28.04.2005

Handytarife: Abzocke ade!

Handytarife Test

Neun von zehn deutschen Teenagern haben ein Handy – und immer öfter auch Schulden. Neue Spezialtarife für Jugendliche sollen das Problem lösen. test nimmt sie unter die Lupe.

Britney Spears „Do something“ ist ein beliebter Handy-Klin­gelton. „Tut etwas“ könnte auch der Appell der Verbraucherschützer an Politik und Mobilfunkbetreiber lauten: 183 Millionen Euro gaben die Deutschen 2004 für Klingeltöne aus. Parallel dazu stieg die Zahl jugendlicher Schuldner erschreckend an.

Während für Erwachsene mit mehr als 30 Gesprächsminuten im Monat ein Vertrag sinnvoller ist (siehe Tabellen), empfahlen sich für Kinder stets vorab bezahlte Guthabenkarten (Prepaid). Sie erlauben Kostenkontrolle: Vertelefoniert wird so viel, wie vorher aufgeladen wurde. Nun gibt es eine weitere Möglichkeit. Vodafone und T-Mobile haben auf Forderungen von Verbraucherministerin Künast reagiert und Tarife mit eingebautem Kostenlimit auf den Markt gebracht: Call­Ya-­Junior Karte und CombiCard Teens. Das sind Zusatzkarten zu laufenden Verträgen der Eltern. Beim recht ähnlichen Tarif m-limit von mobilcom handelt es sich dagegen um einen eigenen Vertrag. test zeigt, welche Wünsche besorgter Eltern sich damit umsetzen lassen. Zum Vergleich: die Prepaidkarte von Tchibo.

Wunsch: Gesprächskosten deckeln

Handytarife Test
SMS schreiben ist bei Jugendlichen sehr beliebt. Mit 15 bis 19 Cent pro Stück sind sie eine günstige Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben. Und ihr Fixpreis erleichtert die Kostenkontrolle.

Mit keinem der Tarifmodelle können Kinder unvorhersehbar hohe Kosten verursachen. Beim „Rund-um-einfach-Tarif“ von Tchibo laden sie das Guthaben vorher per 30-Euro-Karte mit Freirubbel-Nummer oder Überweisung in beliebiger Höhe auf. Bei m-limit und den Kombikarten wird monatlich ein festgelegter Betrag „aufgeladen“ und dann über die eigene Rechnung beziehungsweise die der Eltern bezahlt. Bei allen Modellen lässt sich nicht verbrauchtes Guthaben ansammeln.

Achtung: Beim m-limit-Vertrag fällt zusätzlich zu den Gesprächspreisen eine Monatsgebühr von 5,95 Euro an, auch wenn der Nutzer gar nicht telefoniert hat.

Wunsch: 0190er-Nummern sperren

Während m-limit keine und Tchibo wenige teure Nummern sperrt, lassen sich mit den Kombikarten von T-Mobile und Vodafone viele fiese Kostenfallen „entschärfen“: 0190, 0900, 0137, 0138 und netzin­terne Kurzwahlen sind von vornherein nicht nutzbar. So kann der Nachwuchs keine Klingeltöne über 0190-Nummern bezahlen. Vodafone geht noch weiter: Auch teure 0180-Nummern sind tabu.

Achtung: Wer die Vodafone-Karte für seine Kinder kaufen will, muss dort aber seit mindestens einem halben Jahr einen eigenen Mobilfunkvertrag haben.

Wunsch: Premium-SMS verhindern

Jeder achte junge Deutsche zwischen 13 und 24 Jahren hat Schulden, und zwar im Durchschnitt 1 800 Euro. Eine effektive Möglichkeit, jungen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen, sind Premium-SMS. Mit ihnen werden Logos, Spiele oder Klingeltöne „bezahlt“. Die Werbung dafür bei MTV, Viva und Co. hat mittlerweile sogar den Jugendschutz auf den Plan gerufen. Premium-SMS-Dienste zu sperren und so den Klingelton-Download zu unterbinden, erlaubt nur die T-Mobile-Karte.

Tipp: T-Mobile bietet noch etwas mehr für entnervte Eltern als das ansonsten recht ähnliche Vodafone-Modell. So lassen sich zum Beispiel auch kostspielige GPRS-Datendienste und MMS-Dienste (Multime­dianachrichten) sperren.

Wunsch: Möglichst billige SMS

Teenagern ist laut Studien die SMS-Funktion ihres Handys am wichtigsten. Da lohnt sich ein Blick auf die Kosten für Kurznachrichten. So verlangen Vodafone und T-Mobile bei ihren Kombikarten 15 Cent statt wie sonst üblich 19 Cent. Verschickt ein Kind vier SMS am Tag, lassen sich so rund 4,80 Euro im Monat sparen.

Tipp: Ermuntern Sie Ihren Nachwuchs, SMS zu schicken statt zu telefonieren. Der Stückpreis hilft bei der Kostenkontrolle.

Wunsch: Transparente Kosten

Ihnen gehts für Ihre Sprösslinge in erster Linie um transparente Preise? Dann empfehlen sich die Kombikarten von T-Mobile und Vodafone sowie die Prepaidkarte von Tchibo. Mit Tchibo ist es am einfachsten: Alle Anrufe kosten pro Minute 35 Cent, egal wann und wohin. Vorsicht dagegen bei m-limit. Dieser Tarif ärgert mit fünf verschiedenen Preisen: Bei ihm kostet die Minute je nach Tageszeit und Anrufziel 79 oder 49 oder 39 Cent, 29 oder 9 Cent. Bei den Kombikarten gibt es nur eine einzige Unterscheidung: 30 Cent ins eigene Netz und ins Festnetz, 50 Cent in fremde Netze.

Tipp: Bei m-limit kostet die Abfrage der Mailbox je nach Tageszeit 29 oder 39 Cent, bei Tchibo und den Kombikarten nichts. achtung: Weniger kundenfreundlich aber zeigt sich das Kleingedruckte bei der T-Mobile-Karte. Ist ihr Nutzer nach der Mindestlaufzeit 18 Jahre, „verwandelt“ sie sich in einen Vertrag – gutgeschriebene Mindestaufladungen verfallen!

Wunsch: Anrufe zu einer Nummer

Ruft der Nachwuchs überwiegend eine bestimmte Telefonnummer im Festnetz oder im eigenen Funknetz (D1) an, lohnt sich m-limit. Dieser Tarif verlangt für Anrufe zu einer Wunschrufnummer nur zwischen 29 und 9 Cent pro Minute.

Tipp: Vorsicht – Anrufe in fremde Netze sind im Vergleich relativ kostspielig, die teure Hauptzeit vergleichsweise lang und die 60/30-Taktung kundenunfreundlich.

Wunsch: Günstiges Handy im Paket

Wer für sein Kind ein billiges Handy miterwerben will, wird bei m-limit und der Tchibo-Karte fündig. Im Angebot: Einsteiger- oder Fotohandys ab zusätzlich 1 Euro (m-limit) oder 30 Euro (Tchibo).

Tipp: Für die Kombikarten sollte das Kind schon ein Handy haben. Wichtig: Es darf nicht durch den „Sim-Lock“ gesperrt sein. Überprüfen Sie das, indem Sie Ihren Chip einlegen und zur Probe telefonieren.

Wunsch: Keine Gespräche im Urlaub

Telefonate mit deutschen Handys im Ausland nach Hause (Roaming) sind teuer, ein fünfmi­nütiges Gespräch aus Italien kostet zum Beispiel 4,80 Euro. Um das Reisebudget nicht zu sprengen, lässt sich diese Funktion bei der CallYa-JuniorKarte und der CombiCard Teens deaktivieren.

Tipp: Diese Kostensperre ist extra zu beantragen. Auch für alle weiteren optional sperrbaren Ziele (siehe Tabelle) wird ein Anruf bei Vodafone unter 2 29 11 oder bei T-Mobile unter 22 02 erforderlich.

Frage für alle: Was zahle ich?

Wichtig: Nach der Laufzeit „verwandelt“ sich die Kombikarte von T-Mobile in den Vertrag Relax 50, die von Vodafone in den Prepaidtarif Call­Ya-Basic. In beiden Fällen sind Sperrungen dann aufgehoben.

Fazit: Gute Ansätze sind da, doch eine Patentlösung bietet keins der neuen Angebote. Und die Kombikarten von T-Mobile und Vodafone dienen ganz unverhohlen ebenso stark dem Kundengewinn wie dem Schutz der Jugend. Bleibt zu hoffen, dass „mutigere“ Angebote folgen. O2 arbeitet an einem. E-Plus setzt auf Prepaid, hat seine Diensteanbieter aber beispielsweise zu Bestätigungs-SMS bei Abos verpflichtet. Darauf zielt auch das novellierte Telekommunikationsgesetz ab, das im Früh­sommer hoffentlich in Kraft tritt.

test meint: Endlich auch Gesprächspreise senken! Erste Schritte in diese Richtung gehen neue Vertragstarife wie der 13-Cent-Tarif oder Relax eco. Sie platzierten sich unter den billigsten Angeboten. Jung und Alt haben weniger Schulden, wenn auch die Preise sinken. Die liegen bei uns immer noch 40 Prozent über EU-Durchschnitt.

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