14.02.2006

Kassenpatienten im Krankenhaus: Nicht auf Rosen gebettet

Kassenpatienten im Krankenhaus Meldung
Dr. Brentano und Dr. Kreutzer informieren den Patienten ausgiebig über die Behandlung: In der Fernsehserie „In aller Freundschaft“ funktioniert das, im Krankenhausalltag nicht immer.

Kassenpatienten müssen im Krankenhaus bis zu 280 Euro selbst bezahlen. Doch immerhin können sie sich über die Qualität der Kliniken nun besser informieren.

Kassenpatienten müssen sich keine ­Sorgen um die Qualität ihrer Behandlung im Krankenhaus machen. Davon ist Helga Kühn-Mengel, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, trotz Ärzteprotesten und Sparmaßnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung überzeugt: „Die ­Versorgung in den Krankenhäusern in Deutschland ist gut.“

Ihre Einschätzung hätten auch die Patienten bestätigt, die im vergangenen Jahr anlässlich einer internationalen Studie zum Gesundheitssystem befragt wurden.

„Die Studie zeigte aber auch, dass es Probleme in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient gibt“, erklärt die Bundestagsabgeordnete. Sie soll die Interessen der Patienten auf Bundesebene vertreten und ist mit ihrem Team Ansprechpartner bei Problemen (siehe „Streitschlichter“).

„Viele Patienten fühlen sich von den Ärzten unzureichend über ihre Behandlung informiert“, so Kühn-Mengel. „Daran müssen die Ärzte arbeiten. Und die ­Patienten sollten sich trauen, ihnen Fragen zu stellen.“

Der Klinikarzt entscheidet

Die Patientenbeauftragte gibt es seit der Gesundheitsreform von Anfang 2004. Auch im Krankenhaus hat sich seither einiges verändert. Aber das Wichtigste gilt weiterhin: Jeder gesetzlich Krankenversicherte hat Anspruch auf eine Behandlung im Krankenhaus, wenn sie hilft, eine Krankheit zu erkennen, sie zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten und Beschwerden zu lindern.

Die Kassen übernehmen nicht nur die Kosten für den vollstationären Aufenthalt, sondern zum Beispiel auch die für die notwendigen Vorbereitungsuntersuchungen. Ist es für den medizinischen Erfolg wichtig, wird zum Beispiel bei Kindern auf Kosten der Kasse auch eine Begleitperson mit im Krankenhaus aufgenommen.

Über die Aufnahme in ein Krankenhaus entscheidet der Klinikarzt. Er muss prüfen, ob die stationäre Behandlung notwendig ist und nicht durch eine ambulante ­Behandlung mit zusätzlicher häuslicher Krankenpflege ersetzt werden kann.

Stellt die Krankenkasse anschließend fest, dass eine vollstationäre Behandlung ungerechtfertigt war, hat das für den ­Patienten allerdings keine finanziellen ­Folgen. Dieses Problem regeln Kasse und Klinik untereinander.

28 Tage lang 10 Euro pro Tag

Gesetzlich Versicherte haben während der Zeit im Krankenhaus Anspruch auf ärztliche Behandlung, Krankenpflege und die Versorgung mit notwendigen Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln sowie auf Unterkunft und Verpflegung.

Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres haben die Krankenkassen dafür insgesamt 36,4 Milliarden Euro und damit mehr als ein Drittel ihrer Gesamtausgaben bezahlt. Das entspricht etwa den Werten des Vorjahres, als in zwölf ­Monaten fast 48 Milliarden Euro in die Krankenhausbehandlung flossen.

Patienten über 18 Jahre müssen für jeden Tag im Krankenhaus 10 Euro zuzahlen – maximal 280 Euro im Jahr. Ab dem 29. Tag entfallen die Zahlungen. Frauen, die zur Entbindung in die Klinik kommen, sind ganz davon befreit. Sie müssen für einen stationären Aufenthalt vor der Geburt, den Entbindungstag selbst und die sechs Tage danach nichts zuzahlen.

Für die übrigen Patienten entfallen die Zahlungen, wenn sie im laufenden Kalenderjahr mehr als 2 Prozent ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen für Arztbesuche, Medikamente oder Krankentransporte ausgegeben haben. Für chronisch Kranke liegt die Grenze bei 1 Prozent der Einnahmen.

Die Medikamente, die Massagen oder die Physiotherapie bekommt der Patient im Krankenhaus ohne Selbstbeteiligung – anders als außerhalb der Klinik.

Er trägt jedoch einen Teil der Kosten für Krankentransporte. Wird er zum Beispiel mit dem Notarztwagen in die Klinik ­gebracht, übernimmt er 10 Prozent der Fahrtkosten selbst und zahlt mindestens 5, höchstens 10 Euro pro Fahrt.

Fahrten zu ambulanten Behandlungen im Krankenhaus dürfen die Kassen nur in Ausnahmefällen zahlen. Dazu zählen Krebspatienten, die zur Chemotherapie gebracht werden, oder Dialysepatienten.

Einzelzimmer und Chefarzt

Gesetzlich Versicherte werden in der Regel im Mehrbettzimmer untergebracht und vom Dienst habenden Arzt – zum Beispiel Stations- oder Oberarzt – behandelt. Wer wie ein Privatpatient Chefarztbehandlung oder ein Einzelzimmer wünscht, kann diese „Wahlleistungen“ zukaufen.

Die Preise für Einbett- und Zweibettzimmer hängen vom Krankenhaus ab: „Entscheidend sind unter anderem Größe und Ausstattung der Zimmer sowie Serviceleistungen wie Telefon oder tägliche Zeitung“, erklärt Petra Wallmann von der Charité in Berlin. Dort kostet ein Einbettzimmer in der Regel 100 Euro pro Tag.

Entscheidend für den Preis ist aber auch, wie der Standard der übrigen Zimmer ist: „Zum Beispiel sind in unserer Strahlenklinik Zweibettzimmer Standard für Kassenpatienten. Wer dort ein Einzelzimmer möchte, zahlt nur 70 Euro“, so Wallmann.

Diese Wahlleistung kann der Patient aus eigener Tasche übernehmen. Er kann dafür aber auch eine private Krankenhauszusatzversicherung abschließen.

Solche Versicherungen kommen auch dafür auf, wenn der Patient vom Chefarzt behandelt werden möchte. Das kann schnell einige Tausend Euro kosten, denn die Chefarztbehandlung gibt es nur im Komplettpaket: Sämtliche Untersuchungen und Behandlungen werden dann nach der für Privatpatienten geltenden Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet.

Doch nicht jeder kann eine Zusatzversicherung fürs Krankenhaus abschließen. Die privaten Versicherer suchen sich ihre Kunden aus. Wer schwer krank oder schon im Rentenalter ist, bekommt oft keinen Vertrag.

Klappt der Vertrag, beginnt eine Wartefrist. In den ersten drei Monaten zahlen die Versicherer meist noch nicht.

Kürzere Liegezeit in der Klinik

Wie lange ein Patient im Krankenhaus bleibt, spielt heute – anders als früher – für die Abrechnung zwischen Krankenhaus und Krankenkasse kaum noch eine Rolle. Um Kosten zu senken, wurde die Krankenhausfinanzierung komplett umgestaltet. Abgerechnet wird heute nicht mehr anhand der Verweildauer, sondern mithilfe leistungsbezogener Fallpauschalen, „Diagnosis Related Groups“ oder kurz DRG. So ist zum Beispiel der Preis für eine Blinddarmoperation und die dazu gehörende Versorgung vorgegeben.

Nach einer Übergangsphase sollen ab 2009 innerhalb eines Bundeslandes gleiche Preise für die einzelnen Behandlungen gelten. Ziel des neuen Systems ist es nicht nur, medizinische Leistungen vergleichbarer zu machen, sondern auch, die Wirtschaftlichkeit in den Krankenhäusern zu erhöhen.

„Allerdings müssen die Patienten nicht fürchten, aus wirtschaftlichen Gründen zu früh entlassen zu werden“, erklärt Helga Kühn-Mengel. „Dagegen spricht schon, dass sich ein solches Vorgehen einer Klinik viel zu schnell herumsprechen würde und die Patienten wegblieben. Außerdem müssen die Krankenhäuser Vergütungsabschläge hinnehmen, wenn sie die vorgegebenen Mindestverweildauern unterschreiten und früher entlassen.“

Unangenehme Folgen kann das DRG-System aber in ländlichen Regionen haben. Dort müssen sich Patienten darauf einstellen, dass der Weg zur geeigneten Klinik in Zukunft womöglich länger wird.

Viele Kliniken seien in Zukunft darauf angewiesen, sich zu spezialisieren und Schwerpunktzentren zu bilden, sagt die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Sie geht davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren bis zu 300 der knapp 2 200 Kliniken schließen müssen.

Qualität auf dem Prüfstand

Parallel zu den Fallpauschalen hat der Gesetzgeber mit der Gesundheitsreform mehrere Maßnahmen zur Qualitätssicherung vorgegeben. Die Kliniken müssen alle zwei Jahre einen Qualitätsbericht veröffentlichen, in dem sie über Art und Umfang der Krankenhausleistungen informieren.

Daran lässt sich zum Beispiel ablesen, ob eine Klinik die für eine Behandlung vorgeschriebene Mindestmenge erreicht. Ein Krankenhaus muss zum Beispiel pro Jahr 50 Eingriffe nachweisen, bei denen ein künstliches Kniegelenk eingesetzt wurde, um diese Leistung weiter anbieten zu dürfen. Diese Mindestmengen legt der ­Gemeinsame Bundesausschuss fest, dem Vertreter der Ärzte, Krankenkassen und Patienten angehören.

Immer mehr ambulant

Für eine stetig steigende Zahl von Operationen müssen Patienten heute gar nicht mehr über Nacht in der Klinik bleiben. Nach einem Leistenbruch oder bei grauem Star operieren die Ärzte heute oft ambulant in der Klinik. Erwachsene können noch am Tag des Eingriffs nach Hause.

Zusätzlich zu den ambulanten Operationen können die Kliniken nun weitere ambulante Behandlungen mit den Krankenkassen abrechnen. Die Kassen bezahlen zum Beispiel die Klinikbehandlungen im Rahmen von Disease-Management- Programmen, die die Versorgung chronisch Kranker verbessern sollen. Sie kommen auch für die ambulante Behandlung seltener Krankheiten und solcher mit besonderen Verläufen auf. Dazu zählen Aids und einzelne Krebserkrankungen.

Vorantreiben will der Gesetzgeber auch die Möglichkeiten der integrierten Versorgung: Die Krankenkassen können Einzelverträge mit Anbietergemeinschaften aus Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und Reha-Einrichtungen schließen. Diese Gemeinschaften bieten zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Problemen, Diabetes oder Hüft- und Kniegelenkoperationen eine übergreifende Behandlung an und rechnen sie auch gemeinsam ab.

Ziel ist es, die Behandlung durch stärkere Zusammenarbeit der Beteiligten zu verbessern und etwa Doppeluntersuchungen zu vermeiden. „Wir müssen die Vernetzung der medizinischen Bereiche verbessern“, fordert auch Helga Kühn-Mengel. „Die Vernetzung ist eine Schwachstelle unseres Gesundheitswesens.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Unser Rat

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (0)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice