Gibt es die Liebe auf den ersten Klick? Wir haben 16 Internet-Singlebörsen und -Partnervermittlungen getestet und uns bei sieben klassischen Agenturen beraten lassen.
Die Bestsellerautorin Susanne Fröhlich („Moppel-Ich“) ist wohl die erfolgreichste Kuppelfee Deutschlands. Schon seit 17 Jahren moderiert sie das „hr3 Ausgehspiel“, eine wöchentliche Radioshow des Hessischen Rundfunks, die einsame Herzen zueinander bringen will. Rund 30 Paare, so Fröhlich in einer Frauenzeitschrift, verkuppele sie pro Jahr. Zur Hochzeit sei sie allerdings nur selten eingeladen. Die meisten trauten sich das nicht. „Wahrscheinlich befürchten sie, ich würde ihnen das Buffet leer futtern.“
„Schwer Vermittelbare“, wie Susanne Fröhlich ihre Hörer liebevoll nennt, gibt es natürlich nicht nur in Hessen. Rund fünf Millionen Singles sollen in Deutschland laut Online-Dating-Report auf Partnersuche sein. Die klassische Art des Kennenlernens, zum Beispiel in der Diskothek, auf einer Party oder am Arbeitsplatz, scheint allerdings nicht mehr so gut zu funktionieren. Immer mehr Liebebedürftige suchen Vermittlungshilfe – am häufigsten im Internet.
Für jeden Topf ein Deckel
Egal ob hetero, homo oder bi: Im elektronischen Kontakthof gibt es für jeden etwas. Die Palette reicht von simplen Seiten mit Kontaktanzeigen über seriöse Datingportale und Partnervermittlungen bis zu oft zwielichtigen Seitensprung- oder „Osteuropa“-Agenturen. Bei vielen der rund 2 500 Datinganbieter, die es im deutschsprachigen Netz geben soll, ist Vorsicht angeraten. Statt der großen Liebe lauert da wohl eher die große Abzocke.
Wir haben 14 bekannte Singlebörsen und zwei Partnervermittlungen getestet, die einen Großteil des Marktes abdecken. Beide Varianten unterscheiden sich in der Arbeitsweise. Während die Mitglieder der Partnervermittlungen nach einem Persönlichkeitstest passende Partnervorschläge erhalten, steht bei den Singlebörsen die eigene Suche im Vordergrund. Hier geht es auch nicht primär um den Partner fürs Leben, sondern mehr ums Flirten, Spaßhaben und das Kennenlernen neuer Freunde.
Mitglieder von Singlebörsen sind meist jünger als die der Partnervermittlungen. Das im Schnitt jüngste Publikum tummelt sich bei iLove und my Flirt. Parship vermittelt dagegen eher reifere Singles. Bei Neu.de soll das Durchschnittsalter in den letzten drei Jahren deutlich gesunken sein. Als Konsequenz wurde jüngst ein Portal für die Generation 30-Plus eröffnet, zu finden unter www.partner.de.
Die Partnervermittlung per Internet hat gegenüber der klassischen Variante gewichtige Vorteile: Sie ist billiger, die Auswahl wesentlich größer und der Nutzer kann selbst aktiv werden. Letzteres liegt aber nicht jedem. Wer auf persönliche Beratung und Betreuung Wert legt und wirklich vermittelt werden will, der ist bei einem herkömmlichen Partnervermittlungsinstitut vielleicht besser aufgehoben. Die sind in der Regel allerdings extrem teuer und, so unsere bisherige Testerfahrung, wenig Erfolg versprechend. Diesmal haben wir die Beratung von sieben großen Instituten untersucht.
Geschönte Zahlen
Partnerbörsen gehören zu den beliebtesten Seiten im Internet. Dennoch dürften die Mitgliederzahlen, mit denen die Betreiber protzen, deutlich geschönt sein. So soll die Zahl der registrierten Singles laut Online-Dating-Report von 6,9 Millionen im Dezember 2002 nur zwei Jahre später auf 13,9 Millionen angewachsen sein. Die uns genannten Zahlen sind noch höher. So wollen allein die 16 getesteten Anbieter zusammen knapp 17 Millionen Mitglieder haben. Selbst wenn man berücksichtigt, dass sich viele bei mehreren Börsen anmelden und etliche „Karteileichen“ mitgezählt werden, erscheinen die Zahlen viel zu hoch.
Zweifelhafte Methoden
Onlinedating ist ein Wachstumsmarkt, in dem viele verdienen wollen. Mitunter mit zweifelhaften Methoden. Um Interessenten hohe Mitgliederzahlen vorzutäuschen, werden zum Beispiel Profile von Kündigern einfach nicht aus dem System gelöscht. So zeigen iLove und FreenetSingles Profile von Mitgliedern, die gekündigt haben, weiterhin an. Das führt gelegentlich zu skurillen Warnhinweisen der Kündiger. So fleht eine Frau: „Bitte nicht anschreiben. Ich bin nicht mehr dabei“ und eine andere hat quer über ihr Bild „Ausverkauft“ geschrieben. Und manche potenzielle Partner gibt es gar nicht. Denn einige Singlebörsen setzen Roboter oder so genannte Animateure ein, die Nachrichten an ahnungslose Mitglieder schreiben. Mitunter ist also nicht auszuschließen, dass der Traummann oder die Traumfrau nur ein Phantom ist.
Wir haben bei diesem Test 19 echte Singles eingesetzt, die jeweils sechs Monate lang bei zwei bis vier Börsen nach ihrem Traumpartner suchen sollten. Zum anderen wurde bei allen ausgewählten Anbietern an drei Terminen mithilfe von identischen Profilen von einer Frau und einem Mann standardisiert nach passenden Partnerangeboten gesucht.
Die Ergebnisse sind ernüchternd. Dies natürlich nicht deshalb, weil nach einem halben Jahr Onlinedating lediglich bei zwei Testpersonen die zarten Grundlagen für eine dauerhafte Bindung geschaffen werden konnten. Nein, Liebe ist als objektives Testkriterium einfach völlig ungeeignet. Dass es bei den meisten nicht „gefunkt“ hat, kann man den Partnerbörsen kaum anlasten. Was wir aber bewerten konnten, war die Handhabung der Börsen, die Vertragsabwicklung und die Passgenauigkeit der Partnerangebote, die entweder vom System vorgeschlagen oder von unseren Testern nach ihren Kriterien gefunden wurden. Denn Kontaktmöglichkeiten gibt es genügend. Viele Partnerbörsen arbeiten nach der Devise „Masse statt Klasse“. Sie bombardieren die Teilnehmer mit einer Vielzahl offenbar wahllos zusammengewürfelter Partnervorschläge. Teilweise stimmen weder das gewünschte Alter noch der Wohnort. Mit dem üppigen Angebot wollen die Börsen wohl diejenigen ködern, die erst einmal kostenlos schnuppern. Das ist bei fast allen Anbietern möglich. Viel nützt es allerdings nicht. Wer wirklich Kontakte knüpfen will, muss meist zahlen. Kostenlos sind nur Finya.de und Single.de, die sich durch Werbung finanzieren. Fünf weitere Singlebörsen sind für Frauen gratis. Das günstigste Angebot für Männer macht Love@Lycos mit 4,90 Euro für einen Monat und 9,90 Euro für drei Monate. Am teuersten ist Meetic mit 29,45 beziehungsweise 59,85 Euro.
Bei den Partnervermittlungen müssen alle zahlen – und zwar mehr als bei den Singlebörsen. Parship bietet nur eine halbjährige Mitgliedschaft für 179 Euro. Dafür wird ein ausführlicher Persönlichkeitstest durchgeführt, der Grundlage für das „Matching“ ist. Das heißt, per Feinabgleich durch den Computer werden passende Partner ausgewählt und vorgeschlagen. Eine Erfolgsgarantie ist damit nicht verbunden, die Tester fanden das Verfahren aber seriös. Der Parship-Werbung kann man übrigens kaum entgehen. Der zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehörende Anbieter kooperiert in Deutschland mit über 70 Medienpartnern.
Die Schweizer Partnervermittlung be2 arbeitet ähnlich. Sie ist etwas billiger als Parship und akzeptiert auch Monats- und Vierteljahresverträge. Die Partnerangebote waren im Test aber selbst bei einer Laufzeit von einem halben Jahr etwas enttäuschend. Bei den Singlebörsen ist die eigene Suche für registrierte Teilnehmer oft wesentlich erfolgreicher. Am besten haben den Testern die detaillierten Suchmöglichkeiten bei Match.com, Meetic und Yahoo! Dating gefallen.
Kein automatisches Ende bei iLove
Bei der Bezahlung geht iLove eigene Wege. In der Regel werden hier 4,99 Euro pro Woche über die Mobilfunkrechnung abgebucht. Der Vertrag ist unbefristet und verlängert sich jeweils um einen Abrechnungszeitraum, wenn nicht rechtzeitig gekündigt wird. Besser ist es, wenn die Mitgliedschaft wie bei anderen Anbietern automatisch endet.
Wenig Gutes ergab die juristische Prüfung der allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Alle Anbieter benutzen Klauseln, die nicht erlaubt sind und den Verbraucher benachteiligen. Während wir bei Yahoo! Dating, Neu.de und Finya.de relativ wenige Verstöße fanden, mussten wir die AGB von GermanFriendfinder wegen Intransparenz mit „mangelhaft“ bewerten. Obwohl das gesamte Angebot in deutscher Sprache abgefasst ist, gibt es die AGB nur in Englisch. Darin wird zum Beispiel festgelegt, dass im Streitfall ein Schiedsgericht in Santa Clara County in Kalifornien angerufen werden muss.
Mit unzulässigen Klauseln in den AGB hat sich Meetic um ein „gutes“ Qualitätsurteil gebracht. Die Singlebörse bietet guten Service und hat es eigentlich nicht nötig, Verbraucherrechte einzuschränken.
Verstöße gegen den Datenschutz
Schwerwiegend sind Verstöße gegen den Datenschutz. Nach dem Teledienstedatenschutzgesetz dürfen personenbe-
zogene Daten zum Beispiel für Werbezwecke nur dann verwendet werden, wenn der Nutzer ausdrücklich einwilligt. FriendScout 24, Parship und be2 räumen sich das Recht dazu einfach per AGB-Klausel ein. Das ist nicht erlaubt. Beanstandet haben wir darüber hinaus unter anderem unzulässige Preisänderungsklauseln sowie Klauseln, die pauschale oder unzumutbare Änderungen des Services vorsehen. Bei immerhin sieben Anbietern fanden wir deutliche Verstöße gegen das AGB-Recht.
„Das romantische Liebesideal ist das höchste aller unlösbaren Paradoxien“, heißt es in einer Studie des Zukunftsforschers Mathias Horx (www.zukunftsinstitut.de). Die nüchterne Partnervermittlung werde an Bedeutung gewinnen. Da gemeinsame Interessen das beste Rezept für eine erfolgreiche Partnerschaft seien, biete sich das Internet als verlässliches Sortierwerkzeug an, frei nach dem Motto: „Selektieren, Annähern, Freischalten“.
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