03.01.2013

Organspende: Neue Fälle in Leipzig – Kritik an Trans­plantations­zentren

Nachdem Ärzte an den Universitäts­kliniken in Göttingen und Regens­burg die Wartelisten für Organ­empfänger manipuliert haben sollen, sind nun ähnliche Fälle am Universitäts­klinikum Leipzig bekannt geworden. Der Chef der Deutschen Stiftung Patienten­schutz, Eugen Brysch, fordert die Schließung und Verstaatlichung von Trans­plantations­zentren.

Manipulation bei der Organspende in Leipzig

In Göttingen und Regens­burg sollen Ärzte Kranken­akten gefälscht haben, um ausgewählte Patienten mit Spender­organen zu versorgen. Der Organspende-Skandal hatte im vergangenen Jahr eine Welle der Entrüstung unter Patienten und Spendern ausgelöst. Jetzt sind neue Fälle am Universitäts­klinikum in Leipzig aufgetaucht. Die Uniklinik hatte im Juli 2012 eine interne Prüfung beantragt. Auch hier kam zum Vorschein, dass manche Patienten fälsch­lich als Dialysepatienten ausgegeben wurden, um deren Chance auf eine Spenderleber zu erhöhen. Der verantwort­liche Direktor der Klinik sowie zwei Ober­ärzte sind beur­laubt worden.

Hälfte der Zentren soll geschlossen werden

Nun fordert der Chef der Deutschen Stiftung Patienten­schutz, Eugen Brysch, einen Systemwandel. Noch in diesem Jahr sollte die Hälfte der 49 Trans­plantations­zentren geschlossen werden. Seine Haupt­kritik: die Zentren unterliegen keiner staatlichen Aufsicht und würden nicht ausreichend über­wacht. Daher sollten sie verstaatlicht werden. Dann würde auch die Hälfte der Zentren ausreichen, erklärt Brysch.

Unregelmäßig­keiten bei Organspende sind keine Einzel­fälle

Bislang hat die Prüfungs­kommis­sion der Bundes­ärztekammer 119 Organspende-Fälle seit dem Jahr 2000 gezählt, in denen Ungereimtheiten bei der Vergabe fest­gestellt wurden. In 30 der 119 Fälle gehen die Prüfer von einem Verstoß gegen das Trans­plantations­gesetz aus. Brysch fordert den Bundes­gesund­heits­minister Daniel Bahr auf, eine unabhängige Kommis­sion beim Bundes­gesund­heits­ministerium einzurichten. Ihr sollen kritische Ärzte, Ethiker und Juristen angehören, die nicht am Trans­plantations­system beteiligt sind und damit Geld verdienen. „Die neuen Manipulations­vorwürfe zeigen: Die Unregelmäßig­keiten im Organspende­system sind keine Einzel­fälle. Je mehr Trans­plantations­zentren die privaten Prüfungs- und Über­wachungs­kommis­sionen nach öffent­lichem Druck jetzt genauer kontrollieren, desto mehr Manipulationen kommen ans Licht,“ sagt Brysch.

Vertrauen in die Organspende erschüttert

Viele Menschen haben das Vertrauen in den recht­mäßigen Ablauf bei einer Organspende verloren und sind vom Angebot, Organe zu spenden, sogar zurück­getreten. Das berichtet die Deutsche Stiftung Organ­trans­plantation. Sie koor­diniert die Organ­entnahmen in Deutsch­land. Hier­zulande sind rund 12 000 Menschen auf eine Organspende angewiesen. Täglich sterben laut der Stiftung statistisch gesehen drei von ihnen, weil für sie nicht recht­zeitig ein passendes Organ verfügbar ist. Im Special Organspende – das sollte jeder wissen stellt Finanztest zwei Mütter vor, die sich für ihre sterbenden Söhne zur Organspende entschieden hatten – und ihre Entscheidung heute völlig unterschiedlich bewerten. Anhand ihrer Schick­sale erklären die Finanztest-Experten, wie Ärzte den Hirn­tod eines Menschen fest­stellen, wie sicher diese Diagnosen sind und wie genau eine Organspende abläuft. Dazu gibt es nützliche Informationen rund um das Thema Organspende.

Tipp: Was bei einer Entscheidung für eine spätere Organspende zu beachten ist, erklärt kurz und knapp das Gewusst Wie: Organspende.

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