20.11.2003

Mobilfunktarife: Teure Botschaft

Mobilfunktarife Test
Grüße von Omi, „live“ und in Farbe. Das Fotohandy machts möglich. Doch der Spaß kostet.

Ob Spaßbild, Liebesschwur oder Urlaubsgruß: Bunte Bild-Ton-Nachrichten per Handy (MMS) helfen Entfernungen überwinden. Aber die hohen Kosten trüben den Spaß.

Wünscht sich Ihre Enkelin ein Fotohandy zu Weihnachten? Oder will Ihr Netzbetreiber Sie mit einem neuen Mobilfunkvertrag plus Kamerahandy beglücken? Dann sollten Sie die Kosten für Multimedia-Nachrichten (MMS) kennen. test hilft Ihnen dabei.

In der Tabelle finden Sie die Preise im Überblick. Außerdem haben wir MMS diesmal auch beim Vergleich der Tarifangebote für typische Wenig- und Normaltelefonierer berücksichtigt. Spitzenreiter sind hier die Serviceprovider Talkline (Normaltelefonierer) und debitel (Wenigtelefonierer). Debitel liegt auch bei den Tarifen für MMS/SMS-Fans vorn. Das sollten Multimedia-Begeisterte außerdem wissen:

Welches Handy brauche ich? Wenn Sie damit Fotos machen und senden wollen, muss eine Kamera integriert oder ansteckbar sein. Und das Handy muss den Versand und Empfang von multimedialen Nachrichten unterstützen, im Fachjargon „MMS-fähig“ sein. Inzwischen sind viele Modelle mit Fotofunktion auf dem Markt, selbst bei Handys mit Guthabenkarte. Allerdings gibt es auch „MMS-fähige“ Handys ohne Fotofunktion. Mit ihnen lassen sich zwar MMS empfangen und versenden, aber eben keine eigenen Bilder knipsen. Übrigens: Einige Modelle müssen erst noch für MMS voreingestellt („konfiguriert“) werden. Hilfe gibt es in der Anleitung.

Was braucht der Empfänger? Im besten Fall hat er ein MMS-Handy vom selben Typ wie der Absender. Denn bei unterschiedlichen Modellen kann es passieren, dass der Fotoausschnitt verschoben ist oder der Ton fehlt. Hat der Empfänger ein normales Handy, kommt die MMS als Textnachricht (SMS) an. Sie enthält ein Passwort und eine Internetadresse, unter der man die Nachricht abrufen kann. Sie erhalten trotz Ihres MMS-Handys alle MMS als SMS? Dann ist Ihr Handy wohl nicht freigeschaltet. Dafür müssen Sie eine MMS (T-Mobile, Vodafone) oder wahlweise SMS (O2) versenden oder können das Handy kostenlos im Shop oder per Hotline freischalten lassen (E-Plus).

Wenn der Empfänger kein Handy hat? Multimediale Nachrichten lassen sich auch an E-Mail-Adressen senden. Das kostet so viel wie der Versand einer MMS im eigenen Netz. Tipp: Stellen Sie die maximale Auflösung ein, damit der Empfänger ein optimales Foto bekommt. Ton und bewegte Bilder sieht und hört man am PC nur, wenn die Software die Ton- und Animationsformate unterstützt.

Was kosten MMS? In Deutschland zwischen 39 Cent und 1,29 Euro pro Nachricht. Zwei Größen werden unterschieden: Nachrichten bis 30 Kilobyte kosten weniger, solche bis 100 Kilobyte mehr. Wer sparen will, sollte auf die Volumenanzeige achten. Zur Orientierung: Zwei Bilder plus eine kurze Tonsequenz und umfangreicher Text sind 40 bis 50 Kilobyte groß. Gut zu wissen für alle Vertragskunden: MMS innerhalb des eigenen Net­­­zes sind billiger als in fremde Netze.

Kann ich MMS auch mit Guthabenhandy nutzen? Mittlerweile bieten es alle Netzbetreiber auch Prepaid-Kunden an, allerdings mit den üblichen Nachteilen: Einige Leistungen gibt es nur eingeschränkt oder gar nicht. Und kostspieliger ist es auch. So sind innerhalb des Netzes verschickte MMS genau so teuer wie in fremde Netze. Weiterleiten ins Album kostet 20 Cent mehr als mit Vertrag (T-Mobile, O2) oder ist gar nicht möglich (E-Plus, Vodafone). Auch aus dem Ausland zahlt man drauf – etwa 10 Cent pro MMS bei T-Mobile – oder kann MMS weder empfangen noch senden (E-Plus, O2).

Kostet der Empfang? In Deutschland nicht, aber im Ausland: Bekommt der Besitzer eines deutschen Handys dort eine MMS geschickt, zahlt er ebenfalls – etwa 1,39 Euro in Belgien oder Griechenland für eine „kleine“ MMS. Entscheidend ist die Preisstruktur des Partnernetzes.

Kann ich im Ausland „mms-en“? Noch nicht überall. Das hängt davon ab, ob Ihr Anbieter ein Abkommen mit dortigen Netzbetreibern hat. So können Kunden von T-Mobile aus 35, von E-Plus aus 32 und Kunden von Vodafone sowie O2 aus 26 beziehungsweise 21 Ländern MMS senden und erhalten – falls sie einen Vertrag haben. Für Prepaid-Kunden ist das bei T-Mobile in weniger Ländern möglich, bei E-Plus und O2 noch gar nicht. Vodafone macht da keinen Unterschied.

Was kosten MMS aus dem Ausland? Jede Menge. Für T-Mobile-Kunden etwa 89 Cent bis 3,59 Euro pro Nachricht, je nach Größe und Land. Wenig kundenfreundlich: Klare Informationen sind rar. Nur T-Mobile liefert Festpreise, Vodafone nur für den Versand aus ausländischen Vodafone-Netzen. Ansonsten ist bei Vodafone wie bei E-Plus und O2 nur eines klar: Der Preis hängt vom Auslands-Netz, sprich „Roaming-Partner“ ab. So liefern die Netzanbieter zwar Tabellen mit Preis, Tarifeinheit und Taktung der Partner oder lange Anmerkungen mit Infos zu einzelnen Preisposten. Rechnen soll der Kunde aber selbst. Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Anbieter vor dem Urlaub exakte (!) Preise für Versand und Empfang von MMS in beiden Größen (bis 30 und bis 100 Kilobyte) im Gastland ausrechnen.

Was ist mit Postkarten per MMS? Alle Netzanbieter haben diesen Service: Man sendet einen Handy­schnappschuss mit Grußtext und Postanschrift an eine Kurzwahlnummer. Dieser wird als Ansichtskarte gedruckt und per Post zugestellt. Nette Idee, aber: Den Service gibt es im besten Fall für 1,79 Euro (bei Vodafone), bei O2, E-Plus und T-Mobile werden 1,99 Euro fällig. Und aus dem Ausland kommen wieder Roaminggebühren und Aufschläge dazu. Da sind „echte“ Postkarten plus Briefmarke billiger. Wer dennoch auf selbstgeknipste Grüße setzt, sollte auch hier den Preis vor der Abreise erfragen.

Was ist ein MMS-Album? Eine Art Archiv im Internet, das alle vier deutschen Netzbetreiber ihren Kunden auf ihren Webseiten zu Verfügung stellen. Dort lassen sich nach einer einmaligen Registrierung MMS verwalten sowie neue Multimedia-Nachrichten basteln und versenden. Außerdem kann man MMS vom Handy ans Album weiterleiten und dort speichern. Hier lauern weitere Kostenfallen: Zwar ist der Speicherplatz kostenlos. Aber das Verschicken von MMS aus dem Album kostet ebenfalls so viel wie der Versand per Handy in Deutschland. Fürs Weiterleiten an das Album zahlt der Nutzer auch 39 Cent bis 1,29 Euro. Und wer aus dem Ausland ins Album sendet, muss noch mehr bezahlen.

Was bieten MMS mir noch? Alle Netzbetreiber haben MMS-Infodienste: Sie verschicken Bundesligaergebnisse oder Kinotipps mit Bild und Ton im Abonnement (ab 59 Cent pro Stück). Außerdem im Angebot: MMS-Grüße, animiert und mit Melodie (etwa 1,49 Euro pro Stück bei T-Mobile). Wer will, kann sein Foto als acht kleine Mini-Aufkleber bekommen (etwa 2,49 Euro bei Vodafone). Und mit einem der neuen Videohandys (zum Beispiel Nokia 3650) lassen sich sogar Minifilme aufnehmen und senden.

Fazit: Für Unbekümmerte wird die schöne neue MMS-Welt leicht zur Kostenfalle. Gerade bei den Auslandspreisen müssen die Netzbetreiber für klare Preismodelle sorgen. Das Fotohandy ersetzt keine Digicam, seine Bildqualität, speziell im Display, überzeugt noch wenig. Ganz zu schweigen vom Frust, wenn zwischen verschiedenen Handytypen wieder das halbe Foto auf der Strecke bleibt.

Unser Tipp für alle unbeirrbaren MMS-Fans: Behalten Sie die Kosten im Auge. Erkundigen Sie sich vor Urlaubsreisen unbedingt beim Anbieter. Und schenken Sie der Enkelin zum Kamerahandy am besten ausreichend Taschengeld.

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