26.09.2013

Interview Einbruch­schutz: „Einbrecher kommen meist am Tage“

Interview Einbruchschutz Special

Über steigende Einbruchzahlen und den besten Einbruch­schutz hat test.de mit Georg von Strünck gesprochen. Er ist als Haupt­kommis­sar beim Berliner Landes­kriminal­amt zuständig für tech­nische Prävention. Ausführ­liche Hinweise und Tests zum Einbruchs­schutz stehen im aktuellen Special „So sichern Sie Haus und Wohnung“.

Den Einbrechern die Arbeit erschweren

test.de: Warum sind vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser in der dunklen Jahres­zeit stärker einbruchs­gefährdet?

Von Strünck: Im Sommer ist es lange hell und die Bewohner sind oft draußen. Mögliche Ungereimtheiten wie fremde Personen auf Nach­bars Grund­stück fallen dann schneller auf. Viele Fenster stehen offen, so dass Geräusche wie klirrendes Glas auffallen. Im Winter sind die Fenster zu und die Vorhänge oft zugezogen. Es wird früh dunkel. Und tags­über ist man weniger im Garten oder auf der Terrasse. Einbrecher können so leichter unent­deckt agieren. Und diese Chance nutzen sie.

Kommen die Täter vor allem nachts?

Nein, die meisten Einbrüche finden tags­über statt, wenn die Bewohner außer Haus sind. Einbrecher sind heimliche Täter, die den Gefahren einer Konfrontation meist aus dem Weg gehen wollen. Manche Täter tarnen sich übrigens gern als Hand­werker oder haben Unter­schrifts­listen für irgend­etwas dabei.

Lässt sich ein Haus mit einfachen Maßnahmen so nach­rüsten, dass es absolut einbruchsicher ist?

Wir sprechen nie von absolut sicher, sondern von einbruchhemmend. Absolute Sicherheit haben Sie nie. Aber mit relativ einfachen Maßnahmen können Sie den Einbrechern die Arbeit deutlich erschweren. Oft geben die auf, wenn sie in den ersten Minuten nicht erfolg­reich eindringen können.

Lassen sich die Täter manchmal auch von vorn­herein abschre­cken?

Ja, wenn die Einbrecher Gitter an Kellerfens­tern und stabile Roll­läden sehen, kann es gut sein, dass sie es bei einem solchen Haus gar nicht erst versuchen. An Wohnungs­türen können auch die typischen Schlösser, die zum Beispiel auf den Einbau eines zusätzlichen Querriegels auf der Innenseite hindeuten, durch­aus eine abschre­ckende Wirkung haben. Einbrecher sind sehr sensibel für Sicherungs­technik: Warum sollen sie sich die Zähne ausbeißen, wenn nur fünf Häuser weiter viel weniger Arbeit erforderlich ist, um sich Zugang zu verschaffen.

Türen, Fenster und Terrassentüren sichern

Was ist ihr wichtigster Tipp für Wohnungs­türen?

Bei Wohnungen in höheren Stock­werken ist die Wohnungs­tür meist die entscheidende Barriere für die Einbrecher. Hier lohnt es sich deshalb ganz besonders, die vorhandene Tür zu über­prüfen und bei Bedarf nach­zurüsten. Dafür gibt es gute, bewährte Sicherungen: Zum Beispiel Stangenschlösser und Querriegel. Voraus­setzung ist aber, dass das Türblatt ausreichend stabil.

Gilt das nicht genauso für Ein- und Zweifamilienhäuser?

Doch, aber hier ist die Gefähr­dung meist eine andere. Hier wählen viele Täter lieber den bequemeren Weg durch gut erreich­bare Fenster oder Balkon- und Terrassentüren.

Immer öfter haben Türen und Fenster energiesparende Dreifach-Verglasungen. Viele hoffen, dass sie so auch vor Einbruch geschützt sind. Stimmt das?

Ob das eine 2-fach oder 3-fache Verglasung ist, interes­siert die Einbrecher nicht besonders. Eine 3-fach-Verglasung ist kaum sicherer als eine 2-fache. Wenn der Einbrecher den Lärm nicht scheut, schlägt er ein kleines Loch hinein, greift hindurch und öffnet den Griff. Der beste Schutz ist dann ein abschließ­barer Fens­tergriff. Der lässt sich leicht nach­rüsten. Sie sollten aber einen einbruchhemmenden Griff und keine Kinder­sicherung kaufen.

Können nach­träglich aufgeklebte Folien den Einbruch­schutz verbessern?

Ja. Es sollte allerdings eine durch­wurfhemmende Folie gemäß DIN EN 356 P2A sein.

Der Aufhebel-Gefahr vorbeugen

Schlagen die Einbrecher tatsäch­lich oft die Scheiben ein oder hebeln sie lieber Türen auf?

Bei Einfamilien­häusern kann man sagen, dass der ganz über­wiegende Teil der Einbrecher durch Hebeln in die Wohnung kommt und nur relativ wenige tatsäch­lich Löcher in die Scheiben schlagen.

Worauf sollten Verbraucher beim Neukauf eines Fens­ters achten?

Neue Fenster sollten den Einbruch­schutz gleich einge­baut haben. Dies ist dann der Fall, wenn sie nach DIN EN 1627 geprüft und zertifiziert sind. Wir empfehlen die Widerstands­klassen RC 2 und RC 3.

Erklären Sie bitte doch einmal, warum herkömm­liche Roll­zapfen unzu­reichend sind und wie man ein damit ausgestattetes Fenster nach­träglich sichern kann.

Herkömm­liche Roll­zapfen sind nicht sicher. Dieser simple Verschluss­mecha­nismus von Fens­tern und Türen dient einzig und allein dem Schutz vor Wind und Wetter. Nicht der Einbruchsicherung! Setzt der Täter hier von außen ein Hebel­werk­zeug an, kann der Roll­zapfen seitlich wegrutschen oder die „Nase“ der Halterung abbrechen. Wir empfehlen, solche Fenster nach­zurüsten: Entweder mit neuen Beschlägen mit Pilz­kopf­zapfen. Oder mit Zusatz­sicherungen, die auf Rahmen und Fens­terflügel geschraubt werden und dort für eine sichere Verbindung sorgen. Wer sich für diese Zusatz­sicherungen entscheidet, sollte beachten, dass sie nicht nur auf der Öffnungs­seite des Fens­ters erforderlich sind, sondern auch an der Scharnierseite.

Was halten Sie vom Einbau preis­werter Fest­verglasungen anstelle von Fens­terflügeln – natürlich nur dort, wo die Fenster nicht geöffnet werden müssen?

Im Hinblick auf den Einbruch­schutz ist das sinn­voll. Aufhebeln funk­tioniert bei Fest­verglasungen nicht. Der Einbrecher könnte das Glas allenfalls groß­flächig einschlagen. Aber das wäre mit viel Lärm verbunden.

Im Zweifels­fall die Profis ranlassen

Viele Heim­werker erfinden eigene Sicherungs­maßnahmen. Zum Beispiel gab ein Leser den Tipp, ohnehin nie geöff­nete Kellerfenster am Rahmen zu verschrauben. Ein anderer hat auf seine Kellertür eine Multiplexplatte geschraubt und sie mit einem Balken verrammelt. Was halten Sie von solchen Lösungen?

Das kann im Einzel­fall sinn­voll sein. Oft sind Basteleien eine preisgüns­tige Alternative. Sie erfordern aber hand­werk­liches Geschick. Bei selten genutzten Fens­tern kann man auch über den Einbau einer Teleskopriegel­stange nach­denken, die links und rechts in stabil befestigten Halterungen liegt. Sehen Einbrecher solche Stangen, lassen sie meist die Finger davon um sich Arbeit zu ersparen. Grund­sätzlich rate ich allerdings dazu, dass sich Haus­besitzer und Mieter professionell beraten lassen sollten und den Einbau der Sicherungs­technik den Fachleuten über­lassen sollten.

Im Zweifel sofort 110 anrufen

Wie sollen sich zum Beispiel Nach­barn verhalten, die das Klirren einer Glasscheibe hören?

Sie sollten auf jeden Fall reagieren und aus dem Fenster schauen, ob sie in der Nähe verdächtige Personen sehen. Falls Sie dann zum Beispiel fremde Personen beob­achten, die vielleicht Schmiere stehen oder die erst mal abwarten, ob jemand auf das Klirren reagiert, dann sollten Sie sofort die Polizei unter 110 anrufen.

Sollte man verdächtige Personen auch selbst ansprechen?

Wenn Sie eine fremde Person auf dem Nach­bargrund­stück sehen – sprechen Sie sie ruhig an! Aber: Niemand sollte den Helden spielen und sich in Gefahr bringen. Im Verdachts­fall sollten Sie nicht zögern und die Polizei anrufen. Wenn wir Einbrecher auf frischer Tat erwischen, dann verdanken wir dies meist aufmerk­samen Nach­barn.

Wie soll ich reagieren, wenn ich oben im Schlaf­zimmer bin und unten Geräusche eines Einbrechers höre?

Lärm machen. Unbe­dingt Lärm machen! Und wenn ein Telefon in der Nähe ist: verständigen Sie sofort die Polizei! Das typische Verhalten von Einbrechern ist Flucht. Die wenigsten wollen eine Konfrontation.

Soll ich einen erwischten Täter fest­halten bis die Polizei eintrifft?

Dies ist nicht zu empfehlen, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen.

Der Einbau der besten Sicherungen nützt mitunter wenig, wenn die Bewohner sie nicht nutzen…

Das ist richtig. Zum Beispiel reicht es nicht aus, die Haustür nur zuzu­ziehen. Wichtig ist das Abschließen – am besten zweimal. Nur dann greift der vorhandene Riegel tatsäch­lich sicher in das Schließ­blech. Auch Fenster im EG sollten immer auch bei kurzer Abwesenheit geschlossen werden.

Auch abschließ­bare Fens­tergriffe können ihren Zweck nur dann erfüllen, wenn die Bewohner die Schlüssel immer konsequent abziehen. Daran immer zu denken, ist gar nicht so leicht. Beherzigen Sie persönlich diese Empfehlungen?

Ja, wir haben auch zuhause abschließ­bare Fens­tergriffe. Und das, obwohl meine Frau erst Widerstand geäußert hat. Aber das ist wirk­lich reine Gewöhnungs­sache. Auch meine zwei Kinder schließen die Fens­tergriffe mitt­lerweile auto­matisch ab.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Einbruch­schutz am Haus

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (2)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice