Wer Kinder hat, kennt das Problem: Kopfläuse und ihre Larven sind hartnäckig. Läusemittel und Kämme können helfen. Wir haben sie verglichen und bewertet.
Es gibt Menschen, denen Läuse viel bedeuten – Forschern zum Beispiel. Die blutsaugenden Lästlinge haben ihnen einen Teil der Welt erklärt – sogar einiges über die Entwicklungsgeschichte des Menschen.
Lausige Zeiten gab es schon immer. In Tonsedimenten der Eifel zum Beispiel fanden Wissenschaftler das vollständige Fossil einer Laus, rund 44 Millionen Jahre alt. Da waren die Saurier bereits ausgestorben. Vermutlich haben Läuse aber schon gefiederte Dinos gepiesackt.
Auch als der Mensch auftrat, waren Läuse mit von der Partie. Erbgutanalysen von Läusestämmen zeigen, dass sie vor etwa 3,3 Millionen Jahren von Affen auf den Menschen übersprangen, sich erst als Filzläuse im Schambereich wohlfühlten, schließlich auch auf dem Kopf. Über Wanderungsbewegungen von Läusen haben Forscher auch die des Menschen erkannt: „Out of Africa“, via Asien nach Amerika. Da ist es nur eine Fußnote, dass an Haaren ägyptischer Mumien Läuse und Nissen klebten.
Die Kleiderlaus, neben Filz- und Kopflaus die dritte auf Menschen spezialisierte Läuseart, entwickelte sich übrigens vor etwa 70 000 Jahren aus der Kopflaus – ein Zeichen dafür, seit wann etwa Menschen Kleidung tragen. Es gibt sogar die These, der Mensch habe wegen des lästigen Lausens recht rasch sein Fell verloren.
Kein Zeichen mangelnder Hygiene
Die Minivampire tanzen uns nach wie vor auf dem Kopf herum. Auffällig wird ihr Treiben immer dann, wenn Kinder in Kindergärten und Schulen die Köpfe zusammenstecken. Ein Zeichen mangelhafter Hygiene ist der Läusebefall nicht. Auch bei sorgfältiger Körperpflege verbreiten sich Kopfläuse rasant: Komplette Kindergruppen und Klassenverbände können betroffen sein. Kopflauskinder müssen aber nicht lange isoliert werden. Einer sofortigen Rückkehr in Kindergarten oder Schule steht aus wissenschaftlicher Sicht nichts im Wege – vorausgesetzt, die Läuse wurden entfernt und eine wirksame Behandlung eingeleitet (siehe Text Läuse loswerden).
Wirkstoffe und geeignete Mittel
Kopflausmittel sind Insektizide, also Insektenvernichtungsmittel, oder Rezepturen, die Läusen die Atemwege verkleben und die Minivampire so ersticken. Bei korrekter Anwendung, möglichst auch in Kopfhautnähe, machen sie Läusen und ihren Larven zuverlässig den Garaus.
Das natürliche Pyrethrum, ein aus Chrysanthemen gewonnener Extrakt, ist als Insektizid in seiner therapeutischen Wirksamkeit gegen Läuse gut belegt, gilt als gut verträglich. Zu synthetischen Pyrethroiden gehört das Permethrin. Es wirkt ebenfalls zuverlässig . Unter anderem wegen allergischer Reaktionen und um Resistenzen zu vermeiden, müssen Anwendungshinweise aber strikt beachtet werden.
Als Alternative zu chemisch synthetisierten Wirkstoffen stehen auch Mittel zur Verfügung, die Läuse ersticken sollen: Produkte mit Kokosöl oder Dimeticon, einem Silikon, sowie Mischungen aus flüchtigen, stark riechenden pflanzlichen Ölen (siehe Testtabelle). Sie sind keine Arzneimittel, sondern als Medizinprodukte im Handel. Für sie gelten andere Zulassungsbestimmungen. Zur Wirksamkeit gibt es meist nur Laboruntersuchungen – Studien zur therapeutischen Wirksamkeit bei Kopflausbefall an Menschen fehlen in der Regel.
Der Hersteller von EtoPril (Dimeticon) hat eine solche Studie vorgelegt. Die therapeutische Wirksamkeit reicht danach nicht ganz an die der Insektizide heran. Sie ist noch nicht ausreichend nachgewiesen. Mittel mit Dimeticon gelten deshalb als „mit Einschränkung geeignet“, zum Beispiel wenn Präparate mit Permethrin oder Pyrethrumextrakt nicht angewendet werden können wie in der Schwangerschaft.
Keine Angst vor Insektiziden
Der Hersteller von EtoPril hat in einer Werbekampagne mit dem Satz „Insektizide gehören nicht auf Kinderköpfe“ in einem offenen Brief Ängste geschürt. Für EtoPril wird mit dem Slogan „Giftfrei gegen Kopfläuse“ geworben. Solche Aussagen fanden ein kritisches Echo. Denn richtig angewendet sind Insektizide gegen Läuse wirksam, Nebenwirkungen am Menschen selten.
Problematische Sprays
Kritisch zu sehen sind dagegen Sprays. Das Jacutin Pedicul Spray zum Beispiel enthält ebenfalls ein gegen Läuse gut wirksames Insektenvernichtungsmittel. Als Spray besteht aber das Risiko, den Wirkstoff als Sprühnebel einzuatmen, was zu Schleimhautreizungen, allergischen Reaktionen und Asthmaanfällen führen kann. Es ist deshalb als „wenig geeignet“ beurteilt worden.
Das Paracelsia Läuse-Abwehr-Spray, 100 Milliliter für 9,95 Euro, soll gegen Läuse vorbeugen: Der „abschreckende“ Stoff Ethyl-acetyl-butyl-beta-alaninat wird auch gegen Zecken eingesetzt (siehe Test: Mittel gegen Zecken aus test 5/2008). Auch bei diesem Spray besteht das Risiko, den Wirkstoff einzuatmen und die Atemwege zu reizen. Überhaupt ist Vorbeugung generell nicht nötig. Sinnvoller bei „Läusealarm“ ist eine regelmäßige Kontrolle durch Auskämmen der nassen Haare. Das „nasse Auskämmen“ ist dann auch bei Läusebefall nötig. In England hat diese Methode eine noch größere Bedeutung, weil Kopfläuse dort durch die breite unsachgemäße Anwendung von Anti-Läuse-Mitteln oft gegen Insektizide resistent wurden – das Auskämmen und die Anwendung von „Erstickungsmitteln“ sind dann oft das Einzige, was getan werden kann.
Die richtigen Läusekämme
Nissen sitzen fest am Haar, Läuse verbergen sich in der Nähe der Kopfhaut. Umso wichtiger ist das sorgfältige und handfeste „nasse Auskämmen“. Wir haben gekämmt und dabei insbesondere die Handhabung von Läusekämmen geprüft (siehe Text Läusekämme):
- Mit langzinkigen Kämmen ließen sich langes, lockiges und auch kurzes Haar gleichermaßen gut auskämmen.
- Bei Kämmen mit kurzen und zum Teil auch mittellangen Zinken ließ sich meist nur kurzes Haar gut auskämmen.
- „Problemfelder“ liegen hinter den Ohren und an den Schläfen. Große Griffe, lange breite Leisten können dort beim Kämmen stören. Bei langem und lockigem Haar werden Strähnen oft erneut mit eingezogen.
- Die Handhabung und Griffigkeit der Kämme könnten insgesamt besser sein.
- Stabile Kämme sind vorteilhafter.
- Integrierte Lupen verschmieren beim nassen Auskämmen rasch.
Wie die Zinken stehen sollten
Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt einen Zinkenabstand von 0,2 Millimetern. Den halten alle Kämme ein oder unterschreiten ihn. Bei sehr engem Zinkenstand ziepen die Haare. Am Ende sollten Zinken eng stehen, denn Eier werden oft in Kopfhautnähe angeheftet. Der Kunststoffkamm, der dem Aesculo Gel „L“ beiliegt, und der CareLine haben nach innen gewölbte Zinkenenden, die sich der Kopfform gut anpassen. Nach außen gewölbte Zinkenenden erschweren es, den Kamm auf der Kopfhaut zu führen. Laut RKI soll ein Läusekamm auf Küchenpapier abgestreift und gereinigt werden können. Nur mit dem Kamm zum Aesculo Gel „L“ klappte das „befriedigend“.
Tipp: Wer noch mehr zum Thema wissen möchte, kann das Faltblatt „Kopfläuse – was tun?“ bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, E-Mail: order@bzga.de, bestellen. Es ist gratis.
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