11.01.2013

Lebens­versicherung: Zins weiter auf Talfahrt

Lebensversicherung Meldung

Lebens­versicherungen werden in diesem Jahr im Durch­schnitt nur noch mit 3,6 Prozent verzinst. Somit bekommen die Kunden erneut weniger Geld ausgezahlt. 2012 war die Gesamt­verzinsung erst­mals unter 4 Prozent gesunken; genau: auf 3,9 Prozent. 2013 geht es nun weiter bergab.

Immer weniger garan­tiert

Der Garantiezins für neu abge­schlossene Verträge war Anfang 2012 von 2,25 Prozent auf den auch jetzt für Neuverträge gültigen Wert von 1,75 Prozent gesunken. Zusammen mit der garan­tierten Über­schuss­beteiligung ergibt sich für 2013 eine Gesamt­verzinsung von 3,6 Prozent. 2004 betrug sie noch 4,4 Prozent. Verzinst wird aber nicht der gesamte vom Kunden bezahlte Beitrag, sondern nur das Guthaben, das nach Abzug von Abschluss-, Verwaltungs- und Risiko­kosten übrig bleibt. Die tatsäch­liche Rendite liegt daher erheblich nied­riger.

87 Prozent der befragten Versicherer senken den Zins

Die Ratingagentur Assekurata hat 67 Versicherer befragt und heraus­gefunden: 87 Prozent der Versicherer haben die Gesamt­verzinsung gesenkt. Dazu gehören Allianz mit einem Rück­gang auf 3,6 Prozent (2012 waren es noch 4 Prozent) und Ergo, die ihre Gesamt­verzinsung von 3,8 Prozent (2012) auf 3,2 Prozent zusammen­strich. Nur 13 Prozent der Versicherer halten die Gesamt­verzinsung stabil. Dazu gehört die Nürn­berger Leben, die laut Assekurata-Umfrage auf dem Vorjahres­stand von 4,0 Prozent bleibt. Allerdings ist die Nürn­berger auch eine der teuren Versicherer. Hier geht von den Beiträgen der Kunden viel für Kosten drauf. Es bleibt also von Anfang an weniger Geld übrig, das verzinst wird. Nach einer Über­sicht des Versicherungs­experten Prof. Jochen Zimmermann von der Universität Bremen beträgt die Abschluss­kostenquote der Nürn­berger 15 Prozent der Summe der Versicherungs­beiträge. Die Abschluss­kostenquote gibt an, wie viel von den Bruttobeiträgen für den Abschluss neuer Verträge verwendet wurde. Im Branchen­durch­schnitt seien es 9 Prozent.

Alte Verträge noch üppig verzinst

Kunden, die zwischen Juni 1995 und Juni 2000 einen Vertrag geschlossen haben, haben es besser. Damals betrug der Garan­tiezins noch vier Prozent. Und die Gesamt­verzinsung lag 1995 insgesamt bei satten 7,4 Prozent im Durch­schnitt. Dies ist auch ein Grund für die gesunkene Verzinsung bei Neuverträgen: Um das Geld für die alten Garan­tien zu erwirt­schaften, müssen die Versicherer bei neu abge­schlossenen Verträgen die Verzinsung drücken.

Auch bei Bewertungs­reserven wollen Versicherer knausern

Zu den starken Geld­anlagen gehört eine Kapital­lebens­versicherung also längst nicht mehr. Zumal Kunden damit rechnen müssen, dass die Versicherer versuchen, über die Garantie hinaus­gehende Leistungen zu kürzen. So wollen sie die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven zurück­fahren. Und dies, obwohl die Lebens­versicherer immer noch sehr gut verdienen. Von 2005 bis 2012 kassierten sie insgesamt 637 Milliarden Euro Beiträge. Das sind gut 66 Milliarden Euro mehr, als sie den Kunden in diesem Zeitraum ausgezahlt haben.

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