22.09.2005

Olivenöl: Schmutziges Gold

Olivenöl Test

Olivenöl der Güteklasse „nativ extra“ steht für höchste Qualität, das Feinste vom Feinsten. Doch das Öl hält nicht immer, was sein Etikett verspricht. Von 26 getesteten Ölen waren sechs „ausreichend“ und neun „mangelhaft“. Modrig, stichig, ranzig notierten die Prüfer mitunter. Sieben Öle waren zudem wärmebehandelt und hätten nicht als „nativ extra“ verkauft werden dürfen. Doch damit nicht genug: Im Gut & Gerne Olivenöl stecken zu allem Überfluss auch noch gesundheitlich bedenkliche Weichmacher. test.de deckt auf.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Olivenöl

Gesund und fruchtig

Viele Menschen kaufen Olivenöl im guten Glauben, sich mit diesem Lebensmittel etwas Gutes zu tun. Immerhin zählt Olivenöl zu den gesündesten Ölen in unserer Küche. Ölsäure, eine reichlich enthaltene einfach ungesättigte Fettsäure, beeinflusst den Cholesterinspiegel positiv und verringert das Risiko für Arterienverkalkung und Herzinfarkt. Doch ein gutes Olivenöl ist nicht nur gesund, sondern es schmeckt auch: Es ist fruchtig, hat eine gewisse Schärfe, darf aber auch bitter sein. Je nach Klima, Boden und Reifegrad der Oliven schmeckt es würzig oder mild, rassig oder fein, manchmal mandelbitter. Und es sind sehr wohl solche Öle im Test: Sehr gut ausgewogen sind zum Beispiel Olio Santini Vom Fass, Gaea sowie Bancetto von Edeka. Doch neben diesen drei geschmacklich sehr guten fanden die Sensorik-Experten überwiegend unausgewogene oder fehlerhafte Öle.

Ranzig bis schlammig

Werden Öle aus gärigen Oliven gepresst, gibt das dem ganzen eine stichige Note. Eine modrig-feuchte Note entsteht dagegen, wenn die Früchte vor der Verarbeitung längere Zeit feucht lagern. Noch unappetitlicher ist es, wenn das Öl mit dem Dekantierschlamm in Becken oder Fässern in Berührung kommt. Dann schmeckt das Öl schlammig - wie bei ener Bio von Rossmann. Olivenöle mit so deutlichen Geschmacksfehlern verdienen weder das Prädikat „nativ extra“, noch dürften sie als solche verkauft werden. Laut der Olivenöl-Verordnung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2002 dürfen sich nur sensorisch fehlerfreie Öle so nennen. Öle mit leichten Fehlern in Geruch und Geschmack dürfen dagegen höchstens den Namen „nativ“ tragen. Die im Prüfpunkt sensorische Qualität mit „ausreichend“ gekennzeichneten Öle nehmen die Hürde „nativ extra“ gerade noch, sind allerdings kein Genuss.

Unerlaubte Wärmebehandlung

Einige Olivenölhersteller versuchen, ihr Produkt mit warmem Wasserdampf zu „verbessern“. Ziel: Sie wollen aus einem nativen Öl eines der höchsten Güteklasse machen. Doch solche Manipulationen sind verboten. Das wäre Etikettenschwindel. Trotzdem stellten die Tester bei sieben Ölen Wärmebehandlungen fest. Neue Prüfmethoden machen den Nachweis auch bei Behandlungen mit niedrigeren Temperaturen möglich. Wertung für chemische Qualität, Deklaration und test-Qualitätsurteil: „mangelhaft“.

Kritische Weichmacher

Neu ist der Fund von Diethylhexylphthalat (DEHP) in Olivenölen wie zum Beispiel im Gut & Gerne. In Tierversuchen wurde die Krebs erzeugende Wirkung des Weichmachers nachgewiesen. Außerdem greift die Substanz ins Hormonsystem ein und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit. Gut & Gerne enthält 75 Milligramm DEHP pro Kilogramm Olivenöl. Bei einem 60 Kilogramm schweren Menschen halten Toxikologen drei Milligramm pro Tag für die tolerierbare Höchstgrenze. Diese Menge erreicht er schon mit zwei bis drei Esslöffeln vom Gut & Gerne Olivenöl. Mit dem Weichmacher verstößt das Öl auch gegen das Lebensmittelgesetz und hätte nicht in die Verkaufsregale gelangen dürfen.

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