22.02.2007

Online einkaufen: Wann der Zoll zuschlägt

Online einkaufen Meldung

Digitalkameras, DVD-Rekorder, Computer, Kaffeepads, Alkohol und Zigaretten: Vieles ist im Ausland billiger. Via Internet kommen die Schnäppchen auch direkt ins Haus. Doch Vorsicht: Viele Kunden vergessen den Zoll. test sagt, worauf es ankommt.

2,19 Euro pro Kilo Kaffee

Kaffeesteuer? Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt“, ärgert sich test-Leserin Birgit Jautelat. Nichts Böses ahnend hatte sie ihre Kaffeepads bei einem Händler in Holland bestellt. Doch nun meldete sich der Zoll: Steuerhinter­ziehung, Strafverfahren. Was die Hannoveranerin nicht wusste: Jedes Kilo Röstkaffee wird in Deutschland mit 2,19 Euro besteuert, in Holland gar nicht. Jetzt heißt es nachzahlen. So wie sie sind schon Tausende Kaffeetrinker ins Visier einer Spezialabteilung des Zolls geraten, die im Internet nach Steuervergehen fahndet. Meist geht es nur um Kleinigkeiten, sodass die Verfahren häufig eingestellt werden. Der Fall zeigt jedoch: Selbst im EU-Binnenmarkt kann das Einkaufen ungeahnte Tücken haben – nicht nur bei Kaffee. Ähnliche Verbrauchssteuern erhebt der Zoll auch auf Alkohol und Zigaretten.

Keine Freigrenzen beim Versand

Und was die Sache noch verwirrender macht: Wer persönlich ins EU-Ausland reist, darf diese Waren steuerfrei einführen, solange er bestimmte Richtmengen für den privaten Verbrauch nicht überschreitet. Für den Kauf per Versand gelten diese Freigrenzen aber nicht. Immerhin sind Kaffee, Alkohol und Zigaretten die einzigen Zoll-Stolperfallen für deutsche Verbraucher, wenn sie im EU-Binnenmarkt einkaufen. Ansonsten ist innerhalb der EU generell kein Zoll fällig. Anders ist das aber bei Käufen außerhalb der EU. Da bleiben Pakete nur zollfrei, wenn ihr Wert unter 22 Euro liegt, egal ob vom Händler oder von Privatleuten gekauft. Kaffee, Tabak, Alkohol und Parfüm müssen aber auch unter 22 Euro Wert verzollt werden. Für private Geschenke liegt die zollfreie Grenze bei 45 Euro.

Der Zoll kontrolliert

Sind die Waren teurer, hilft Mogeln nicht viel: Alle Sendungen aus Nicht-EU-Staaten werden dem Zoll vorgelegt. Die Beamten sehen sich zuerst die Zollin­haltserklärung an, wo der Absender Inhalt und Wert auflisten muss. Danach wird kontrolliert: „Wir öffnen sehr viele Pakete“, berichtet Thomas Malter von der Oberfinanzdirektion Koblenz. „Das geht nach risikoorientierten Aspekten, zum Beispiel wenn Verpackung oder Gewicht nicht zum angeblichen Inhalt passen.“

Fahnder kommen zum Hausbesuch

Wird Zoll fällig, zahlt zunächst die Post. Erst später, wenn der Paketbote die Sendung überbringt, kassiert er das verauslagte Geld vom Empfänger. So läuft das immer dann, wenn die Waren mit der jeweiligen nationalen Post verschickt wurden. Hat der Händler aber stattdessen einen gewerblichen Paketdienst beauftragt, kann dieser es genauso handhaben, muss es aber nicht. Käufer sollten also vorher fragen, ob sich die Spedition um die Zollformalitäten kümmert.

Infos unter zoll.de

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Einkauf global: Wer übers Internet im Ausland bestellt, sollte Zoll und Einfuhrsteuer gleich einkalkulieren.

Die Höhe des Zolls richtet sich nach dem Warentyp. Wie viel fällig wird, ist vorab schwer herauszubekommen. Unter www.zoll.de gibt es zwar die Möglichkeit, den Zollkode der Ware zu ermitteln, nicht aber die betreffende Gebühr. Oft kommt es sehr auf die technische Ausstattung des Geräts an. Bei Digitalkameras können es 0 oder auch 12,5 Prozent sein, Computer sind meist völlig zollfrei, bei CD-Spielern sind es 9,5 Prozent, bei DVD-Spielern 13,9 Prozent, bei Textilien oft 12 Prozent. Zollfrei ist auch Software, die nicht auf CD oder DVD die Grenze überschreitet, sondern aus dem Internet heruntergeladen wird. Wer es genau wissen will, sollte beim Zoll-Infocenter nachfragen: www.zoll.de.

Manchmal kommt der Zoll ins Haus

Hat der Verkäufer fälschlich einen Warenwert unter 22 Euro angegeben, kann es teuer werden. Kleinigkeiten gelten zwar nur als Ordnungswidrigkeit, aber eventuell muss der Empfänger die Sache persönlich im Zollamt erklären. Und das kann schon mal eine Anreise von einigen Hundert Kilometern bedeuten. Bei größeren Summen oder wenn statt des deklarierten Bademantels eine Waffe im Paket liegt, können die Fahnder auch plötzlich zum Hausbesuch vor der Tür stehen.

Umsatzsteuer obendrauf

Zusätzlich zum Zoll wird „Einfuhrum­satzsteuer“ erhoben. Sie entspricht der gesetzlichen Mehrwertsteuer, für die meisten Waren also 19 Prozent. Im Gegenzug sparen Kunden, die außerhalb der EU bestellen, die Steuer im Kaufland. Sie können sich vom Laden eine Nettorechnung geben lassen und zahlen dann nur den Warenwert ohne die lokale Mehrwertsteuer. Leider lassen sich aber kleinere Firmen oft nicht darauf ein. Wer trotzdem dort bestellt, zahlt doppelt: Die gezahlte Mehrwertsteuer wird nicht auf die deutsche Einfuhrum­satzsteuer angerechnet. Dagegen gilt beim Einkauf innerhalb der EU immer die Mehrwertsteuer des Kauflandes. Die Einfuhrumsatzsteuer entfällt, außer bei Autos. Die Pakete gehen in der Regel direkt an den Empfänger, der Zoll zieht allenfalls Stichproben.

Einfuhrverbote und schwarze Liste

Daneben gibt es weitere Hürden: Einfuhrverbote. So heißt es zum Beispiel bei gefälschten Markenprodukten kurzerhand „Grenzbeschlagnahme“. Und damit nicht genug: Die Zöllner benachrichtigen auch den Inhaber der Markenrechte. Liegt im Paket aus Thailand eine gefälschte Rolex, erfährt also auch der Schweizer Luxusproduzent davon. Der Besteller bekommt dann nicht nur Ärger mit dem Zoll, sondern auch mit dem Markenrechtsinhaber: Häufig droht der eine Klage an. In der Praxis einigt man sich meist, indem der Käufer zustimmt, dass die Ware vernichtet wird. Aber das bereits bezahlte Geld ist futsch, und zusätzlich kommt noch eine Rechnung vom Firmenanwalt. Der Einwand, er habe von der Fälschung nichts gewusst, hilft dem Besteller nicht – und wohl ebenso wenig die eher theoretische Möglichkeit, Schadenersatz vom thailändischen Versender zu fordern.

Viele Fälschungen im Netz

Uhren, Fanartikel, Markenkleidung, Elektrogeräte, Parfüm, Zigaretten – das Angebot an Fälschungen im Internet ist groß. Allein in der Vorweihnachtszeit beschlagnahmten die Beamten am Frankfurter Flughafen in wenigen Wochen über 10 000 nachgemachte Apple-MP3-Spieler. Das Einfuhrverbot gilt auch für Waffen und Produkte, die gegen das Artenschutzabkommen verstoßen wie Elfenbein oder Krokodilleder. Ebenso Pornografisches, das zwar importiert werden darf, aus Jugendschutzgründen aber nur als Reisemitbringsel und nicht per Versand.

Geld weg, Ware weg

Zu allem Überfluss gibt es noch eine Art „schwarze Liste“: Einige Markenfirmen arbeiten mit einem deutschen Alleinimporteur, der sich exklusiv die Vertriebsrechte gesichert hat. Für Waren dieser Marken liegen dem Zoll Beschlagnahmeanträge vor. Die gelten zwar für den Geschäftsverkehr, doch oft ist es schwierig nachzuweisen, dass man die Sachen nur privat nutzt. Die Waren werden dann sichergestellt. In der Praxis passiert das vor allem bei Arzneimitteln oder Diätpillen aus Fernost sowie bei PC-Spielen und Filmen auf DVD. Oft steht „For sale and use only in USA“ drauf, oder es sind Kinofilme, die es in Deutschland noch gar nicht zu kaufen gibt. Für den Kunden heißt das dann: Geld weg, Ware weg.

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