Nachdem Ärzte an den Universitätskliniken in Göttingen und Regensburg die Wartelisten für Organempfänger manipuliert haben sollen, sind nun ähnliche Fälle am Universitätsklinikum Leipzig bekannt geworden. Der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert die Schließung und Verstaatlichung von Transplantationszentren.
Manipulation bei der Organspende in Leipzig
In Göttingen und Regensburg sollen Ärzte Krankenakten gefälscht haben, um ausgewählte Patienten mit Spenderorganen zu versorgen. Der Organspende-Skandal hatte im vergangenen Jahr eine Welle der Entrüstung unter Patienten und Spendern ausgelöst. Jetzt sind neue Fälle am Universitätsklinikum in Leipzig aufgetaucht. Die Uniklinik hatte im Juli 2012 eine interne Prüfung beantragt. Auch hier kam zum Vorschein, dass manche Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben wurden, um deren Chance auf eine Spenderleber zu erhöhen. Der verantwortliche Direktor der Klinik sowie zwei Oberärzte sind beurlaubt worden.
Hälfte der Zentren soll geschlossen werden
Nun fordert der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, einen Systemwandel. Noch in diesem Jahr sollte die Hälfte der 49 Transplantationszentren geschlossen werden. Seine Hauptkritik: die Zentren unterliegen keiner staatlichen Aufsicht und würden nicht ausreichend überwacht. Daher sollten sie verstaatlicht werden. Dann würde auch die Hälfte der Zentren ausreichen, erklärt Brysch.
Unregelmäßigkeiten bei Organspende sind keine Einzelfälle
Bislang hat die Prüfungskommission der Bundesärztekammer 119 Organspende-Fälle seit dem Jahr 2000 gezählt, in denen Ungereimtheiten bei der Vergabe festgestellt wurden. In 30 der 119 Fälle gehen die Prüfer von einem Verstoß gegen das Transplantationsgesetz aus. Brysch fordert den Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf, eine unabhängige Kommission beim Bundesgesundheitsministerium einzurichten. Ihr sollen kritische Ärzte, Ethiker und Juristen angehören, die nicht am Transplantationssystem beteiligt sind und damit Geld verdienen. „Die neuen Manipulationsvorwürfe zeigen: Die Unregelmäßigkeiten im Organspendesystem sind keine Einzelfälle. Je mehr Transplantationszentren die privaten Prüfungs- und Überwachungskommissionen nach öffentlichem Druck jetzt genauer kontrollieren, desto mehr Manipulationen kommen ans Licht,“ sagt Brysch.
Vertrauen in die Organspende erschüttert
Viele Menschen haben das Vertrauen in den rechtmäßigen Ablauf bei einer Organspende verloren und sind vom Angebot, Organe zu spenden, sogar zurückgetreten. Das berichtet die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Sie koordiniert die Organentnahmen in Deutschland. Hierzulande sind rund 12 000 Menschen auf eine Organspende angewiesen. Täglich sterben laut der Stiftung statistisch gesehen drei von ihnen, weil für sie nicht rechtzeitig ein passendes Organ verfügbar ist. Im Special Organspende – das sollte jeder wissen stellt Finanztest zwei Mütter vor, die sich für ihre sterbenden Söhne zur Organspende entschieden hatten – und ihre Entscheidung heute völlig unterschiedlich bewerten. Anhand ihrer Schicksale erklären die Finanztest-Experten, wie Ärzte den Hirntod eines Menschen feststellen, wie sicher diese Diagnosen sind und wie genau eine Organspende abläuft. Dazu gibt es nützliche Informationen rund um das Thema Organspende.
Tipp: Was bei einer Entscheidung für eine spätere Organspende zu beachten ist, erklärt kurz und knapp das Gewusst Wie: Organspende.
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