27.04.2005

Kinderräder: Enttäuschend schlecht

Kinderräder Test

Lieblos gebaut, schlampig verarbeitet, schnell kaputt: Viele Kinderfahrräder enttäuschen. 16 Modelle hat die Stiftung Warentest getestet. Keines ist gut. Manchmal bleibt sogar die Sicherheit auf der Strecke. Drei Fahrräder können sich beim Bremsen überschlagen. Auch modisches Zubehör wie Zugstangen, Kupplungen und Trailer bringen weder Spaß noch Sicherheit. test.de sagt, wie Sie trotzdem ein ordentliches Kinderrad finden.

Nach 3 000 Kilometern kaputt

Gute Kinderfahrräder gibt es nicht. Zumindest nicht in diesem Test. 16 Modelle hat die Stiftung Warentest ins Rennen geschickt: Straßenräder für Sechs- bis Zehnjährige. Mit 20-Zoll-Reifen, 3-Gang-Schaltung (ein Rad mit 6-Gang-Kettenschaltung), Schutzblechen, Gepäckträger und Licht. Sieben kleine Tester fuhren die Räder im Praxistest. Angeleitet von fünf Erwachsenen. Ergebnis: Nur ein einziges Rad fährt annähernd gut. Das Puky Cyke Alu für 300 Euro. Das hätte ein gutes Rad werden können. Fehlanzeige. Beim Belastungstest im Labor riss der Rahmen nach einer simulierten Fahrleistung von etwa 3 000 Kilometern. Bei weiterer Belastung kann der Rahmen an dieser Stelle brechen. Haltbarkeit: nur ausreichend.

Für Kinder zu schwer

Schade um das Puky Cyke. Es ist ansonsten solide gemacht: Reifen und Felgen und Gepäckträger sind stabil, der Rahmen ist kindgerecht konstruiert und die Bremsen funktionieren sehr gut. Die meisten anderen Kinderräder sind Mittelmaß. Sie fahren nur befriedigend. Mal passt der Rahmen nicht zum kleinen Radler, mal ist der Sattel unbequem, mal kommen die Kinder mit dem Rad nicht richtig klar. Schwer sind die Kinderräder obendrein. Das gilt aber auch für das Puky. Gewicht der Räder: fast 12 bis 14 Kilogramm. Für sechs- bis zehnjährige Kinder ist das zu viel. Sie können die Räder nicht über die Kellertreppe tragen.

Lieblos gemacht

Am Preis allein kann die schlechte Qualität nicht liegen. Die getesteten Markenräder kosten bis zu 380 Euro. Dafür sollten sich gute Räder bauen lassen. Allerdings gibt es einen Trend zum Billigrad. Viele Kinderräder sind lieblos zusammengeschraubt. Oft werden minderwertige oder nicht kindgerechte Teile verbaut. Beispiel: Gepäckträger. Die haben oft nur eine Strebe und halten kaum was aus. Für Kinder ungeeignet: Schließlich fahren hinten oft Freunde mit. Was für Erwachsene durchgeht, kann für Kinder voll daneben sein. Das gilt etwa für die Bremsen.

Beim Bremsen blockiert das Rad

Alle Anbieter verbauen in den Kinderrädern aggressive V-Brakes für Erwachsene. Diese Bremsen packen bissig zu. Schon bei geringem Druck auf den Bremshebel. Bei einer Notbremsung kann das Vorderrad bei drei Modellen sogar blockieren. Selbst der manchmal eingebaute Bremskraftmodulator verhindert das nicht. Folge: Kind und Fahrrad überschlagen sich. Die Gefahr besteht bei den Kinderrädern Kettler Dumbo 2, Otto Hanseatic und Scott Radical EQ 200. Testurteil: mangelhaft.

Gespanne fahren schlecht

Auch das modische Zubehör zum Koppeln zweier Fahrräder kann im Test nicht punkten. Die Idee: Ein Erwachsener zieht das Kinderfahrrad hinter sich her. Der kleine Passagier kann selber treten. Ist das Kind müde, lässt es sich einfach ziehen. Fünf Systeme hat die Stiftung Warentest exemplarisch untersucht: Drei verschiedene Kupplungen und zwei so genannte Fahrradtrailer mit integriertem Kinderrad. Wie bei den Kinderfahrrädern mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission. Doch ob Zugstange, Kupplung oder Fahrradtrailer: Die Gespanne aus Erwachsenen- und Kinderfahrrad fahren schlecht. Das Kinderrad pendelt nach links und rechts. Das Gespann schwankt.

Fahrradtrailer unsicher

Die Fahrradtrailer von ZEG und Tchibo sind sogar ausgesprochen gefährlich. Das Material wird müde. Im Test brach die Verbindung zum Zugfahrrad schon nach kurzer Zeit. Die Folge: Das im Trailer integrierte einrädrige Kinderrad macht sich selbstständig. Kinder haben keine Chance, sich auf dem abgebrochenen Trailer zu halten. Im Verkehr wäre das lebensgefährlich. Beide Anbieter haben ihre Trailer nach dem Test der Stiftung Warentest sofort zurückgerufen.

Augen auf beim Kauf

Da es keine guten Kinderfahrräder von der Stange gibt, ist das wache Auge beim Kauf besonders wichtig. Wer etwas mehr Geld anlegt, kann den einen oder anderen Mangel durch Nachrüstung beheben. Lenkergriffe mit Prallschutz oder ein stabiler Gepäckträger kosten nicht die Welt. Stiftung Warentest online gibt Tipps zum Fahrradkauf.

Komplett + Interaktiv: Test Kinderfahrräder aus der Zeitschrift test
Test Fahrradhelme: Guter Schutz für wenig Geld

Dieser Test wurde von der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz der Europäischen Kommission gefördert.

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