Keine Beratung unter dieser Nummer: Oft fehlt es Hotline-Mitarbeitern an Kompetenz. Der Kunde badet es aus. Und das, nachdem er sich die Tortur von Warteschleife und Sprachmenü angetan hat. Im Test schneidet keine der zehn Hotlines gut ab, Versatel und Kabel BW fallen gar durch.
Sieben alltägliche Fragen
Als Erstes hören Anrufer bei Telefonhotlines unpersönliche und nervige Sprachmenüs: „Sie wünschen..., dann drücken Sie die 1, Sie sind bereits Kunde, dann drücken Sie die 2...“ Wer die Tortur hinter sich gebracht hat, erhofft sich gute Beratung. Doch weit gefehlt: Keine der zehn Hotlines im Test war gut. Sieben alltägliche Fragen zum Festnetz, Handy und mobilen Internet stellten die Tester den Hotlines. Nur gut ein Drittel davon lösten die Mitarbeiter dort vollständig. Besonders Kabel BW und Versatel fielen durch. Den Hotline-Mitarbeitern mangelt es vor allem an einem: Fachwissen. Da nutzt es wenig, dass sie meist nett und freundlich sind.
Rätsel bei Fotoversand und Surfgeschwindigkeit
Beispiele für Testaufgaben:
- Fotoversand. Wie Kunden mit dem Handy hochauflösende Fotos versenden, weiß kaum ein Berater genau. Bildnachrichten, MMS genannt, sind nur bis maximal 300 Kilobyte möglich. Größere Bilddateien lassen sich aber sehr wohl verschicken: als E-Mail-Anhang. Der Berater bei Versatel kennt diese Grenze nicht, bei O2 ist ein Megabyte angeblich sogar weniger als ein Kilobyte. Auch auf Nachfrage bleibt der Mitarbeiter dabei.
- Surfen per Notebook. Die Tester wollen mit ihrem Notebook unterwegs ins Internet. Sie fragen nach einem Surfstick und nach der Surfgeschwindigkeit. Das Tempo, das sich theoretisch erreichen lässt, nennen alle Mitarbeiter. Allerdings weisen nur vier darauf hin, dass es in der Praxis oft deutlich langsamer ausfällt. Bei Kabel BW erfährt der Tester, dass die Geschwindigkeit „in der Regel überall gleich“ sei und aus der Maximalgeschwindigkeit wird eine Garantie: „7,2 Megabit pro Sekunde kriegen Sie auf jeden Fall, das ist die Mindestgeschwindigkeit.“ Bei Kabel Deutschland kommt die Gegenfrage: „Warum sollte das schwanken?“ Der Kunde soll der Beraterin die Technik erklären – verkehrte Welt.
Verkaufsgespräch statt Beratung
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Dafür geben sich die Callcenter-Mitarbeiter viel Mühe, wenn sie eine Verkaufschance wittern. Sie sollen am Telefon auch verkaufen, bei Erfolg locken Provisionen zusätzlich zum Gehalt. Die Beratung entwickelt sich deshalb mehrmals zum Verkaufsgespräch. Die Alice-Mitarbeiterin „palavert sofort die Anfrage des Kunden nieder, redet unentwegt vom ,nahtlosen Übergang’“, notiert der Tester. Damit will sie ihn schnell zu einem Vertragsabschluss bei Alice überreden. Nehmen sich die Callcenter-Agenten allerdings Zeit und erklären den Kunden etwas in Ruhe, dann machen sie es immerhin allgemein verständlich und sprechen kein Fachchinesisch.
Warten so teuer wie das Gespräch
Die durchschnittlichen Kosten mit 0,69 Euro je Fragestellung und Antwort halten sich im Rahmen. Allerdings fällt bei vielen Hotlines das Missverhältnis zwischen Bearbeitungs- und Wartezeit auf. Tatsächlich zahlen die Tester bei 1 & 1, der Telekom und Vodafone mehr als die Hälfte nur fürs Warten.
Künftig Kosten erst bei Leistung
Das soll sich jetzt ändern: Kunden sollen in Zukunft bei Sonderrufnummern wie 0 180 5-Hotlines erst dann zahlen, wenn ein Berater persönlich mit ihnen spricht. Darauf einigte sich die Bundesregierung in dieser Woche nach zähem Ringen. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Doch auch dann gibt die Politik den Anbietern ein weiteres Jahr Zeit, die Hotlines umzustellen. Solange sind nur die ersten zwei Minuten für Kunden kostenlos.
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