmen im Ausland oder mit der selbstständigen Pflegerin im Ausland schließen. Pflegerinnen, die beim Entsende­unternehmen angestellt sind, unterliegen dem Weisungsrecht der Entsendefirma, nicht dem der Familie. Es gelten die deutschen Gesetze für Arbeitszeit, Ruhezeit und Urlaub.

Problem mit der Unterkunft

Mit einer selbstständigen Pflegerin kann die Familie die Pflegeleistungen direkt abstimmen. Dafür gibt es ein anderes Problem: Selbstständige Pflegerinnen dürfen nach allgemeiner Rechts­auffassung nicht im Haushalt des Auftraggebers wohnen. Freie Kost und Logis wären schon ein Hinweis auf Schein­selbst­ständigkeit. Dann bestünde ein Arbeitgeber- Arbeitnehmer-Verhältnis. Mögliche Folge: Anzeige, Verurteilung und Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen.

Bestenfalls befriedigend

Keine der Agenturen informierte die Kunden im Test angemessen über diese schwierige Gemengelage. Rechtsaufklärung und Rechtsumsetzung sind bestenfalls befriedigend. Drei Anbieter punkten aber im Prüfpunkt Bedarfsanalyse und Personal: ActioVita, B&B Seniorenbetreuung und pflege zuhause. Sie analysieren den Pflegebedarf im Einzelfall und schlagen passendes Personal vor. Bei ActioVita sind auch die Kosten hinreichend transparent, der Service ist befriedigend, die Rechtsaufklärung aber nur ausreichend. Immerhin: Das Unternehmen vermittelt den Kontakt zur Entsendefirma im Ausland. Das hilft bei der Auswahl der Pflegekraft. Auch ihrepflege.eu und Provitea human24h nennen ihre Partner im Ausland. Andere Vermittlungsagenturen mauern hier eher.

Familien zufrieden

Für deutsche Familien bleibt die Suche nach einer 24-Stunden-Betreuung deshalb schwer. Auch rechtlich. Der Lebensabend in den eigenen vier Wänden ist vielen wichtig. Pflegerinnen aus Osteuropa ermöglichen ihn. Jetzt ist der Staat gefragt. Der Gesetzgeber könnte klare Voraussetzungen schaffen: Für eine legale 24-Stunden-Betreuung im privaten Haushalt. Mit den Pflegerinnen aus Osteuropa sind die Familien meist zufrieden. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung. Viele Familien kombinieren die Hilfe der ausländischen Pflegerin mit einem ambulanten deutschen Pflegedienst. Die Tipps zeigen, was beim Thema 24-Stunden-Betreuung zu beachten ist.

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