13.02.2013

Kreditkarten: Bezahlen im Vorbeigehen

Bisher mussten Kunden zum Bezahlen ihr Plastikgeld in ein Lesegerät stecken. Jetzt genügt es, die Karte davor­zuhalten. Deutsch­lands Sparkassen planen, das bereits laufende Pilot­projekt zum kontaktlosen Bezahlen im Groß­raum Hannover auf die Gebiete Rhein-Main, Rhein-Ruhr und Hamburg auszuweiten. Das Verfahren ist bequem – wirft aber Fragen auf. Die Experten von Finanztest sind der neuen Bezahl­technik auf den Grund gegangen.

Wenn es schnell gehen soll

Wenn ein Kunde an der Kasse sagt „Ich habs passend“, sacken einige in der Warte­schlange innerlich zusammen. Denn es ginge fast doppelt so schnell, wenn der Kunde mit Karte statt bar bezahlen würde. „Noch schneller – in weniger als einer Sekunde – geht es, wenn Käufer die Plastikkarte künftig nur noch vor das Lesegerät halten und nicht mehr einstecken müssen“, sagt Cornelia Schulz, eine Sprecherin der Deutschen Kredit­wirt­schaft (DK). Doch kontaktloses Bezahlen hat auch Schatten­seiten. Finanztest beant­wortet die wichtigsten Fragen zur neuen Bezahlart.

Kontaktlos bezahlen – wie geht das?

Das Bezahlen mit Karte im Vorbeigehen – egal ob mit Girocard (ec-Karte) oder Kreditkarte – ermöglicht die NFC-Technologie. NFC ist die Abkür­zung für die eng­lische Bezeichnung Near Field Communication, zu Deutsch Nahfeld­kommunikation. Dafür erhält die Karte einen kleinen gold­farbenen Chip, der die für Zahlungen nötigen Daten speichert. Der Chip über­trägt diese Daten mittels Mini-Antenne per Funk. Das klappt nur über kurze Stre­cken. Die drahtlos gesendeten Daten können nur spezielle Lesegeräte empfangen und entschlüsseln. Ein Beispiel: Nachdem der Kassierer den Betrag einge­geben hat, zeigt das Lesegerät an, wie viel der Kunde bezahlen muss. Der Kunde hält seine Plastikkarte in einem Abstand von höchsten vier Zenti­metern vor das Lesegerät. Kurz danach zeigt ein optisches oder akustisches Signal, dass die Bezahlung erfolg­reich war. Was der Kunde nicht sieht: Nachdem das Lesegerät die Daten von der Karte empfangen hat, wird die Zahlung wie sonst auch im Hintergrund der Bank des Kunden gemeldet, das Geld seinem Konto belastet und dem Händler gutgeschrieben.

Sind schon alle Karten fit für die neue Technik?

Nein. Das kontaktlose Bezahlen steht in Deutsch­land noch am Anfang. Die Deutsche Kredit­wirt­schaft testet die Technik seit April 2012 dieses Jahres im Groß­raum Hannover. Rund 1,2 Millionen Karten mit Funk­chip haben Sparkassen sowie Volks- und Raiff­eisen­banken an die Kunden dort ausgegeben. “Das Pilot­projekt erfüllt seine Erwartungen“, ist die Bilanz im Februar 2013. Acht Groß­händler und mehr als 50 Einzel­händler mit 400 Filialen akzeptieren das kontaktlose Bezahlen unter dem Namen Girogo. Nun soll das Verfahren auch in den Regionen Rhein-Main, Rhein-Ruhr und Hamburg einge­führt werden. Dazu geben insgesamt 24 Sparkassen in der ersten Jahres­hälfte Girocards mit Chips an die Kunden aus. Auch die Kreditkarten­anbieter Mastercard und Visa sind mit der neuen Technik am Start. Visa benutzt für die neue Technik den Begriff Paywave, sieben deutsche Banken wollen bis Ende 2012 rund 500 000 Visa-Paywave-Kreditkarten ausgeben. Mastercard ist mit Paypass weiter. Mehr als 1,3 Millionen Karten können in Deutsch­land zum kontaktlosen Bezahlen genutzt werden, welt­weit rund 100 Millionen.

Profitiert nicht haupt­sächlich der Handel?

Ja, das stimmt. Das kontaktlose Bezahlen bringt da Vorteile, wo es um kleine Einkäufe geht: die Zeitung, den Imbiss, das Taxi, die Schokolade oder das Ticket für den Nahverkehr. Das nützt vor allem dem Handel. Die Händler können in derselben Zeit mehr Kunden bedienen, das steigert den Umsatz. Es ist für sie auch nicht unbe­dingt teurer als Bargeld. Für „Bargeld­bearbeitung“ wie das Beschaffen von Münzen müssen sie pro Euro Umsatz etwa 1 Cent aufwenden. Kontaktloses Bezahlen bringt mehr Sicherheit, etwa für Taxifahrer und Tank­stellenpächter. Weniger Bargeld in der Kasse senkt das Über­fall­risiko. Kunden haben über­all dort Vorteile von der neuen Technik, wo in kurzer Zeit viele Menschen bezahlen wollen: In der Halb­zeit­pause von Fußball­spielen kommen sie schnell an Getränke, und die Bratwurst oder das Mensa-Essen sind noch nicht kalt, wenn sie bezahlt sind. Der Kaffee aus dem Coffee­shop morgens ist noch heiß.

Ist kontaktloses Bezahlen denn über­haupt sicher?

Es ist vergleich­bar sicher wie herkömm­liches Bezahlen per Kreditkarte. Zwar hat das ARD-Magazin Report vorgeführt, dass es mit einem programmierten Handy möglich ist, die Karten­nummer und das Verfalls­datum einer fremden Kreditkarte auszulesen, ohne dass der Besitzer es bemerkte. Er hatte die Brieftasche mit der Karte in der Hosentasche. Aber einkaufen können Betrüger mit den Daten im Internet nur bei Händ­lern, die nicht die vorgeschriebenen Sicher­heits­abfragen nutzen, etwa die Prüfziffer von der Kartenrück­seite oder eine zusätzliche Kenn­wort­abfrage (3-D-Secure-Verfahren). Selbst wenn etwas passierte, hätte der recht­mäßige Besitzer gute Chancen. Lässt er die betrügerische Buchung zurück­gehen, bleibt der Händler auf dem Schaden sitzen. Gerät die Kreditkarte selbst in falsche Hände, kann der Dieb damit nur Klein­beträge bis 25 Euro ohne Geheimzahl (Pin) oder Unter­schrift bezahlen – oft auch nur bis zu einem von der Bank fest­gelegten Limit. Einige Kreditkarten­anbieter bauen aber eine Zufalls­abfrage ein. Auch bei Beträgen bis 25 Euro wird deshalb ab und zu eine Pin oder Unter­schrift gefordert. Manche Banken informieren per SMS über jede Trans­aktion. Mit einer gestohlenen Girocard können Diebe Rechnungen von jeweils bis zu 20 Euro bezahlen, aber nur bis zu dem Betrag, mit dem der Chip geladen ist. Die Anbieter verweisen darauf, dass Karte und Lesegerät keine personenbezogenen Daten austauschen, sondern nur Karten­nummer, Ablaufdatum und ein Kryptogramm, das eine einmalige Trans­aktion ermöglicht. „Diesen Prozess zu manipulieren, ist tech­nisch zwar möglich, aber ein rein theoretisches Szenario“, sagt Thorsten Klein, Presse­sprecher von Mastercard.

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