21.09.2006

Kopflausmittel: Wirksame Mittel

Kopflausmittel Meldung
Läusebefall sofort melden. Für Schulleitungen, Schüler, Eltern und Ärzte gibt es strikte Vorschriften und Empfehlungen.

Die Läuse sind los. Gegen die lästigen Plagegeister gibt es eine breite Palette an Präparaten und Rezepten – auch schonende. Lindanhaltige Mittel müssen bald vom Markt.

Unter deutschen Dächern hausen viele ungebetene Gäste: Motten knabbern an Kleidern, Brotkäfer an Lebensmitteln. Milben tummeln sich auf Matratzen, Silberfische schlängeln sich durchs Badezimmer. Nach den großen Ferien beginnt die Läusesaison. Häufig ist das flügellose, bis drei Millimter große, graubraune Insekt (Pediculus humanus capitis) ein Mitbringsel aus dem Urlaub.

Alle paar Stunden: Eine Blutmahlzeit

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Läuse, Nissen, Eier mit Nissenkamm immer wieder konsequent auskämmen. Den Erfolg kontrollieren!

In Kindergärten und Schulen verbreiten sich Kopfläuse rasch, vor allem wenn Kinder die Köpfe zusammenstecken. Mädchen sind häufiger betroffen als die sprichwörtlichen Lausbuben. Läuse finden auch neue Wirte, wenn ein mit Nissen besetztes Haar über Kamm oder Bürste weitergereicht wird. Oder durch Mützen. Der Kopf mit Schopf ist ihr Lebensraum – Läuse nehmen dort alle drei bis sechs Stunden eine Blutmahlzeit. Die Schmarotzer klammern sich am Haar fest. Läuseweibchen legen in etwa 30 Tagen rund 150 (und mehr) Eier. Die sind mit einem Chitingehäuse umschlossen (Nissen), werden kopfnah mit nicht wasserlöslicher Substanz an Haare geklebt. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven. Nissenhüllen bleiben zurück. Eine Woche später sind Jungläuse geschlechtsreif.

Wird nichts getan, entsteht alle zwei bis knapp drei Wochen eine neue Läusegeneration. Ein auffälliges Zeichen von Kopfläusen ist der Juckreiz durch Läusespeichel. Haut wird gelegentlich blutig gekratzt, sie schuppt und entzündet sich, oft hinter den Ohren und im Nacken.

Insektizide: Pro und Kontra

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Ideal: Ein stabiler (Metall-)Nissenkamm mit Zähnen im Abstand von 0,2 Millimetern.

Gegen die Plagegeister wirken Insektizide am besten. Nach EU-Verordnung darf der Wirkstoff Lindan, ein Nervengift, aber nur noch bis Ende 2007 als Insektizid eingesetzt und in Arzneimitteln verwendet werden. Das rezeptpflich­tige Mittel Jacutin Gel enthält zum Beispiel Lindan (siehe Tabelle „Kopflausmittel“). Lindan ist ein wirksa­mes Insektizid, doch bei Läusen treten schon Resistenzen auf. Es belastet die Umwelt. Höher konzentriert wurde Lindan früher in Holzschutzmitteln verwendet. Beim Menschen zeigten sich unter Dauerbelastung schwerste Schädigungen.

In der Medizin wird Lindan in etwa einprozentiger Verdünnung gegen Hautpa­rasiten verwendet. Risiken gelten als beherrschbar, wenn die Anwendungsempfehlungen befolgt werden. Die Aufnahme über die Kopfhaut ist bei Kindern vergleichsweise hoch. Deshalb wird das Aufbringen zeitlich begrenzt. Achtung: Bei gleichzeitiger Anwendung von Seifen, fetthaltigen Salben, Cremes wird Lindan stärker aufgenommen. Die Therapie sollte unter ärztlicher Aufsicht stehen. Solche Mittel sollen nicht auf Schleimhäute gelangen oder abgeleckt werden. Weitere Nervengifte im Einsatz gegen Läuse sind Pyrethrumextrakt (Chrysantheme) und das synthetische Permethrin, das sich vom Chrysanthemenextrakt ableitet.

  • Pyrethrumextrakt (Crysantheme) ist zur Läusetherapie geeignet, gut verträglich.
  • Hinweis: Goldgeist forte enthält zusätzlich das Desinfektionsmittel Chlorocresol – erhöhtes Risiko für Unverträglichkeiten.
  • Permethrin verbleibt länger in Haar und Kopfhaut, erhöht dadurch das Risiko für Nebenwirkungen und Resistenzbildung.

Permethrin sollte bei Kopfläusen nur kurzfristig eingesetzt werden. Bei längerer, großflächiger Anwendung besteht die Gefahr von Nervenschäden.

Im vergangenen Jahr wurden rund 25 Millionen Euro für Kopflausmittel ausge­geben. In Apotheken rezeptfrei verkauft werden unter anderem Goldgeist forte Lösung, InfectoPedicul Lösung und Jacution N Spray (siehe Tabelle).

In Jacutin N Spray steckt Allethrin, ein „weiches“ Pyrethroid. Das Spray ist wegen möglicher unkontrollierter Vernebelung und Asthmaanfällen bei Allergikern umstritten. Sprays mit Giften sollten ohnehin nicht in geschlossenen Räumen (Badezimmer) angewendet werden. Infekto-Pedicul-Lösung ist Permethrin-haltig. Wichtig: Nach acht oder zehn Tagen sollte eine zweite Behandlung erfolgen. Da die Eier der Kopfläuse erst nach vier Tagen ein Nervensystem entwickeln, bleiben die Insektizide in dieser Zeit ohne Wirkung. Laut Robert-Koch-Institut ist wegen häufiger Anwendungsfehler eine Wiederho­lung der Therapie ohnehin sicherer.

Alternativen: Öl und Essig

Alternativen zu Insektiziden bieten zum Beispiel (kokos-)ölhaltige Mischungen wie Aesculo Gel „L“, Moskito-Läuse-Shampoo oder Paranix und Nydal. Ein Ölfilm überzieht die Läuse, nimmt den Lästlingen die Luft, so die Hersteller. Physikalisch wirkende Medizinprodukte benötigen keinen Wirksamkeitsnachweis.

Wie sicher solche Produkte gegen Kopfläuse wirken, ist nicht immer klar. Ein Hinweis aus einem anderen Bereich: Gärtner empfehlen zum Beispiel Weißöl bei Schildläusebefall von Pflanzen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt Kokosöl als „sonstige Maßnahme“. Ebenso auch verdünnte Essigsäure beim Ausspülen: Haare mit lauem Essigwasser (3 Esslöffel Essig auf 1 Liter Wasser) mehrfach spülen, dann mit dem Nissenkamm auskämmen. Es kann Stunden dauern, bis die Nissen entfernt sind. Haushaltsessig (5 Prozent) mit Wasser 1:1 gemischt, vertreibt Läuse nach etwa acht Tagen. Stets eine Stunde einwirken lassen.

Läuse und Eier werden auch unter der Haube (45 Minuten bei 60 Grad) abgetötet. Diese Methode ist aber nicht zu empfehlen – die Kopfhaut könnte durch die Hitze Schaden nehmen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tabelle: Kopflausmittel: Bewertungen und Hinweise

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