19.08.2008

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Endlich klare Steuerregeln

Haushaltsnahe Dienstleistungen Meldung
Lohn für Ehrliche: Ob zuhause oder im Ferienhaus auf Mallorca – wer Helfer und Handwerker legal beschäftigt, kann sich einen Teil der Kosten vom Finanzamt zurückholen.

Ausgaben für Helfer rund um den Haushalt können Privatleute steuerlich geltend machen. Bisher gab es viele Fragen. Einige ganz wichtige sind nun geklärt.

Aufträge an Schwarzarbeiter sieht der Staat nicht gern. Doch wenn der Handwerker oder die Putzfrau ganz legal im Haushalt von Privatleuten arbeitet, greift er den Auftraggebern unter die Arme. Sie dürfen sich mit der Steuererklärung einen Teil der Ausgaben wiederholen.

Einige Hundert Euro sind drin. Sogar die Nebenkostenabrechnung für Mieter und Wohnungseigentümer enthält steuerlich anerkannte Kosten. Gerichte und Finanzverwaltung haben einiges zum Steuerbonus für haushaltsnahe Dienste geklärt.

Für welche Tätigkeiten bekomme ich einen Steuerbonus?

Sie erhalten den Zuschuss nur, wenn der Helfer in Ihrem Haushalt gearbeitet hat, dazu gehören auch Garage und Garten. Wer eine Immobilie im EU-Ausland besitzt, kann selbst die Personalkosten für den dortigen Haushalt in der Steuererklärung in Deutschland ansetzen. Diese Regelung ist neu und gilt rückwirkend ab 2003, sofern der Steuerbescheid noch offen ist.

Die Grenzen für haushaltsnahe Tätigkeiten sind jedoch schnell überschritten: Nimmt ein Handwerker Ihre Waschmaschine zur Reparatur mit in die Werkstatt, sind die Kosten nicht begünstigt.

Für den Nachhilfelehrer und die Friseurin will die Finanzverwaltung keinen Bonus gewähren, auch wenn sie nachhause kommen. Ebenfalls ohne Zuschuss bleibt, wer Handwerker beim Neubau eines Hauses beschäftigt. Auch Arbeiten an einem Anbau und eine Aufstockung zählen nicht.

Renoviert ein Maler neben den Privaträumen ein beruflich genutztes Büro in Ihrem Haushalt, werden nur die Kosten bezuschusst, die auf den Privatteil entfallen. Die Reinigungskosten fürs Büro können Sie aber wenigstens als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen.

Öffentliche Flächen gehören nicht zu Ihrem Haushalt. Lassen Sie Ihr Grundstück und den öffentlichen Gehweg fegen und vom Schnee befreien, bekommen Sie nur für den Privatteil einen Steuerbonus.

Beispiel: Eine 400-Euro-Kraft räumt den Schnee auf Ihrem Gelände und auf dem öffentlichen Gehweg. 20 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf den Gehweg. Der Arbeitgeber des Minijobbers kann 80 Prozent der Kosten steuerlich geltend machen.

Wie viel Steuern kann ich mit meinen Ausgaben für Dienstleister sparen?

Das hängt von dem jeweiligen Arbeitsverhältnis und von der Höhe der Ausgaben an.

Minijobber. Lassen Sie jemanden auf 400-Euro-Basis bei sich putzen und haben Sie die Reinigungskraft bei der Minijob-Zentrale in Essen (Tel. 0 180 1/20 05 04 ) angemeldet, erhalten Sie 10 Prozent Ihrer Lohnkosten und Abgaben zurück, maximal 510 Euro im Jahr.

Beispiel: Sie zahlen für eine Putzkraft inklusive Abgaben rund 455 Euro im Monat, 5 460 Euro im Jahr. 5 460 Euro tragen Sie in die Steuererklärung ein. Weil 10 Prozent von 5 460 Euro mehr als 510 Euro sind, bekommen Sie nur 510 Euro erstattet.

Achtung: Beschäftigen Sie einen Minijobber nicht für das ganze Jahr, sondern nur einige Monate, wird Ihr maximaler Steuerbonus zeitanteilig gekürzt.

Angestellte. Haben Sie eine Haushaltshilfe für mehr als 400 Euro monatlich angestellt, können Sie 12 Prozent des Arbeitsentgelts und der Abgaben ansetzen und bis zu 2 400 Euro Steuern im Jahr sparen.

Selbstständige. Wer einen selbstständigen Fensterputzer engagiert, kann 20 Prozent der Ausgaben, maximal 600 Euro im Jahr sparen.

Handwerker. Wenn Sie einen Handwerker beauftragen, Parkett zu verlegen, sparen Sie 20 Prozent der Lohnkosten, höchstens 600 Euro im Jahr.

Zu den begünstigten Kosten zählen in den letzten beiden Fällen auch die Ihnen in Rechnung gestellten Fahr- und Maschinenkosten sowie die Mehrwertsteuer darauf – aber nicht die Kosten für Material.

Die vier Steuersparbeträge können kombiniert werden. Wer eine Putzfrau beschäftigt und einen Handwerker beauftragt hat, kann insgesamt bis zu 1 110 Euro (510 Euro plus 600 Euro) Steuern sparen.

Die Sparbeträge stehen jedem Haushalt nur einmal zu. Auch zusammenlebende Paare bekommen sie nur einmal.

Sind Kosten, die in meiner Ferienwohnung anfallen, auch begünstigt?

Ja. Selbst wenn Sie für Ihr Kind am Studienort eine Wohnung mieten und diese dem Kind kostenfrei überlassen, können Sie Ausgaben für die Zweitwohnung geltend machen. Trotz der zwei Haushalte stehen Ihnen die vier Abzugsbeträge aber nur einmal zu (siehe vorhergehende Frage).

Gibt es Regeln, wie die Rechnung eines Dienstleisters aussehen muss?

Ja. In der Rechnung sollte möglichst genau stehen, was der Handwerker getan hat. Die Kosten für Material müssen getrennt ausgewiesen sein, denn darauf erhalten Sie keinen Steuerbonus

Beispiel: Ein Handwerker verlegt Fliesen und bringt diese selbst mit. Steuerlich begünstigt sind nur die Lohn- und Fahrtkosten sowie die Maschinenkosten des Handwerkers. Sind in Ihrer Rechnung die Kosten für die Fliesen nicht getrennt ausgewiesen, bekommen Sie keinen Zuschuss.

Kleinere Materialposten wie das Putzmittel eines Fensterputzers muss der Dienstleister jedoch nicht extra ausweisen.

Damit das Finanzamt Ausgaben anerkennt, müssen Sie per Überweisung bezahlen. Im Verwendungszweck der Überweisung sollte die Rechnungsnummer stehen.

Die Rechnung und den Kontoauszug müssen Sie der Steuererklärung später beilegen. Arbeitet ein Handwerker ohne Rechnung, erhalten Sie keinen Zuschuss.

Au-pair: Wollen Sie Ausgaben für ein Au-pair-Mädchen ansetzen, müssen Sie den schriftlichen Vertrag vorlegen, in dem steht, was das Mädchen getan hat. Zudem sollten Sie das Taschengeld stets auf ein Konto des Mädchens überwiesen haben.

Das Taschengeld und der Wert von Unterbringung und Verpflegung sind begünstigt. 50 Prozent Ihrer Ausgaben dürfen Sie bei den haushaltsnahen Dienstleistungen ansetzen (siehe oben unter „Selbstständige“). Die übrigen 50 Prozent machen Sie als Kinderbetreuungskosten geltend.

Minijobber: Haben Sie bei der Minijob-Zentrale eine Haushaltshilfe angemeldet, erhalten Sie von dort eine Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt.

Nebenkosten: Wohnungseigentümer und Mieter belegen die Posten für haushaltsnahe Tätigkeiten unter den Nebenkosten mit einer Bescheinigung des Verwalters oder Vermieters oder mit einer Nebenkostenabrechnung, in der die begünstigten Ausgaben extra aufgezählt sind.

„Ab der Steuererklärung für das Jahr 2008 müssen die Steuerpflichtigen die Belege nicht mehr der Steuererklärung beilegen“, sagt Hans-Joachim Beck, Richter am Finanzgericht Berlin-Brandenburg. Sie sollten sie aber aufbewahren, um Sie auf Anfrage vorlegen zu können.

Wo trage ich die Ausgaben in der Steuererklärung ein?

In die Zeilen 106 bis 112 des Formulars – je nach Arbeitsverhältnis zwischen Ihnen und dem Helfer.

Welche Nebenkosten können Mieter und Wohnungseigentümer steuerlich geltend machen?

Alle Personalkosten aus der Abrechnung. Mieter können Ausgaben für den Schornsteinfeger, den Hauswart, die Wartung von Heizung und Fahrstuhl sowie die Gebäudereinigung angeben. Die Kosten der Straßenreinigung sind nur begünstigt, soweit privates Gelände gereinigt wird.

Einfach haben es die Mieter, die eine detaillierte Betriebskostenabrechnung mit Angabe der steuerlich begünstigten Personalkosten bekommen. Mitunter stellen Vermieter auch eine Steuerbescheinigung über Ausgaben für haushaltsnahe Tätigkeiten aus. Beides akzeptiert das Finanzamt.

Viele Mieter bekommen beides nicht. Ihnen bleibt nur, alle auf sie umgelegten Personalkosten selbst zusammenzuzählen und in die Steuererklärung (Zeile 110) einzutragen. Einige Sachbearbeiter gewähren den Steuerbonus insbesondere bei kleineren Summen dann wohl doch.

Wohnungseigentümer erhalten vom Verwalter eine Jahresabrechnung. Im Idealfall sind dort Personal- und Materialkosten getrennt ausgewiesen und der Anteil des Eigentümers an den Kosten ist aufgeführt. Die Abrechnung oder eine gesonderte Bescheinigung über Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen werden als Nachweis akzeptiert.

Die Verwalter verlangen allerdings mitunter Geld für eine Bescheinigung. Zuletzt hielt das Landgericht Düsseldorf eine Gebühr in Höhe von 25 Euro je Wohneinheit für gerechtfertigt (Az. 19 T 489/07).

Achtung: Der Lohn für den Verwalter sowie die Gebühren für die Steuerbescheinigung sind keine begünstigten Kosten.

Ich will jetzt die Steuererklärung für 2007 machen, habe die Betriebskostenabrechnung für 2007 aber noch nicht. Was soll ich machen?

Dann nehmen Sie einfach die jüngste Ihnen vorliegende Betriebskostenabrechnung – vermutlich die von 2006 – und machen diese Kosten geltend. So können Mieter und Wohnungseigentümer verfahren.

Privatpersonen, die Handwerker oder Dienstleister beauftragt haben, machen die Ausgaben aber in dem Steuerjahr geltend, in dem sie die Rechnung bezahlt haben.

Tipp: Jonglieren Sie mit den Ausgaben,wenn Sie etwa am Jahresende den Bonus für Handwerkerkosten (600 Euro) erreicht haben. Arbeitet Ende 2008 ein Handwerker für Sie, können Sie die Rechnung im Einvernehmen mit ihm erst 2009 bezahlen und die Kosten für 2009 geltend machen.

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