14.02.2012

Investmentfonds: Renditechancen nutzen

Das Depot strukturieren

In der Finanzkrise kamen die Unzulänglichkeiten ans Licht – nicht nur die der Fondsmanager, sondern auch in den Depots der Anleger. Viele sind einfach unstrukturiert. Doch eine gute Depotstruktur ist für den Erfolg mindestens ebenso wichtig wie die Auswahl guter Fonds. test.de zeigt Anlegern den Weg.

Aufteilung zwischen Aktien- und Rentenfonds

Im ersten Schritt müssen sich Anleger überlegen, wie sie Ihr Geld zwischen Aktien- und Rentenfonds aufteilen wollen. Anleger sollten sich zunächst überlegen, wie lange sie ihr Geld anlegen wollen und welche möglichen Kurseinbrüche ihre Nerven aushalten. Ebenso sollten sie sich Gedanken darüber machen, was ihre Anlage am Ende mindestens bringen soll. Ein Fondsdepot ist erst dann sinnvoll, wenn Anleger mindestens fünf, besser noch zehn Jahre oder länger einplanen. Finanztest hat ein spezielles Werkzeug entwickelt (siehe Schaubild), mit dem Anleger die passenden Quoten von Aktien- und Rentenfonds ermitteln können. Dabei ist es egal, ob sie ein Depot neu bestücken oder die Struktur eines bestehenden anpassen wollen. Am einfachsten ist es für Anleger, eines der drei Musterdepots von Finanztest auszusuchen.

Musterdepot Sicherheit

Der Aktienanteil liegt bei 15 Prozent, der Anteil an Rentenfonds bei 85 Prozent. Rentenfonds sind für eine längerfristige Anlage besser geeignet als Anleihen oder Festzinsprodukte, da ihre Laufzeit nicht begrenzt ist und Anleger sich daher nicht ständig um eine Neuanlage kümmern müssen. Da auch die Kurse von Rentenfonds schwanken, ist ein geringer Aktienfondsanteil gut geeignet, um diese teilweise wieder auszugleichen. Das erkennen Anleger an der roten Kurve im unteren Diagramm: Wer nur Rentenfonds kauft, muss zwischenzeitlich mit Einbrüchen von minus 10 Prozent rechnen. Mit 15 Prozent Aktienfonds im Depot liegen die Einbrüche dagegen nur minus 7 Prozent. Die durchschnittliche Rendite so eines Sicherheitsdepots lag in den vergangenen 30 Jahren durchschnittlich bei 7,5 Prozent (gelbe Kurve im Schaubild oben). Geben Anleger ihrer Anlage aber nur fünf Jahre Zeit, können sie statt 7,5 Prozent im ungünstigsten Fall mit einer Jahresrendite von nur 2,2 Prozent dastehen (hellblaue Kurve im mittleren Teil des Schaubildes). Diese Mindestrendite hat Finanztest aus Simulationen errechnet, auf Grundlage der Marktwerte der vergangenen 30 Jahre. Bleiben Anleger länger investiert, kann die Mindestrendite nicht mehr so schlecht ausfallen: Bei 10 Jahren beträgt sie knapp 4 Prozent, bei 20 Jahren rund 5 Prozent.

Musterdepot Rendite

Das Renditedepot besteht zu 70 Prozent aus Aktien- und 30 Prozent Rentenfonds. Haben Anleger 15 oder 20 Jahre Zeit, sollten sie dieses Depot umsetzen. Die Renditechance liegt hier bei durchschnittlich 9 Prozent pro Jahr (gelbe Linie im Schaubild oben). Selbst wenn alles schiefgeht, bleiben Anleger am Ende aller Wahrscheinlichkeit im Plus - 1 Prozent bei 15 Jahren Laufzeit (graue Linie im mittleren Teil des Schaubildes oben), 2 Prozent nach 20 Jahren Laufzeit (dunkelblaue Linie im mittleren Teil des Schaubildes oben). Diese Depotstruktur ist aber nur geeignet, wenn Anleger zwischenzeitlich Verluste von rund 40 Prozent verkraften können (rote Linie im unteren Teil des Schaubildes oben).

Ausgewogenes Musterdepot

Dies ist der Kompromiss zwischen Sicherheits- und Renditedepot. Die Aktienquote beträgt 40 Prozent, die für Rentenfonds 60 Prozent. Die Renditechance liegt bei 8,25 Prozent und ist deutlich höher als im Sicherheitsdepot. Das Risiko ist nur halb so hoch wie bei der Renditevariante: Zwischenzeitliche Kurseinbrüche werden wahrscheinlich nicht mehr als 20 Prozent betragen. Grund für die 40-prozentige Aktienquote: Anleger erhalten dann selbst nach der kürzesten Laufzeit von fünf Jahren am Ende zumindest noch das ursprünglich angelegte Geld.

Wichtig: Was Sie an den Kurven ablesen, sind keine fixen Größen. Eine Garantie, dass Sie so oder besser abschneiden, kann Finanztest nicht geben. Aber aus den Berechnungen ergibt sich dafür eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit. Ebenso müssen Sie sich nicht sklavisch an die Vorgaben halten. Sie können Ihre Aktienquote mit Hilfe der drei Grafiken individuell festlegen. Gehen Sie von der Laufzeit aus, wenn Sie wissen, wie lange Sie Ihr Geld anlegen wollen. Je kürzer die Laufzeit, desto vorsichtiger sollten Sie mit dem Aktienanteil sein. Wissen Sie nicht, wie lange Sie Ihr Geld anlegen wollen, sollten Sie sich am zwischenzeitlichen Verlustrisiko orientieren.

Am Laufzeitende

Anleger sollten das Depot einmal im Jahr anpassen. Denn sind die Börsen gut gelaufen, ist der Aktienfondsanteil und damit auch das Risiko plötzlich zu hoch. Mit einem Ablaufmanagement können Anleger zudem verhindern, dass ein Crash gegen Ende der Laufzeit den Erfolg zunichte macht. Besser ist es daher, die Gewinne nach und nach in Sicherheit zu bringen und den Aktienfondsanteil zu verringern. Allerdings lohnt das Ablaufmanagement nur, wenn wirklich Gewinne aufgelaufen sind. Wer gerade einen Crash hinter sich hat, sollte die Aktienquote nicht verringern. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Aktien wieder erholen, ist vergleichsweise groß.

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