20.11.2011

Handy­versicherung: Wenig Schutz, hoher Preis

Handyversicherung Schnelltest

Das klingt super, sicher und sorgenfrei: der optimale Versicherungs­schutz fürs Handy. So die Werbung. Doch die Policen für eine Handy­versicherung sind reichlich teuer und leisten wenig. test.de hat sich exemplarisch einige Tarife näher angesehen.

Gebraucht­gerät statt Bargeld

Egal ob Unfall, Diebstahl, Bedienungs­fehler oder Fallenlassen: Der Kunde bleibt, so die Werbung, rundum sorglos, sogar bei höherer Gewalt – und das alles für kleines Geld. Ab 1,45 Euro monatlich gibt es zum Beispiel bei Hand­yschutz24 eine Versicherung fürs Handy in vier Tarif­varianten (Basic, Stan­dard, Premium und Platinum). Was so cool klingt, kann sich in der Praxis jedoch schnell als Rohr­krepierer erweisen. Denn manches, was die Werbung groß ankündigt, leistet die Versicherung – dahinter steht die Kölner Axa – dann doch nicht wirk­lich. Und wenn sie leistet, gibt es nicht unbe­dingt bares Geld, sondern bloß ein Ersatz­gerät, eventuell sogar nur ein gebrauchtes. Das muss noch nicht einmal dasselbe Modell sein: Wenn Reparatur oder Ersatz­beschaffung den Zeit­wert über­schreiten, erhält der Kunde ein gebrauchtes Gerät oder Geld „nach Wahl des Versicherers“ – so steht es ausdrück­lich in den Versicherungs­bedingungen: „Der Versicherte hat keinen Anspruch auf Geld­ersatz.“

Bescheidener Zeit­wert

Aber selbst wenn die Gesell­schaft sich für Bares entscheidet, wird mancher Kunde ziemlich enttäuscht sein. Denn die Policen erstatten maximal den Zeit­wert. Und der entspricht nur im ersten Versicherungs­jahr dem Kauf­preis. Im zweiten Jahr sind es noch 80 Prozent, im dritten Jahr 60 Prozent – danach läuft der Vertrag aus, mehr als drei Jahre Lauf­zeit sind nicht drin. Abge­zogen vom Zeit­wert wird darüber hinaus eine Selbst­beteiligung: je nach Tarif zwischen 15 Euro und 35 Euro (siehe Tabelle). Bei einfachem Diebstahl, der nur in den teureren Premium- und Platinum­varianten versichert ist, erhöht sich der Selbst­behalt auf 20 Prozent beziehungs­weise 25 Prozent des Kauf­preises. Begrenzt ist die Entschädigung in allen Tarif­varianten auf die Deckungs­summe: 200 Euro im Basic-Tarif, 350 Euro im Stan­dard-, 600 Euro im Premium- und 900 Euro im Platinum-Tarif.

Beispiel: Nur 91,50 Euro Ersatz

Wird ein „Premium“ versichertes Handy, das 600 Euro gekostet hat, nach 30 Monaten geklaut, erhält der Kunde 60 Prozent der Deckungs­summe von 600 Euro, also 360 Euro. Abzüglich 20 Prozent Selbst­behalt bleiben gerade noch 240 Euro Erstattung. Bis dahin hat er aber schon 148,50 Euro Monats­beiträge bezahlt. Ergebnis: In diesem Fall bringt die Versicherung gerade mal 91,50 Euro. Ähnlich mager fällt die Entschädigung beim „Plus Schutz“ von Media Markt und Saturn aus. Je nach Verkaufs­preis des Handys zahlen Kunden hier für die Absicherung einmalig einen Betrag zwischen 25 und 650 Euro. Für ein 600 Euro teures Handy müssten Kunden bei Saturn und Mediamarkt 120 Euro einmalig für den „Plus Schutz“ aufbringen. Die Enttäuschung: Schon im zweiten Versicherungs­jahr zahlt der Tarif nur noch 60 Prozent, bei Diebstahl sind es inklusive Selbst­behalt nur 40 Prozent.

Viele Ausschlüsse

Das ist aber nicht die einzige Enttäuschung, die denen droht, die sich gut versichert glauben. Denn die Liste der Ausschlüsse ist bei Handy­versicherungen lang. Diebstahl zum Beispiel ist bei Hand­yschutz24 nur in den teuren Varianten „Premium“ und „Platinum“ inklusive. Und da greift die Versicherung auch nur, wenn das Handy „in persönlichem Gewahr­sam sicher“ mitgeführt wurde – eine Formulierung, die im praktischen Anwendungs­fall durch­aus Interpretations­spielraum lässt. Media-Markt sagt es genauer: Keine Entschädigung, wenn das Handy „auch nur kurz­fristig unbe­aufsichtigt“ war, zum Beispiel im Mantel an der Garderobe oder wenn Freunde das Handy benutzt oder aufbewahrt haben. Einbruch­diebstahl ist bei den meisten Tarifen nur versichert, wenn in einen verschlossenen Raum oder in einen verschlossenen, nicht einsehbaren Kofferraum eines ebenfalls verschlossenen Pkw einge­brochen wurde. Und auch dann müssen Kunden von Hand­yschutz24 nach­weisen, dass der Einbruch zwischen 6 und 22 Uhr geschah.

Kein Schutz bei schlechtem Wetter

Gar nicht versichert ist, wenn der Kunde sein Handy irgendwo vergisst, liegen lässt oder verliert. Bei Handy­schutz24 sind auch Witterungs­einflüsse ausgeschlossen. Wer „rundum sorglos“ bei Regen telefonieren möchte, sollte daran denken. Auch wenn Computerviren das Telefon lahmlegen, gibt es nichts, ebenso nichts bei Schäden durch normale Abnut­zung, bei kaputten Verschleiß­teilen wie Akkus oder kleineren Mängeln wie Kratzer. Außerdem muss der Kunde bei Diebstahl, Raub oder Vandalismus Anzeige bei der Polizei erstatten.

Fazit: Police nicht nötig

Handy­versicherungen sind nicht billig, ihre Leistungen im Schadens­fall über­schaubar. Und letzten Endes ist ein verlorenes Handy zwar ärgerlich, aber dabei geht es nicht um sehr große Summen, dass eine Versicherung sinn­voll wäre. Wer unbe­dingt ein Handy braucht, kann auch für wenig Geld ein einfaches Gerät nach­kaufen, selbst Smartphones gibt es schon für unter 100 Euro. Wirk­lich notwendig sind Versicherungen nur bei existenz­gefähr­denden Risiken. Wer eine Hausrat­versicherung hat, kann ohnehin auf die zurück greifen, falls das Handy aus der Wohnung gestohlen oder auf der Straße geraubt wird.

Handy lokalisieren

Tipp: Das Finanztest "Gewusst wie" erklärt, wie Sie ein GPS-fähiges Handy nach Verlust lokalisieren können. Beim iPhone 4 gibt es die kostenlose App „Finde mein iPhone“. Ähnliche Fern­steuerungs­programme für Android-Geräte heißen Waveguard, Wavesecure oder Seekdroid. Je nach Programm können Sie aus der Ferne die Daten auf dem Telefon löschen oder Nach­richten an den Finder schi­cken, zum Beispiel ein Finder­lohn-Versprechen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tabelle: Tarife von Hand­yschutz24 im Über­blick

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