Seit es auf alpinen Pisten immer turbulenter und teurer wird, entdecken viele den Langlauf. 16 Paar dieser Skier im Test.
Mediziner gratulieren zur Wahl der Sportart Langlauf. Skilangläufer beanspruchen alle Muskeln gleichmäßig, trainieren den Kreislauf maßvoll. Übergewichtige haben gute Chancen, Pfunde zu verlieren, denn der Kalorienverbrauch ist schon bei mäßiger Laufgeschwindigkeit relativ hoch. Und auch die Orthopäden haben nichts einzuwenden: Trotz erheblicher Muskelanstrengung werden die Gelenke geschont; und die Verletzungsgefahr ist beim Langlauf eher gering.
Schweißtreibende Angelegenheit
Was so leichtfüßig und mühelos aussieht, ist aber eine schweißtreibende Angelegenheit. Langlauf verführt Anfänger oft, sich zu übernehmen. Wer seine Leistungsfähigkeit falsch einschätzt, kann den Kreislauf – ähnlich wie beim Joggen – schnell bedrohlich überfordern. Einsteiger und auch ältere Umsteiger vom Alpinski sollten an einem Skikurs teilnehmen. Hier werden vor allem Haltungs- und Bewegungsfehler korrigiert, bevor sie sich als unausrottbare schlechte Gewohnheiten festsetzen.
„Weiche“ besser für Anfänger
Aus dem großen Angebot an Langlaufskiern haben wir 16 Modelle geprüft, die sich für Freizeitläufer in der Loipe eignen – vom Anfänger bis zum sportlich Ambitionierten. Den meisten Fabrikaten im Test bescheinigten die Prüfer eine hohe Fertigungsqualität. Im Labor festgestellte Fehler hielten sich in einem so engen Toleranzbereich, dass sie die Laufeigenschaften in der Praxis nicht beeinflussen konnten. Besonders bei den Prüfungen in der Loipe zeigten sich Unterschiede in den Konstruktionen: Da erwiesen sich einige Skier als eher „weich“ und deshalb für Anfänger besser geeignet; andere, stärker vorgespannte Modelle mit kürzeren Abstoßzonen sind für sportlichere Läufer konzipiert. Das Problem war nur: An keinem der getesteten Langlaufskier waren diese Eigenschaften angegeben. Dabei gibt es auch für sie seit Jahren eine Klassifizierung: L steht für Learner, W für Wanderer, A für Allrounder, also Sportlichere mit guter Lauftechnik und Ausdauer. S-Skier eignen sich für schnelle, leistungssportlich orientierte Läufer.
Nowaxskier
Am häufigsten gekauft werden Schuppen- oder Nowaxskier. Die Bezeichnung Nowax, also kein Wachs, führt leicht in die Irre: Auch dieser Skityp muss mit Wachs präpariert werden, wenn er optimal laufen soll. Relativ einfach anzuwenden sind Gleitwachse aus Tuben oder Spraydosen (etwa zehn Euro).
Die Unterseiten der meisten Nowaxskier bestehen aus einem Belag mit gefrästen Schuppen im Mittelteil, der Abstoßzone. Die Tester empfanden aber bei allen Schuppenskiern das relativ laute Laufgeräusch als störend, weil es einen Bremseffekt suggeriert.
Besonders als Einsteigerskier für Neulinge, aber auch als Wanderskier im ungespurten Schnee außerhalb der Loipen (Nordic Cruising) eignen sich NC Cruiser und NC Voyager von Fischer. Die Modelle fallen durch ihre kürzere und etwas breitere Bauweise auf, die ihnen eine größere Wendigkeit im tieferen Schnee verleiht. Beide haben mit „gut“ (2,2) abgeschnitten, liegen aber im Preis (130 und 170 Euro) ziemlich weit auseinander.
Wachsskier
Viele sportliche Läufer schwören auf den Wachsski mit seiner glatten Lauffläche, die sehr sorgfältig präpariert werden muss. Auch der einzige „sehr gute“ Ski im Test, der Karhu Feran Cap, gehört zu diesem Skityp. Die Testläufer stuften ihn als sehr sportlich ein. An der Verarbeitung monierten sie nur, dass die Markierungen der Wachszonen sich mit zunehmender Gebrauchsdauer verwischten. Mit 99 Euro ist der Karhu Feran Cap auch deutlich billiger als der um einiges schlechter beurteilte Karhu Impulse XC, der aber 149 Euro kostet.
Ein Ski im Test, der S:6 Combi von Atomic, soll für die klassische Diagonaltechnik ebenso gut geeignet sein wie für den Skatingstil. Dabei kann wohl nur ein Kompromiss herauskommen, denn durch die völlig unterschiedlichen Lauftechniken werden an die Skier widersprüchliche Anforderungen gestellt. Und tatsächlich: An der Laufharmonie des S:6 Combi gab es in der Test-Loipe mehr Kritik als bei den anderen Wachsskiern.
Die Wissenschaft des Wachsens
Für die guten Laufeigenschaften der Wachsskier müssen sich ihre Anhänger ziemlich plagen. Das Wachsen ist harte und Zeit raubende Arbeit, oft auch eine Philosophie bis hin zum Kult. Und nicht gerade billig: Heißwachs wird aufgebügelt, nach dem Erkalten abgezogen und von Hand oder mit der Maschine gebürstet. Für die Wachs- und Pflegeutensilien sind schnell 100 Euro ausgegeben. Die Fangemeinde leugnet auch nicht, dass zum Beispiel die wirkungsvollen Klisterwachse für die Steigzonen der Skier häufiger Hemden oder Hosen ruinieren.
Die Wahl des „richtigen“ Wachses ist fast schon eine Wissenschaft. Im Angebot sind viele und nicht gerade billige Präparate für unterschiedliche Temperaturen und Schneequalitäten. Und die von den Wachsherstellern gelieferten Anleitungen sind auch nicht selten mehr als 50 Druckseiten stark.
Auch unsere Testcrew aus Freizeitläufern, sportlich Engagierten und Skilehrern gab zunächst der Laufkultur des Wachsski gegenüber den Nowax-Modellen den Vorzug. Als sie aber am Ende der Prüfungen befragt wurden, welchen Ski sie sich kaufen würden, entschied sich keiner mehr für einen Wachsski.
Skikauf
Die Entscheidung für Nowax- oder Wachsskier hängt vom sportlichen Engagement ab. Über die Wahl des passenden Modells entscheiden dann Körpergewicht und Können des Läufers. Weil die Skier mit unterschiedlichen Vorspannhöhen und Steifigkeiten für die Leistungsgruppen L, A oder S gefertigt werden, die meisten Hersteller sich aber über diese Produkteigenschaften ausschweigen, ist hier der Verkäufer gefragt. Einen groben Anhaltspunkt dafür, ob die Vorspannung eines Ski zum Läufer passt, bietet aber der Papiertest: Unter den gleichmäßig belasteten Skiern muss sich im Bereich der Steighilfe gerade noch ein Blatt Papier hindurchschieben lassen. Und schließlich sollte kein Käufer das Geschäft ohne Wachshinweise und Pflegetipps für seine Skier verlassen.
Die richtige Kleidung
Langläufer kommen schnell ins Schwitzen. Wird die Feuchtigkeit nicht rasch über die Kleidung abgegeben, genügt eine kurze Pause bei frischem Wind oder im Schatten, um Bronchien oder Nieren so weit zu unterkühlen, dass die Urlaubsfreude ein jähes Ende nimmt. Deshalb sollten Langläufer sich Feuchtigkeit transportierende Sportunterwäsche kaufen. Bei Tagestouren gehört eine Garnitur zum Wechseln ebenso in den Rucksack wie ein Reservepaar Socken.
Die oberen Kleidungsschichten sollten je nach Anstrengung und Wetterlage „dosierbar“ sein. Dünnere und dickere Pullover werden je nach Bedarf im „Zwiebellook“ übereinander getragen. Für die „Außenhaut“ gilt: Atmungsaktiv, schnee- und vor allem winddicht sollte sie sein und am besten aus einem der modernen leichten Mikrofasergewebe bestehen. Nicht zu vergessen sind Handschuhe, denn sie schützen auch bei Stürzen. Dann fehlt nur noch die passende Landschaft mit funkelndem Pulverschnee.
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