15.01.2008

Online-Rechtsberatung: Nur vier Anwälte lagen richtig

Große Unterschiede in Preis und Qualität

Internetdienste für Anwaltsrat unterscheiden sich in vielen Details. Wir haben wesentliche Merkmale einiger Dienste notiert und aufgeschrieben, wie der Rat in unserer Stichprobe ausfiel.

frag-einen-anwalt.de

Ratsuchende können ihre Frage und den Preis einstellen, den sie für eine Antwort zahlen wollen. Ist ein Anwalt einverstanden, veröffentlicht er die Antwort. Sein Rat und ein Kurzprofil des Anwalts sind dann für alle Besucher der Seite zu sehen.

Der Anwalt kann nichts zurücknehmen und den Rat lediglich ergänzen. Weil der Ratschlag öffentlich ist, kann er auch für andere hilfreich sein – ohne Kosten. Da andere Experten die Antworten lesen können, dürfte das System die Anwälte zu besonderer Sorgfalt zwingen.

Stichprobe. Eine korrekte Antwort für 26 Euro kam hier nach einer Stunde mit nützlichen Hinweisen über die Fragestellung hinaus. Die Registrierung bereitete kein Problem, der Betrag wurde per Lastschrift abgebucht. Kreditkartenzahlung wäre auch möglich gewesen.

answer24.de

Auch hier bestimmt der Kunde den Preis. Die Antwort kann allein der Fragsteller lesen, nachdem er bezahlt hat. Der Anwalt kann sie ihm auch schon früher freigeben. Die Berater stellen sich auf den Seiten im Kurzprofil dar. Nutzer können sie direkt ansprechen oder offenlassen, wer antworten soll. Hilfreich können die Bewertungen sein, die andere Fragsteller bereits abgegeben haben.

Der Dienst bietet nach demselben Prinzip auch psychologische Hilfe und steuerrechtlichen Rat sowie Unternehmensberatung an.

Stichprobe. Der Rat war nicht korrekt. Einige weiterführende Ratschläge, die der Kunde zusätzlich bekam, waren sinnvoll. Die Registrierung war einfach, der Rat kam prompt und zum Wunschpreis von 25 Euro. Er wurde sofort freigegeben, nachdem wir per Mail über die Überweisung informiert hatten.

Anwalt-Suchservice

Unter Anwalt-Onlineservice.de bekommen Kunden nach Eingabe der Frage einen Kostenvoranschlag oder wählen zwischen Standardpreisen. Für 53,55 Euro gibt es Rat innerhalb von 72 Stunden, für 83,30 Euro in 24 Stunden. Bezahlt wird per Lastschrift oder Kreditkarte. Wir haben auf der Homepage auch niedrigere, aber offenbar ungültige Preisangaben gefunden.

Stichprobe. Auch hier war der Rat nicht korrekt. Sehr ausführlich erklärte der Anwalt die Rechtsprechung zum Problem und kannte offenbar auch das einschlägige Urteil. Überraschend kam er aber zu einem falschen Ergebnis.

Die Registrierung war auch hier einfach und die Antwort kam noch am selben Tag, obwohl der Anwalt länger Zeit hatte. Kosten: 53,55 Euro.

Deutsche Anwaltshotline

Unter Deutsche-Anwaltshotline.de bekommen Kunden nach Einstellen der Frage ein Preisangebot samt Angabe der Bearbeitungsdauer. Nehmen sie es an, sollen sie in der angegebenen Frist eine Antwort erhalten. Zuvor müssen sie – wie bei fast allen Anbietern – das Rechtsgebiet der Frage über eine Liste eingrenzen. Bezahlen können sie per Lastschrift oder Kreditkarte.

Stichprobe. Der Anwalt erörterte die relevanten Aspekte des Themas, kam aber zum falschen Ergebnis. Auch hier kam die Antwort bereits kurz nach Abwicklung der übersichtlichen Anmeldung und der Fragstellung. Kosten: 75 Euro.

www.e-juristen.de

Kunden erhalten auf ihre Frage wieder zunächst einen Kostenvoranschlag und erst eine Antwort, wenn sie mit dem Preis einverstanden sind. Bezahlt wird im Anschluss an die Beratung per Überweisung. Die Rechnung kommt mit der Post.

Stichprobe. Die Seiten von e-juristen.de sind verwirrend und nach Absenden der Frage bleibt mangels Bestätigung die Unsicherheit, ob das System sie angenommen hat. Gleichwohl kam in der Stichprobe kurz darauf ein Kostenvoranschlag (71,40 Euro) und am kommenden Tag eine korrekte Antwort.

anwalt.de

Fragesteller haben hier die Wahl, ob sie die Frage allen oder nur einem bestimmten Anwalt stellen wollen. Informieren können sie sich mithilfe kurzer Porträts über die Anwälte, die jeweils nur in bestimmten Rechtsbereichen Rat erteilen.

Nach der Anfrage macht der Anwalt einen Kostenvorschlag, die Bezahlung ist per Lastschrift, Kreditkarte, Paypal oder Überweisung möglich.

Stichprobe. Den korrekten Rat gab es nach einer Stunde. Zuvor hatte der Anwalt per E-Mail eine Nachfrage gestellt. Die Antwort enthielt sinnvolle weiterführende Hinweise und kostete 49 Euro.

Advo24.de

Unter Advo24.de bietet die Dresdner Kanzlei Strewe & Partner ein übersichtlich gestaltetes Angebot. Es beraten die Kanzleimitarbeiter, aber auch Kooperationsanwälte. Sie machen ein Angebot, nachdem der Kunde seinen Fall skizziert hat. Der Mindestpreis beträgt 39 Euro.

Stichprobe. Hier war der Rat nur im Ergebnis korrekt. Der Anwalt riet, zumindest außergerichtlich keinesfalls klein beizugeben. Damit war unser Anspruch an einen hilfreichen ersten Rat erfüllt, wenngleich der Anwalt unseren Fall rechtlich nicht richtig einordnete.

Unser Wunsch nach Kreditkartenzahlung wurde nicht erfüllt, obwohl Kartensymbole auf der Homepage darauf hinweisen. Die Bezahlart funktioniert wohl nur, wenn man in der Betreiberkanzlei beraten wird und nicht immer bei Kooperationsanwälten. Kosten: 69 Euro.

Gigarecht.de

Wer über die Suchmaschine Google im Internet nach dem Stichwort „Rechtsberatung online“ sucht, stößt sehr früh auch auf Gigarecht.de. Doch hier hat uns niemand geantwortet, obwohl auf der Homepage eine Nachricht über Annahme oder Ablehnung des Mandats versprochen wird.

Auch per Telefon oder E-Mail bekamen wir keinen Kontakt zum Betreiber, dem Hamburger Anwalt Stefan Sadowsky.

Zurück zu: Startseite Test

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (2)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice