11.12.2007

Online einkaufen: Auf den letzten Drücker

Online einkaufen Meldung
Lieferung innerhalb von 24 Stunden? Möglich, aber teuer.

Mit den Weihnachtseinkäufen wird es wieder eine Zitterpartie. Laut einer Umfrage der Firma ECircle kauft über die Hälfte der Deutschen die Geschenke erst, wenn das Fest vor der Tür steht. Jeder fünfte Mann lässt sich bis zum 23. Dezember Zeit. Onlineshopping sorgt für Entspannung.

So kommt alles rechtzeitig

Onlineshopping kann den Stress verringern. Und sollte das Geschenk nicht gefallen, hat der Onlinekauf Vorteile: Die Rückgaberegeln sind kundenfreundlicher als im Laden. Weihnachtsfreude kommt aber nur auf, wenn die Ware pünktlich unterm Baum liegt. Onlineauktionen wie bei ebay sind deshalb ungeeignet für Geschenke auf den letzten Drücker. Es ist schließlich ungewiss, ob man dort zum Zuge kommt und ob der Verkäufer die Ware nach erfolgreichem Bieten zügig zur Post bringt. Größere Sicherheit bietet der Kauf beim Onlinehändler. Das geht auch bei ebay über die „Sofort-kaufen-Funktion“. Ist das Angebot dort mit „Schnellversand“ gekennzeichnet, muss der ebay-Händler die Ware einen Tag nach Geldeingang per Express verschicken. Hat der Kunde am 20. Dezember gekauft und zum Beispiel mit dem Bezahlsystem Paypal sofort bezahlt, muss die Ware am 21. Dezember zum Versand und sollte am 22. Dezember da sein. Das Risiko: Schläft der Händler und ist die Ware nicht am 24. Dezember im Haus, droht doch noch Shoppingstress.

Pünktlichkeit garantieren

Mit dem Onlinehändler muss sich der Kunde mitunter zusätzlich herumärgern. Nur wenn der Händler bei ebay oder in anderen Onlineshops schreibt, dass er Pünktlichkeit garantiert, oder der Kunde vor der Bestellung deutlich sagt, dass er an einer Lieferung nach dem Termin kein Interesse hat, ist der Fall klar. Dann kann der Kunde sogar Mehrkosten geltend machen, wenn er anderswo teurer kaufen musste. Sonst kann er zumindest das Geschäft widerrufen. Er kann aber nicht sicher sein, dass der Händler nach so einer Panne auch die hohen Expressversandkosten erstattet.

Früher einkaufen

Da ist es besser, dieses Jahr ein bisschen früher als sonst einzukaufen. Denn auch wenn viele Versender gegen Aufpreis die Lieferung in 24 Stunden zusagen, kann es eng werden: Heiligabend fällt auf einen Montag. Das macht eine Bestellung am Samstag riskant.

So ist der „Weihnachtsschnelldienst“ von Quelle.de zum Beispiel nur etwas für jene, die wenigstens bis 12 Uhr am Freitag vor Heiligabend bestellen. Gegen 10 Euro Aufpreis sichert Quelle zu, dass die Ware am Samstag eintrifft.

Den richtige Onlineshop wählen

Der Einkauf bei Marktführern wie Amazon, dem Weltbildverlag, Quelle, Tchibo oder Otto läuft meist reibungslos. Bei völlig unbekannten Anbietern schauen Kunden die Homepage besser genauer an.

  • Preisangaben. Informiert der Händler nicht nur klar über den Preis, sondern auch über Steuern und Versandkosten? Diese Angaben sollten nicht versteckt sein, auch wenn sie nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs auf einer Extraseite stehen dürfen (BGH, Az. I ZR 143/04).
  • Versand. Der Händler sollte deutlich schreiben, wie schnell er die Ware auf den Weg bringt. Sofortversand muss er nicht garantieren. Kann es jedoch sein, dass die Ware erst zwei oder drei Tage nach der Bestellung rausgeht, ist ein Hinweis Pflicht.

Einen pauschalen Hinweis auf unverbindliche Lieferfristen lassen Gerichte nicht gelten. Schreibt der Händler nichts, muss er die Ware „unverzüglich“ verschicken (BGH, Az. I ZR 314/02).

Aufgepasst, wenn der Anbieter auf „unversicherten Versand“ hinweist und eine Transportversicherung verkauft. Kunden brauchen keine Versicherung. Das Risiko, dass Ware unterwegs verloren oder kaputtgeht, trägt im Onlinegeschäft der Händler. Kleingedrucktes, nachdem Käufer für die Transportrisiken haften, ist unwirksam.

  • Zahlungsart. Händler, die Vorkasse verlangen, sind nicht immer unseriös. Wer den Anbieter aber nicht kennt und sich seiner Sache nicht sicher ist, sollte Shops mit Siegeln von Zertifizierungsunternehmen wie „Trusted Shops“ bevorzugen. Käufer bei Händlern mit „Trusted Shops“-Siegel sind zum Beispiel für den Fall versichert, dass bezahlte Ware nicht kommt und der Händler nicht erneut schicken will.
  • Datensicherheit. Sind Kreditkarten- oder Kontodaten geschützt? Ob das der Fall ist, kann man an einem Schlosssymbol im Browser oder auch daran erkennen, dass die Webadresse der Eingabeseite mit „https//...“ beginnt.
  • Widerrufsrecht. Immer wenn Händler mit Verbrauchern online Geschäfte machen, müssen sie ihnen das vierzehntägige Widerrufsrecht einräumen und darauf hinweisen. Verstecken sie den Hinweis darauf oder fehlt er, ist das ein Indiz für einen unseriösen Anbieter. Händler dürfen das Widerrufsrecht auch nicht einschränken oder eine Rückgabe nur mit Verpackung zulassen. Solche Klauseln sind unzulässig.
  • Kontakt. Seriöse Händler antworten zügig auf Anfragen per Mail oder Telefon. Muss der Kunde hier lange warten, wird die Lieferung wohl auch eine Hängepartie.

Und nach Weihnachten alles retour

Gefällt die Ware nicht, sind Onlinekunden nicht auf Kulanz angewiesen. Sie können sie binnen 14 Tagen ab Lieferung zurückschicken und das Geld zurückverlangen. Wer die Versandkosten trägt, hängt vom Händler, vom Wert der Ware und auch davon ab, ob der Kunde schon bezahlt hat. In den meisten Fällen trägt der Händler die Kosten. Er darf aber regeln, dass Kunden das Rückporto zahlen müssen. Das gilt dann für eine Bestellung unter 40 Euro ohne Einschränkung. Für Ware über 40 Euro muss der Kunde das Porto nur zahlen, wenn er die Ware noch nicht bezahlt hatte. Kunden, die es dem Händler einfach machen wollen, schicken die Ware auch dann frankiert zurück, wenn sie das Porto nicht zahlen müssen. Seriöse Händler erstatten die Kosten. Nach Ansicht des Hamburger Oberlandesgerichts dürfen Kunden die Ware aber auch „unfrei“ – ohne Porto – zurücksenden (Az. 5 W 15/07).

Widerruf ausgeschlossen

Ausgeschlossen ist der Widerruf eines Onlinekaufs nur ausnahmsweise, etwa wenn die Ware nach Kundenwunsch angefertigt wurde.

Überstrapazieren dürfen Händler den Begriff „Kundenwunsch“ aber nicht. Natürlich kann ein Kunde, der sich die Bestandteile eines Notebooks auf der Homepage zusammengestellt hat, den Kauf widerrufen. Hochwertig gefertigte Tonträger („Japanpressung“), die der Händler extra im Ausland bestellen muss, sind ebenfalls nichts Individuelles, auch wenn der Aufwand für den Händler groß ist.

Anders liegt der Fall, wenn der Kunde bei einem Onlineshop Shirts mit selbstgewählten Bildern bedrucken lässt. Solche Geschäfte kann er nicht widerrufen.

Ware nur ein bischen testen

Was aber, wenn das online bestellte Geschenk am Heiligabend nicht nur ausgepackt, sondern auch genutzt wurde? Diese Faustregel hilft: „Machen Sie mit der Ware nicht mehr, als Sie damit vor dem Kauf im Laden machen würden.“ Sonst kann es sein, dass der Händler Nutzungsersatz verlangen darf. Bei einem Handy sind ein Gespräch und eine SMS zum Testen allemal in Ordnung. Auch eine kleine Proberunde mit dem neuen Fahrrad auf trockener Straße dürfte unproblematisch sein. Eine Radtour vor Rückgabe wäre dagegen mit Kosten verbunden. Vorsicht ist bei Software oder CDs geboten: Hier dürfen Händler den Widerruf schon für den Fall ausschließen, dass der Kunde das Siegel gebrochen hat.

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