06.04.2006

Internet- und Telefon-Flatrates: Verschleierte Transparenz

Internet- und Telefon-Flatrates Meldung

Ein Preis pro Monat fürs Surfen und Telefonieren - egal wie lang, wie viel und wie oft. Telekom, Arcor, Versatel, Alice und andere Anbieter locken zurzeit Vieltelefonierer und -surfer mit Pauschalangeboten. Sie nennen ihre Produkte „XXL Fulltime DSL Flatrate“, „All-inclusive-Paket“, „DSL Flatrater“ oder „Alice Fun DSL Flat“. Wer etwa wegen eines Umzugs über einen Anbieterwechsel nachdenkt, sollte sich diese Pauschalpakete genau ansehen. Sie können sehr attraktiv sein, manchmal aber auch zur Kostenfalle werden. test.de sagt, worin sich die Angebote unterscheiden und für wen sich welches Angebot lohnt.

Tabelle: Die vier Anbieter im Überblick

Undurchsichtige Werbung

Schon die Recherche nach den Gesamtkosten eines Angebots gestaltet sich bei manchen Anbietern etwas kompliziert. So wirbt etwa T-Com zurzeit mit dem Slogan „Jetzt neu: Telefon-Flat für 19,95 Euro.“ Wie viel der Kunde wirklich zahlt, sagt der Marktführer unter den Festnetzanbietern nicht. Erst in der Fußnote des Werbeslogans stehen alle Informationen: „XXL Fulltime/T-Net kostet monatlich 35,90 Euro. XXL Fulltime/T-ISDN kostet monatlich 43,90 Euro.“ Zu den 19,95 Euro Telefon-Flatrate kommt also die monatliche Gebühr eines T-Net-Anschlusses von 15,95 Euro oder eines T-ISDN-Anschlusses von 23,95 Euro hinzu. Daraus ergibt sich dann XXL Fulltime für 35,90 (analog) oder 43,90 Euro (ISDN). Das entspricht einer Telefon-Flatrate. Das heißt: T-Com-Kunden können entweder für knapp 36 oder knapp 44 Euro unbegrenzt ins deutsche Festnetz telefonieren. Anderes Beispiel: Arcor wirbt auf der Homepage mit „Arcor-ISDN telefon flat: Monatliche 39,90 Euro inklusive Grundpreis.“ Das ist transparenter, weil Arcor die zwingend anfallenden Kostenbestandteile Flatrate und Grundgebühr nur zusammen angibt.

Attraktive Komplett-Pakete

Zurzeit locken mehrere Anbieter mit Komplett-Paketen, die aus einer „Doppel-Flatrate“ für Internet und Telefon bestehen und somit für Vieltelefonierer und -surfer attraktiv sein können. Beispiel Arcor: Das „All-inclusive-Paket“ kostet monatlich 44,85 Euro. Darin enthalten: ISDN-Anschluss für 19,95 Euro, DSL-Anschluss für 10 Euro und eine Doppelflatrate (Internet und Telefon) für 14,90 Euro. Alice („Alice Fun DSL“) bietet ein ähnliches Paket zu monatlich 44,90 Euro an, Versatel („DSL flatrater 2000“ + „voiceflat“) zu 44,98 Euro. Wer sich bei der Telekom ein vergleichbares Paket schnürt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen: XXL Fulltime/T-Net (35,90 Euro) plus DSL (19,99 Euro) plus Internet-Flatrate (9,95) macht zusammen 65,84 Euro. Das sind über 20 Euro mehr als bei Arcor, Alice und Versatel - und das Monat für Monat.

Unterschiede im Detail

Auf den ersten Blick sind die Pakete sehr ähnlich, auch die Preise unterscheiden sich - Ausnahme Telekom - kaum. Der zweite Blick deckt allerdings Unterschiede auf, die für bestimmte Kunden wichtig sein könnten: DSL-Geschwindigkeit, Call-by-Call-Verfahren, Vertragslaufzeit, Art des Telefonanschlusses, Anschlussgebühren. Kunden sollten bei ihrer Entscheidung auf diese Punkte achten.

Telefonanschluss

Telekom, Arcor und Versatel reden in der Werbung von einem „ISDN-Anschluss“, Alice nur von einem „Telefonanschluss“. Und das hat Gründe. Bei Alice „Fun“ und „Deluxe“ ist standardgemäß nur ein Analoganschluss im Paket enthalten. Wer ISDN haben möchte, zahlt monatlich zwei Euro extra. ISDN-Anschlüsse haben den Vorteil, dass Kunden auf zwei Leitungen telefonieren können und zudem mindestens zwei Rufnummern haben.

Tipp. Wenn Ihnen bisher ein Analoganschluss ausgereicht hat, ist ein Umstieg auf ISDN nicht notwendig. Und wenn Sie bisher einen ISDN-Anschluss hatten, weil Sie auch gleichzeitig surfen und telefonieren wollten, würde ebenfalls ein Analoganschluss ausreichen. Denn über die DSL-Leitung können Sie surfen, über den Analoganschluss telefonieren. Wenn Sie einen ISDN-Anschluss hatten, weil mehrere Leute in einer Familie oder WG gleichzeitig den Anschluss nutzten, sollten Sie diesen auch beibehalten.

DSL-Geschwindigkeit

Die gängigen DSL-Geschwindigkeiten beim Download, also etwa das Herunterladen von Dateien, sind 1 024 Kilobit (1 Megabit) und 2 048 Kilobit (2 Megabit) pro Sekunde. Im Arcor-Paket ist die „langsame“ 1 Megabit-DSL-Verbindung enthalten. Die Telekom bietet die Internet-Flatrate ab dem schnelleren T-DSL 2 000 (2 Megabit pro Sekunde) an. Mittlerweile locken Anbieter wie Versatel bei entsprechendem Aufpreis mit 20 Megabit pro Sekunde. Auch die Uploadgeschwindigkeit ist unterschiedlich. Die spielt eine Rolle, wenn der Nutzer Daten übers Internet versendet. Im Telekom-Paket strömen die Daten mit 192 Kilobit pro Sekunde ins Internet. Bei Arcor sind es nur 128 Kilobit pro Sekunde. Wählt ein Kunde bei Versatel den DSL Flatrater 2 000 (2 Megabit) bekommt er sogar einen Upload von 384 Kilobit pro Sekunde.

Tipp. Wenn Sie „nur“ Ihre Mail checken und im Internet surfen, reicht 1 Megabit pro Sekunde völlig aus. Etwas langsam könnte es werden, wenn Sie häufig größere Dateien herunterladen oder „streamen“, also etwa Filme übers Internet gucken. Dann könnte sich DSL 2 000 oder gar 6 000 lohnen. Die Upload-Geschwindigkeit wird für Sie interessant, wenn Sie häufig Mails mit großen Anhängen verschicken, Tauschbörsen nutzen oder Ihre Daten auf einer Online-Festplatte sichern.

Call-by-Call-Verfahren

Wer sich für Arcor, Alice, Versatel oder einen anderen Anbieter außer der Telekom entscheidet, kann kein Call-by-Call-Verfahren verwenden. Gespräche ins deutsche Festnetz sind zwar gratis. Doch Gespräche ins Mobilfunknetz und ins Ausland werden mit der Flatrate nicht abgegolten. Für sie können Call-by-Call-Nummern sehr viel günstiger sein.

Tipp. Falls Sie häufig ins Ausland telefonieren, könnte das bei einigen Anbietern mit der Zeit teuer werden. Die Festnetzbetreiber bieten allerdings Sonderoptionen an. Beispiel Arcor: Sie können bis zu drei Länder auswählen, für die günstigere Tarife gelten als die Standardpreise. Pro ausgewähltem Land zahlen sie einen monatlichen Mindestumsatz von 1 Euro. Nach Spanien reduziert sich dann beispielsweise der Minutenpreis von 8 auf 3,7 Cent. Mit Call-by-Call könnten sie allerdings für weniger als 2 Cent nach Spanien telefonieren.

Anschlussgebühren

Entscheidender Kostenfaktor bei der Auswahl eines Anbieters mit Komplett-Paketen sind auch die Anschlussgebühren. Alle Anbieter locken mit Angeboten ohne Anschlussgebühren. Bei Arcor sparen Kunden bis zum 2. Mai den Bereitstellungpreis von 99,95 Euro. Die Telekom erlässt DSL-Flatrate-Kunde bis zum 10. April den Bereitstellungspreis von 49,95 Euro. Versatel bietet den „DSL flatrater 2000“ dauerhaft inklusive Bereitstellung an. Und Alice wirbt mit der Aktion „Jetzt wechseln. Ohne Einrichtungspreis“, die bis zum 30. Juni gilt. Des Weiteren gibts häufig eine Gutschrift oder eine kostenlose Hardware-Komponente.

Tipp. Sie können damit rechnen, dass die Anbieter ihre Aktionen fortsetzen beziehungsweise wenige Zeit später erneut bringen, sodass sie bei dem derzeitigen heiß umkämpften Markt in der Regel einen Vertrag ohne Bereitstellungsgebühr abschließen können.

Vertragslaufzeit

Telekomkunden können ihren Telefon- und DSL-Vertrag innerhalb einer Woche kündigen. Alice-Kunden haben keine Mindestvertragslaufzeit, sie können zum Monatsende mit einer vierwöchigen Frist kündigen. Arcor und Versatel haben eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren. Kunden können kündigen, wenn sie einen wichtigen Grund vorlegen. Ob etwa ein Umzug ein wichtiger Grund ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht vor, dass in jedem Einzelfall die Interessen beider Seiten abgewogen werden müssen und geprüft werden muss, ob das Festhalten am Vertrag zumutbar ist. Auf jeden Fall wird der Anbieter eine Gebühr vom Kunden verlangen, wenn dieser vorzeitig kündigt.

Tipp. Ihre vorzeitige Kündigung hat gute Chancen durchzukommen, wenn Sie in ein Gebiet ziehen, wo DSL nicht möglich ist. Ohne sinnvolle Begründung und gebührenfrei auszusteigen, haben Sie dagegen nur geringe Chancen.

Tabelle: Die vier Anbieter im Überblick
Test: 15 Internetprovider für DSL

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tabelle: Doppel-Flatrates

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