29.08.2012

Organspendeausweis: Organspende: Das sollte jeder wissen

Organspendeausweis Special

Deutsche Ärzte sind im Verdacht, eigene Pa­ti­en­ten durch Manipu­la­tion­en bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt zu haben. Die Bundesärztekammer gibt jetzt zudem bekannt, dass bei der Organvergabe auch in weiteren Fällen Wartelisten nicht beachtet wurden. Viele Menschen fragen sich: Ist es noch sinnvoll, einen Organspendeausweis auszufüllen? Finanztest hat aufgeschrieben, was wichtig ist rund um die Organspende.

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Special Organspendeausweis finanztest 09/2012
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Skandal um Spenderorgane erschüttert Vertrauen

An den Universitätskliniken in Göttingen und Regensburg haben Ärzte offenbar die Wartelisten für Organempfänger manipuliert und so ihre Patienten bevorzugt. Das Vertrauen in die Organspende und Transplantation scheint erschüttert. In mehreren Fällen haben Angehörige, die für einen sterbenden Menschen zur Organspende entscheiden mussten, die Organentnahme mit Hinweis auf die Vorfälle in Göttingen und Regensburg abgelehnt. Das berichtet die Deutsche Stiftung Organtransplantation, die Organentnahmen in Deutschland koordiniert.

[Update 29.08.]: Bundesärztekammer zählt 119 Vorfälle

Die Prüfungskommission der Bundesärztekammer hat 119 Organspende-Vorfälle seit dem Jahr 2000 dokumentiert und analysiert. Sie stellt fest: Mal haben Ärzte die Organe eigenmächtig zugeteilt, die zuständige Stiftung Eurotransplant nicht informiert oder schlicht die Rangfolge der Warteliste nicht beachtet. Einige Transplantationen schlugen fehl, weil Daten falsch übermittelt wurden. In einem Fall übersahen Ärzte offenbar, dass eine Organspenderin an Tollwut erkrankt war. Drei Empfänger starben. Nicht alle Fälle sind gravierend. Lediglich in 30 der 119 Fälle gehen die Prüfer von einem Verstoß gegen das Transplantationsgesetz aus. Seit 2000 wurden in Deutschland rund 51 000 Organe transplantiert. Die Prüfer untersuchen stichprobenartig die Zuteilung von Organen und gehen Hinweisen nach. [Update Ende]

Die Angehörigen müssen entscheiden

Vertrauen in die Organspende und deren Ablauf ist ein wichtiges Gut in der Transplantationsmedizin. Für die Entnahme von Organen kamen im Jahr 2011 gerade einmal rund 1 800 hirntote Patienten in Frage. In einem Drittel der Fälle, für rund 600 Patienten, lehnten die Angehörigen die Organspende ab. Da nur wenige Menschen einen Organspendeausweis bei sich tragen, müssen in Deutschland fast immer die Angehörigen entscheiden. Schwindet ihr Vertrauen, sinkt also sehr leicht auch die Zahl der Organspenden.

Ein knappes Gut

Das Nachsehen haben die Patienten, die auf ein Spenderorgan warten. Davon gibt es derzeit rund 11 700 Menschen in Deutschland. Vor allem Nieren oder Lebern werden gebraucht, aber auch Herzen, Lungen und Bauchspeicheldrüsen. Verläuft die Transplantation erfolgreich, kann sie einen Nierenkranken von der Dialyse befreien. Gerade Leberkranke, Lungen- und Herzpatienten bewahrt ein Spender­organ zuweilen vor dem Tod.

Organspende verändert das Sterben

Die Organspende bleibt eine sinnvolle Tat – doch sie verändert auch das Sterben. Anstatt die Maschinen abzustellen, behandeln die Intensivmediziner den hirntoten Patienten bis zur Organentnahme weiter. Die Angehörigen müssen akzeptieren, dass der vertraute Mensch, der ihnen womöglich noch lebendig erscheint, bereits hirntot ist und seinen Körper zur Organspende freigegeben. Daher sind Organentnahmen bis heute umstritten.

Zwei Mütter, ein Schicksal

Finanztest stellt zwei Mütter vor, die für ihre sterbenden Söhne zur Organspende entschieden haben – und ihre Entscheidung heute völlig unterschiedlich bewerten. Anhand ihrer Schicksale erklären die Finanztest-Autoren, wie Ärzte den Hirntod eines Menschen feststellen, wie sicher diese Diagnosen sind und wie genau eine Organspende abläuft.

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