04.10.2002

Internetprovider: Türöffner zur Datenwelt

Internetprovider Test

Wer ins Internet will, braucht einen Provider. test hat für Sie die Anbieter mit den günstigsten Preisen, den schnellsten Verbindungen und dem besten Service ermittelt.

Digital ist Deutschland noch gespalten. Die einen surfen im Internet, die anderen nicht. Im Mai 2002 gab es laut einer Untersuchung des Markforschungsinstituts Emnid 26,7 Millionen Internetnutzer. Das waren rund drei Millionen mehr als im Jahr zuvor. Dennoch sieht der Auftraggeber der Befragung, die Initiative D 21 (www.initiatived21.de), das Ergebnis kritisch. Jeder zweite Bundesbürger, so die Förderer der Informationsgesellschaft, hat keinen Zugang zum Netz.

Wer den Anschluss nicht verpassen will, sollte ins Internet gehen. Dazu braucht er in der Regel einen Telefonanschluss, einen Computer und einen Dienstleister, der das Tor zur Datenwelt öffnet, Internetprovider genannt (to provide bedeutet versorgen, beliefern).

Bei der Auswahl des Providers interessieren den Nutzer vor allem drei Dinge: Preis, Übertragungsgeschwindigkeit und Service. Der ideale Provider hat niedrige Preise, schnelle Leitungen, er berät sachkundig sowohl am Telefon als auch per E-Mail und er bietet eine umfangreiche technische Ausstattung.

Alles Gute ist aber wie so oft im Leben selten zusammen. So haben preiswerte Anbieter meist nicht die schnellsten Leitungen oder Schwächen beim Service. Und wenn die Qualität stimmt, kostet es oft ein paar Euro mehr.

Zum Beispiel bei der Debitel-Tochter Midray, dem Provider mit den besten Noten im Test – aber auch mit den höchsten Preisen. Ginko, Globalsurf und NGI, die ebenfalls vorn liegen, sind preislich wenigstens für Minimal- und Wenigsurfer interessant. Wer häufiger ins Netz geht, zahlt hier aber deutlich drauf. Und zwar mehr als das Doppelte als bei den günstigsten Anbietern.

Doch es gibt Alternativen. Zum Beispiel den Provider 1&1. Er erreichte im Test ein ausgeglichen gutes Ergebnis und er glänzt mit preiswerten Tarifen. Auch in der Vielseitigkeit (technischer Service) liegt 1&1 vorn. So gibt es hier je nach Tarif bis zu 50 E-Mail-Adressen und 100 Megabyte Speicherplatz für die eigene Homepage. Das ist fünf- bis zehnmal mehr als bei der Konkurrenz.

Das Internet wird schneller

Internetprovider Test
Gut und günstig:
Der Provider 1&1

Tiscali, einer der großen europäischen Provider, bot im Test ebenfalls solide Qualität zu günstigen Tarifen, allerdings nur für Minimal- und Wenigsurfer. Auch die Marktführer – T-Online mit über 9 Millionen und AOL mit rund 2,7 Millionen Kunden – haben akzeptable Preise und eine insgesamt gute Qualität. Im Detail zeigten sie aber Defizite.

Neben den getesteten Providern, die bundeseweit agieren, gibt es noch zahlreiche regionale Anbieter mit teilweise interessanten Angeboten. Wer vergleichen will, findet auch hier passende Anbieter: www-cache.rrzn.uni-hannover.de/such-prov.html.

An der technischen Leistung der getesteten Provider gibt es wenig auszusetzen. Im Gegenteil: Das Internet ist sogar schneller geworden. Gegenüber unserem letzten Test sind die Übertragungsraten leicht angestiegen, sowohl im Schmalband- (Analog, ISDN) als auch im Breitbandbereich (DSL). Erfolg­lose Einwahlen (Verfügbarkeit) werden auch immer seltener. Nur Citynetworx war gelegentlich schwer zu erreichen.

Während die besten Internetprovider in der technischen Leistung in allen Prüfpunkten „sehr gut“ oder „gut“ abschneiden, zeigen andere beim Download von Servern in den USA leichte Schwächen. Dazu gehören auch die großen und sonst empfehlenswerten Anbieter 1&1, Arcor, Tiscali und T-Online. Wer häufiger im amerikanischen Netz unterwegs ist, sollte sich eher für Debitel Midray, Ginko, NGI oder Callando entscheiden. Das wird dann aber etwas teurer.

Die Reaktionszeit (Ping) zeigt an, wie lange ein ausgesendetes Datenpaket benötigt, um wieder zum ursprünglichen Rechner zurückzukehren. Gute Bewertungen in diesem Punkt sind vor allem für diejenigen wichtig, die häufig interaktive Onlinespiele nutzen.

Wer sich die Ergebnisse unserer Geschwindigkeitsmessung ansieht, wird feststellen, dass einige Anbieter nahezu identisch abschneiden. Das ist kein Zufall, denn viele Provider nutzen die technische Infrastruktur von großen Netzbetreibern. Einer der wichtigsten ist die Firma Mediaways. Sie steckt mit ihrer Technik hinter vielen getesteten Anbietern, was man auch an den Einwahlnummern erkennen kann.

Schneckentempo oder Turbo

Der beste Provider nutzt nichts, wenn der Surfer mit einem langsamen Modem auf dem Datenhighway unterwegs ist. Wir haben einmal untersucht, wie stark sich die Geschwindigkeit in der Praxis tatsächlich unterscheidet, je nachdem ob man per Modem, ISDN oder DSL ins Netz geht. Dafür wurde jeweils eine ein Megabyte große Datei per FTP (File Transfer Protocol = Datenübertragungsprotokoll) hoch- und heruntergeladen.

Schon bei der Einwahlzeit gibt es enorme Unterschiede. Während die Prozedur mit DSL in zwei Sekunden erledigt ist, braucht der ISDN-Anschluss rund sechs Sekunden und Modemnutzer müssen ganze 43 Sekunden warten. Der Down­load ist mit DSL in knapp 12 Sekunden erledigt. ISDN und Modem strapazieren die Geduld wesentlich stärker. Hier muss der Surfer 140 beziehungsweise 170 Sekunden warten, also elf- bis vierzehnmal so lange. Beim Senden der Datei ins Netz (Upload) kann der ISDN-Anschluss seinen Vorteil gegenüber dem Modem etwas deutlicher zeigen: 155 zu 290 Sekunden. Mit DSL ist die Datei aber schon in rund 64 Sekunden verschickt.

Wer nicht gern Däumchen drehend vor dem Computer sitzt, sollte einen Breitbandanschluss mit DSL in Erwägung ziehen. Der höhere Surfkomfort kann aber deutlich teurer werden, zumindest für diejenigen, die das Internet nicht intensiv nutzen. Da wären zunächst die Anschlusskosten. Für Telekom-Kunden sind das ein so genanntes Schaltentgelt von 74,95 Euro und mindestens 100 Euro für das notwendige Modem. Stärker ins Gewicht fällt der monatliche Grundpreis für DSL Bei einem T-Net-Anschluss beträgt er 19,99 Euro, die zusätzlich zur Telefon-Grundgebühr von 13,33 Euro gezahlt werden müssen. Mit dem günstigsten Pauschatarif kostet der schnelle Surfspaß also rund 40 Euro im Monat.

Geschwindigkeit allein reicht aber nicht. Der Service sollte ebenfalls stimmen. Denn für viele ist das Internet eine neue, unbekannte Welt, die viele Fragen aufwirft. Ansprechpartner ist der Provi­der, der, wenn er seinen Job ernst nimmt, den Kunden schnell und kompetent zur Seite steht. Um zu testen, ob das wirklich so ist, haben wir an alle Anbieter je drei Anfragen per Telefon und per E-Mail gestellt. Darin ging es um ein technisches Problem, um die Abrechnung der Surfkosten und um die Sicherheit beim Onlinebanking und -shopping.

Erstaunliches Ergebnis: Während die Telefonhotlines inzwischen meist kompetent besetzt sind, schneidet der E-Mail-Service häufig katastrophal ab. Auch bei etablierten Anbietern. So bekamen wir von AOL und Compuserve entweder gar nichts oder sie schickten Antworten, die überhaupt nicht auf die Fragen eingingen. Nur geringfügig besser wird dieser dem Medium doch am besten entsprechende Servicekanal bei T-Online, Arcor, Freenet, MSN und ACN bedient. Aber auch hier trafen, wenn überhaupt geantwortet wurde, viele nichts sagende Mails bei uns ein.

Als Service-Totalversager stellte sich DLZ 2000 heraus. Die Hotline dieses Internetproviders ist kaum erreichbar und E-Mails werden nicht beantwortet. Und das bei folgendem Versprechen auf seiner Homepage: „24 Stunden E-Mail-Support 7 Tage die Woche (auch an Feiertagen!) mit Antwort-Garantie“.

Zu einem guten Service gehört aber noch viel mehr. Beispielsweise eine umfangreiche Ausstattung. In der Tabelle nennen wir unter „Technische Merkmale“ die wichtigsten Angebote der Provider, etwa die Anzahl der E-Mail-Adressen, den Speicherplatz für die eigene Homepage oder das An­gebot an Sicherheitstechnik wie Virenschutz und Kindersicherung.

Auch die Abrechnung (Einzelverbindungsnachweis) und die Vertragsbedingungen (Laufzeiten, Kündigungsfristen) sollten sich Einsteiger genau ansehen.

Schwieriger Start

Wer neue Kunden anlocken will, macht ihnen den Einstieg so einfach wie möglich. Denkt man. Doch einige Provider scheinen eher vom Gegenteil überzeugt zu sein. Bei unseren Anmeldungen, je einmal online und einmal offline, mussten wir jedenfalls einige Hürden überwinden. So bekommt man von Arcor, Citynetworx und NGI keine CD zur einfachen Einwahl ins Netz, sondern muss sie selbst über das DFÜ-Netzwerk vornehmen. Wie das geht, verrät das gelieferte Informationsmaterial aber nicht.

Mit einer CD ist die Prozedur zwar viel einfacher, es kann aber auch verwirrend sein. So wird der AOL-Kunde darüber im Unklaren gelassen, was die CD, die wohl schon jeder mal als Werbung in seinem Briefkasten gefunden hat, eigentlich installiert. AOL ist sowieso ein Sonderfall. Der größte Provider der Welt hat als einziger ein eigenes, für andere Internetnutzer nicht zugängliches Angebot. Etwa die Hälfte der AOL-Nutzer verlassen diesen geschlossenen Bereich nie. Das Internet bleibt draußen. Dies und die aggressive Werbung hat AOL viel Kritik eingetragen, nachzulesen in diversen Internetforen. Auch hier ist Deutschland gespalten: Die einen mögen AOL, die anderen nicht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Breitbandzugang mit DSL

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