27.02.2003

Kinderhochstühle: Massenweise Mängel

Kinderhochstühle Test

Kleine Kinder leben gefährlich, auch in manchen Hochstühlen. So lautet das Fazit auch nach diesem Test. 7 von 15 Modellen fielen bei der Sicherheit durch.

Es ist schon ein deprimierendes Ergebnis: Fast jeder zweite der getesteten Kinderhochstühle ist nicht sicher genug. Einige können kippen, wenn der Nachwuchs mal nicht so ruhig bleibt, wie es sich manche Hersteller offenbar vorstellen. Gefährlich werden kann es beispielsweise auch, wenn der Schrittgurt zwischen den Beinen nicht eng genug sitzt. Dann könnte das Kleine unbemerkt ein Bein zum anderen hinüber nehmen und so ungehindert nach unten durchrutschen. Schlimmstenfalls bleibt das Kind dabei mit dem Kopf im Stuhl hängen.

Spätestens ab dem achten oder neunten Monat sollte ein Hochstuhl her. So kann das Baby mit den Großen am Tisch sitzen und auf Augenhöhe gefüttert werden. Hat der Hochstuhl eine Tischplatte, kann es darauf spielen oder essen. Aus dieser Vogelperspektive beobachten die wissbegierigen Kleinen gern ihre Umgebung. Später versuchen sie dann schon mal, quer über den Esstisch zu langen, um nach einem Spielzeug oder Löffel zu angeln, und beugen sich weit hin­unter, wenn etwas gefallen ist. Kurzum: Die Kinder werden größer und mobiler. Auch dann muss ein Hochstuhl für Sicherheit sorgen. Was aber nicht immer gelingt. Nur zwei Stühle schnitten in der Sicherheit insgesamt „gut“ ab: Ikea Gulliver und Ikea Antilop.

Nie absolut sicher

Kinderhochstühle Test
Ein Klettermax will allein hoch hinaus (Ikea Gulliver).

Ob ein Kind durchrutschen kann, haben wir bei diesem Test strenger als beim letzten bewertet, die Gefahren deutlicher moniert. Und nicht zuletzt Hinweise unserer Leser haben gezeigt, dass auch der standfesteste Stuhl kippen kann – zum Beispiel dann, wenn sich Kinder vom Tisch abstoßen und der Stuhl dabei nicht ein wenig wegrutschen kann, was gefährliches Übergewicht verhindern würde. Ob das klappt, hängt aber auch davon ab, wie gleitfähig der Boden ist – und da ist Teppichboden nun mal anders als Parkett. Und selbst wenn die Eltern dabeisitzen, reagieren sie womöglich zu spät, können das Kippen nicht verhindern, weil sich das Kind blitzartig abstößt. Umso wichtiger, dass die Hersteller möglichst viel für die Sicherheit tun.

Ein Kinderhochstuhl sollte auch aushalten, dass die Kleinen an ihm herumturnen. Klettert ein unternehmungslustiger Junior aber beispielsweise auf die Fußstütze des Peg Pérego oder Brevi, kann er diese beiden Schalenstühle so zum Kippen bringen.

Und wenn ein Geschwisterkind von unten an der Tischplatte zerrt oder darauf drückt, können zum Beispiel der Storchenmühle und der Schardt Basic mit dem Jüngsten darin nach vorn kippen. Solche Ausnahmefälle haben wir aber weniger scharf bewertet als Situationen, in denen die Stühle ohne Einwirkung von außen ins Kippen kommen.

Unbequem

Kinderhochstühle Test
Wenn die Tischplatte näher gerückt wird, droht Klemmgefahr ...

Hochstühle müssten eigentlich beträchtliche Größenunterschiede bewältigen: Mit neun Monaten misst ein Kind im Durchschnitt 70 Zentimeter, mit zweieinhalb Jahren 20 Zentimeter mehr. Und zwischen einem kleinen Neunmonatigen und einem großen Dreijährigen können sogar 35 Zentimeter liegen. Trotzdem sollte es möglich sein, dass alle Kinder die Beine abstützen und den Rücken anlehnen. Bei den Tisch-Stuhl-Kombinationen können sie das nicht, weil die Sitztiefe nicht zu verstellen ist. Hier sitzen sie nur anfangs – mit Sitzverkleinerer – ganz bequem und dann erst später wieder, wenn sie mit etwa zweieinhalb Jahren groß genug sind, um den Rücken anzulehnen und gleichzeitig die Beine abzuwinkeln. Zwischendurch haben sie wegen der großen Sitzfläche nur die Wahl: Entweder lehnen sie sich an und haben dafür recht durchgestreckte Beine, oder sie winkeln die Knie an und haben keine Rückenstütze. Beides ist unbequem und auf Dauer nicht gut für die Haltung.

Mitwachsende Modelle lassen sich meist ganz gut an die Körpermaße anpassen. Bei Roba und Hauck beispielsweise klappte das aber nicht, weil Querstange samt Gurt beim Höherstellen der Fußstützen für die Kleinsten im Weg waren. Da baumeln die Beine in der Luft.

Kaum Altersangaben

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... für Groß und Klein (Geuther family).

Für welches Alter oder welche Größe sich die Stühle eignen, haben wir in der Tabelle ab Seite 74 angegeben. Auf den Stühlen sucht man solche Angaben meist vergebens. Und die, die wir fanden, waren in keinem Fall vollkommen korrekt. Völlig daneben liegt Storchenmühle mit der Empfehlung „ab 3 Monaten“ – in diesem Alter kann noch kein Baby sitzen.

Materialmängel

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Ohne Tischplatte können Kleine durchrutschen (Geuther family).

Ärgerlich auch, wenn Holz splittert wie beim Roba an der Sitzfläche oder beim Hauck Alpha am Bügel. Beim Pinolino scheiterten die Prüfer schon fast an der Montage, weil Bohrlöcher fehlten. Und der Ikea Gulliver schaffte das Kunststück, in der Standsicherheit „befriedigend“ abzuschneiden, obwohl er leicht in sich kippelte: Die Stuhlbeine ließen sich nicht völlig gleich einsetzen.

Völlig unannehmbar sind verbotene Azofarben in dem Bezug des Sitzverkleinerers, den wir als Sonderzubehör mit dem Roba Sit up eingekauft haben. Der dürfte mit diesem Stoff gar nicht verkauft werden. Wir haben den Anbieter und die Gewerbeaufsicht informiert.

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