Gegen gewöhnliche Hausmücken wirken die meisten Mittel zuverlässig, gegen Malaria- und Gelbfiebermücken müssen aber einige passen. Manche sind sogar völlig wirkungslos. Augen und Schleimhäute reizen fast alle.
Richtig Lust aufs Stechen hat Aedes aegypti nur, wenn die Luft warm und feucht ist. Die Gelbfiebermücke ist in den Tropen und Subtropen zuhause und sticht mittlerweile auch gern in Südeuropa zu. Dank der Klimaanlage beweist sie aber auch im Labor einen gesunden Appetit.
Als die Versuchsleiterin zur Probe ihren Arm in den Mückenkäfig hält, stürzen sich sofort Dutzende von Blutsaugern auf die willkommene Zwischenmahlzeit. An die hundert Stiche lassen keinen Zweifel aufkommen. Aedes aegypti ist bereit.
Fünf Testpersonen haben ihren Unterarm hergegeben, um daran die Wirksamkeit von 21 Anti-Mücken-Mitteln zu testen. Das ist mutig, denn so manches, was der Markt bietet, ist völlig wirkungslos. Die Mücken attackierten dann schnell und heftig. Aber auch wirksame Mittel schützten nur selten über den vollen Testzeitraum von acht Stunden. Meist ließ die Wirkung vorher nach – mehr als 3 000 Stiche mussten die Teilnehmer insgesamt erdulden.
Die Stichprobe gemacht
Multimedia-Inhalt: Sie benötigen den Flash-Player, um dieses Multimedia-Objekt zu sehen. Flash-Player herunterladen (1 MB, dauert 1-2 Minuten)
Aedes aegypti kann Virusinfektionen wie Gelbfieber und Dengue-Fieber übertragen. Weil sie tagsüber jagt und oft verscheucht wird, ist sie aggressiver als die Hausmücke, die ihre Opfer meist im Schlaf überfällt. Viele Mückenmittel kamen bei Aedes an ihre Grenzen, nur jedes dritte erwies sich bei ihr als „gut“ oder „sehr gut“ wirksam.
Die Besten wehren acht Stunden ab
Einfacher hatten es die Mückenmittel – Fachleute sagen Repellent, vom lateinischen repellere: vertreiben – gegen die dämmerungs- und nachtaktive Culex quinquefasciatus, die südliche Hausmücke. Sie ist weltweit verbreitet und siedelt gern in der Nähe von Menschen. In Epidemiegebieten können Culex-Arten Krankheiten übertragen, etwa das West-Nil-Fieber. Hierzulande rauben sie einem aber nur den Schlaf oder die gute Laune beim Grillfest.
Gegen Culex schützen die meisten Mückenmittel im Test „gut“ bis „sehr gut“. Die besten halten die Plagegeister im Schnitt sogar acht Stunden fern – das reicht für eine geruhsame Nacht.
Der erste Stich zählt mehr
Die Plagegeister fernhalten heißt: Sie stechen nicht. Um die Wirksamkeit festzustellen, haben wir jeweils die Zeit bis zum ersten Stich ermittelt, aber auch die Zeit bis zum Abbruch des Tests. Bei tagaktiven, aggressiven Mücken wie Aedes haben wir den Test nach drei Stichen abgebrochen, bei dämmerungsaktiven Mücken wie Culex nach zwei Stichen. Die Zeit bis zum Abbruch steht als „Durchschnittliche Wirksamkeit“ in der Tabelle (siehe Tabelle: Mückenmittel).Die Wirksamkeit des Mückenmittels haben wir aber umso besser bewertet, je länger es die Testpersonen vor dem ersten Stich schützte (siehe „Zeit bis Erststich“ in der Tabelle).
Die Asiatische Tigermücke in Italien
Wie wichtig die Schutzwirkung ist, zeigte die Asiatische Tigermücke, eine Aedes-Art, 2007 in der Provinz Ravenna in Norditalien. Sie hatte dutzende Personen mit dem Chikungunya-Fieber infiziert, einer schmerzhaften Gelenk- und Muskelinfektion. In der Regel ist Aedes in Europa eher lästig als gefährlich, weil keine Tropenkrankheiten grassieren. Doch zu der lokalen Epidemie kam es, als ein Reisender mit dem Fieber aus Indien zurückkehrte und von einer Tigermücke gestochen wurde. Die trug das Virus beim nächsten Stich weiter. Das sind bislang aber Ausnahmen. In Europa verbreitete Viren, wie Hepatitis oder Aidsviren, werden nicht von Mücken übertragen.
Die Malariamücke war auch dabei
Konnte ein Repellent die aggressive Gelbfiebermücke länger als drei Stunden vom Stechen abhalten, haben wir das Mittel auch an der Malariamücke Anopheles gambiae geprüft. Ebenso wie alle Repellents, die auf der Verpackung einen Schutz gegen Malaria ausloben. Meist bieten sie einen „guten“ bis „sehr guten“ Schutz vor Stichen der Malariamücke. Mittel, die tagaktive Mücken weniger als drei Stunden fernhalten, sind für Malariagebiete ungeeignet.
Die ätherischen Öle schützen kaum
Ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt: Es stehen verschiedene Wirkstoffe zur Wahl. Die beste Wirksamkeit im Test zeigte Diethyltoluamid, kurz DEET. Der Stoff ist in Konzentrationen von 30 bis 50 Prozent in Anti Brumm Forte, Care Plus und Nobite enthalten. Alle drei schützen zuverlässig zwischen fünf und acht Stunden vor tag- und nachtaktiven Mücken und vor Malariaüberträgern. Fast ebenso erfolgreich ist der Wirkstoff Icaridin, enthalten in Autan, Azaron und Parazeet. Die Wirksamkeit hält aber bei tagaktiven Mücken nicht so lange an. Am schlechtesten schützen ätherische Öle. Deren Wirkung war teilweise gleich null.
Nur die Mückenweibchen stechen
Da nur Mückenweibchen stechen – sie brauchen das Blut zur Entwicklung ihrer Eier – muss ein Repellent auch nur sie in die Flucht schlagen. Mückenmännchen sind Vegetarier, die sich von Pflanzensaft ernähren. Angelockt werden Mückenweibchen von Milch- und Fettsäuren im Schweiß. Auf welche Weise Anti-Mücken-Mittel wirken, ist noch nicht genau geklärt. Mögliche Erklärung: Wirksame Repellents verändern den Körpergeruch so, dass Insekten das Weite suchen. Für Menschen riechen die Mittel in der Regel nicht unangenehm. Ausnahme im Test: das T3 Dschungel Deo.
Autan Family Care reizt am wenigsten
„Gute“ Gesundheitseigenschaften bietet allein Autan Family Care – für Menschen mit empfindlicher Haut und für Kinder sicher eine Empfehlung. Schleimhäute und Augen reizen aber alle Repellents – mal weniger, mal mehr. Das ist der Preis, den man zahlen muss, um in Ruhe gelassen zu werden. Auch ätherische Öle haben meist ein hohes schleimhautreizendes Potenzial und können zum Teil allergische Reaktionen auslösen (siehe Text: Wirkstoffe). Vor allem aber sind hochdosierte DEET-Produkte bei häufiger Anwendung nicht unbedenklich.
Niemand sollte sich in Deutschland wegen der Gefahr eines Mückenstichs jede Nacht einreiben. Anti-Mücken-Mittel sind nichts für die dauerhafte Anwendung. Auch Biozidverdampfer, die über Stunden Insektengift in die Raumluft abgeben, sind nicht unproblematisch und eher zur zeitweisen Verwendung bei einer Mückenplage sinnvoll. Alternativen wie Ultraschallgeräte, UV-Licht-Fallen oder Gartenfackeln sind zwar weniger bedenklich, aber auch wirkungslos (siehe Text: Alternativen).
In Malariagebieten ist ein wirksames Repellent Pflicht. Auch manch Urlaub am See wird damit entspannter. Für zuhause reicht die sanfte Tour: Fliegengitter vorm Fenster, ein Moskitonetz überm Bett. Ansonsten gilt hier, was die Versuchsleiterin mit ihren hundert Stichen im Unterarm rät: „Einfach aushalten und bloß nicht kratzen“.
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen